Welche Ziele mit dem Fernbus von Göppingen aus bedient werden können, steht offenbar noch nicht fest. Foto: dpa

Der Flixbus fährt ab April nach Göppingen, wohin die Reise gehen wird, ist noch nicht bekannt. Ein Ticket zum Flughafen ist jedenfalls tabu.

Göppingen - Der Weg von Göppingen zum Flughafen und zur Messe in Stuttgart ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht unter einer guten Stunde zu schaffen. Das wird vermutlich auch noch einige Jahre lang so bleiben. Erst mit dem Bau des geplanten Filderbahnhofs samt dem Fildertunnel sollen sich die Fahrzeiten spürbar verkürzen. Wer sich von dem angekündigten Fernbushalt der Münchner Flix Mobility-Gesellschaft in Göppingen bald schnellere Fahrten nach Stuttgart erhofft haben sollte, wird enttäuscht, denn der Flixbus darf bei seinem geplanten Halt in Göppingen keine Tickets für die Fahrt zum 40 Kilometer entfernten Flughafen verkaufen.

Der Nahverkehr soll geschützt werden

Der Hintergrund dafür ist das Beförderungsverbot, mit dem der Gesetzgeber Reiseunternehmern die Beförderung von Fahrgästen im Fernbus zwischen zwei Haltestellen mit einem Abstand von bis zu 50 Kilometern untersagt, um den öffentlichen Nahverkehr mit Bussen und Bahnen zu schützen. Dies gelte auch für Strecken, auf denen Schienenpersonennahverkehr mit einer Reisezeit von bis zu einer Stunde betrieben wird. Bestehe hingegen kein ausreichendes Nahverkehrsangebot, könne die Genehmigungsbehörde für einzelne Teilstrecken die Beförderung zulassen, heißt es im Bundesverkehrsministerium.

Jörg-Michael Wienecke, der für den Kreis Göppingen die Verkehrsplanung in den Händen hält und das Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur leitet, ist wohl nicht der Mann, der an dieser Regelung rütteln wird, auch wenn er Beförderungsverbote grundsätzlich als nicht zeitgemäß bezeichnet. Wienecke betrachtet das Fernbusgeschäft vielmehr äußerst skeptisch: „Da kommt einer zufällig daher und pickt sich die Rosinen heraus“ kritisiert er.

Der Flixbus fährt ab April nach Göppingen

Tatsächlich schickt sich mit der Flix Mobility-Gesellschaft laut der Pressesprecherin der Firma, Marita Vetter, gerade einer der Marktführer an, nach „den bereits sehr gut vernetzten Metropolregionen bis zum Frühsommer noch zahlreiche Klein- und Mittelstädte sowie Halte in touristisch attraktiven Regionen in das Streckennetz aufzunehmen“.

Göppingen werde von April ein Fernbus-Haltepunkt sein, die genaue Linienführung stehe aber noch nicht fest. Und Vetter ergänzt, das Beförderungsverbot zum Schutz des Nahverkehrs werde man selbstverständlich respektieren. Eine Entwicklung, die Wienecke trotz solcher Bekenntnisse mit Sorge betrachtet, denn durch den vom Gesetzgeber liberalisierten Fernbusverkehr werde die staatlich subventionierte Schieneninfrastruktur von Busunternehmen konterkariert, die sich nicht an den Wegekosten, beispielsweise mittels einer Fernbusmaut, beteiligten.

Versuch mit dem Fairliner wurde wieder abgeblasen

Auch dem neuen regionalen Expressbus Relex, der den Stuttgarter Flughafen mit Kirchheim (Kreis Esslingen) vernetzt, kann der Verkehrsplaner nicht viel abgewinnen. Eine weitere Expresslinie hat der Regionalverband Stuttgart nach Leonberg (Kreis Böblingen) eingerichtet und zusätzlich das Remstal von Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) aus mit Esslingen vernetzt, von wo aus Fahrgäste mit der Airportlinie in 34 Minuten auf den Fildern landen.

Als er die Kirchheimer Tour gemacht habe, habe dies mit fast 40 Minuten lange gedauert, und die schaukelige Fahrt habe ihm nicht sonderlich behagt, bewertet Wienecke das seit Dezember bestehende Angebot der Region Stuttgart. Verlängert nach Göppingen, wäre dieser Express vom Flughafen aus sicher länger als eine Stunde lang unterwegs, vermutet Wienecke. Dass solche Linien nicht besonders attraktiv seien, könne man auch an einem wieder abgeblasenen Vorstoß der Firma Omnibusverkehr Göppingen ablesen. Nach nur einem Jahr Probebetrieb hat diese ihre vom Kreisgebiet ausgehende Flughafen- und Messezubringerlinie Fairliner mangels ausreichenden Zuspruchs im Jahr 2008 wieder eingestellt.

Der Verkehrsplaner hofft auf Stuttgart 21

Und der Schienenverkehrsfan Wienecke meint, da die bestehende Bahnverbindung mit einer Stunde und fünf Minuten ähnlich lang brauche, sei dies schon heute die bessere Alternative. Eine deutliche Zeitersparnis erwartet der Verkehrsplaner von der neuen Streckenführung durch Stuttgart 21, die Reisende künftig in 45 Minuten von Göppingen über den Stuttgarter Hauptbahnhof auf die Filder bringen soll.

Passend zu diesem Thema hat die Regionalversammlung unlängst für 80 000 Euro eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Sie soll klären, wie sichergestellt werden kann, dass der Osten der Region Stuttgart – besonders der Landkreis Göppingen – nach der Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart 21 eine regelmäßige schienengebundene umsteigefreie Anbindung zum Flughafen und zur Messe erhalten kann.

Untersucht werden sollen dabei die technischen Möglichkeiten durch das dritte Gleis am Filderbahnhof, mögliche Streckenverbindungen aus dem Fils- und dem Neckartal über den Tiefbahnhof und den Filderbahnhof weiter auf die Gäubahn-Strecke in Richtung Süden, außerdem sollen die erforderlichen Schritte zum Zustandekommen solcher Verbindungen definiert werden. Antworten erhofft man sich außerdem auf die Fragen nach den Vorlaufzeiten und nach den einzelnen Schritten, die nötig sind, um solche Verbindungen zu bestellen. Das Vorgehen solle mit dem Land und den Infrastrukturbetreibern DB Netz und Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) abgestimmt werden, kündigt die Sprecherin der Region, Dorothee Lang, an.

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