Nicht schön, aber beruhigend: Seit die Stadt auf dem Bahnhofssteg ein Wachhäuschen bauen ließ, das abends mit Wachleuten besetzt ist, fühlen sich die Bürger sicherer. Foto:  

Damit sich die Bürger in der Stadt sicher fühlen, arbeiten Polizei und Ordnungsamt eng zusammen. Die Zahl der Einbrüche ist deutlich gesunken.

Göppingen - Die gute Nachricht zuerst: Die ohnehin niedrige Zahl der Straftaten in Göppingen ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gesunken. Doch die Fakten sind das eine und die Gefühle der Bürger das andere. Viele fühlen sich trotz der abnehmenden Kriminalität unsicher in ihrer Stadt, speziell zu später Stunde und an vermeintlichen Brennpunkten wie dem Bahnhof.

Beispiele aus dem Alltag des Gemeindevollzugsdienstes (GVD) in Göppingen zeigen warum: Da brüllt ein Betrunkener Reisenden am Bahnhof „Heil Hitler“ entgegen. Junge Männer führen ihre Kampfhunde in der Nähe eines Kindergartens ohne Leine geschweige denn Maulkorb spazieren. Bettler belästigen Passanten in der Innenstadt. Immer wieder bieten sich den Bürgern Szenen, treffen sie auf andere Menschen, die nicht gerade Vertrauen erweckend sind. Werden Regeln und Vorschriften verletzt, schreiten die GVD-Streifen ein. Damit übernehmen die städtischen Mitarbeiter Aufgaben, die früher oft der Polizei zufielen. Zum Glück, denn die Polizei hat seit geraumer Zeit Personalsorgen.

Sie kümmern sich um Falschparker und prügelnde Ehemänner

Die Aufgaben der Ordnungsamtsmitarbeiter haben auch deshalb deutlich zugenommen: Zur Kontrolle der Parkplätze kommen die Streifendienste. Außerdem reden sie sogenannten Gefährdern ins Gewissen, also etwa prügelnden Ehemännern. Sie gehen Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz nach und sie kümmern sich darum, dass beispielsweise Auflagen für Gaststätten eingehalten werden. Hinzu kommen Dienste bei großen Veranstaltungen in der Stadt wie dem Maientag oder dem Stadtfest, bei denen sie nach dem Rechten schauen.

Die Zusammenarbeit scheint gut zu funktionieren. Göppingen, da lässt die Leiterin des Polizeireviers, Inka Buckmiller, keine Zweifel, sei eine sichere Stadt. Das zeige nicht nur die niedrige Gesamtzahl der Straftaten. Auch die Zahl der Einbrüche sei auf einem Zehnjahrestief. Sie habe sich von 26 auf 14 beinahe halbiert. Vor zwei Jahren waren es der Kriminalstatistik zufolge sogar noch 40 Einbrüche. Erschreckend ist auf den ersten Blick die Verdoppelung der Tötungsdelikte: Neun Fälle hat die Polizei verzeichnet. Buckmiller weist aber darauf hin, dass dies durch das Unglück in der Klinik am Eichert zustande gekommen sei. Eine Krankenschwester hatte bei fünf Patienten Medikamente verwechselt, zwei starben.

Polizeirevier hat zehn unbesetzte Stellen

Sorge macht der Polizistin die Situation in ihrem Revier. Schon vor einem Jahr hatte Buckmiller dem Göppinger Gemeinderat berichtet, dass die Wache unterbesetzt sei. Das hat sich nicht geändert: Derzeit hat sie zehn Mitarbeiter zu wenig, statt der eigentlich nötigen 82 sind nur 72 Stellen besetzt.

Kein Wunder also, dass die Polizei und die Stadtverwaltung ihre Zusammenarbeit intensiviert haben. Der GVD ist deshalb in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. Zurzeit arbeiten dort 13 Mitarbeiter auf 12,6 Stellen. Städtische Mitarbeiter gehen nicht nur auf Streife, sie übernehmen demnächst auch die Begleitung von Schwertransporten auf einer viel befahrenen Strecke von der Polizei.

Ermittlungsgruppe soll Drogenhandel bekämpfen

Die Polizei wiederum will Verkehrs- und Drogenkontrollen ausweiten, die Tuningszene künftig stärker im Auge behalten, und sie hat eine neue Rauschgiftermittlungsgruppe eingerichtet. Außerdem will auch sie in Zukunft noch mehr Präsenz in der Innenstadt zeigen. Dabei soll auch eine Absprache mit der Bereitschaftspolizei helfen: Wenn deren Mitarbeiter nicht auf größere Einsätze müssen, sollen sie demnach zeitweise die Streifen in der Stadt verstärken.

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