Teamviewer am Göppinger Bahnhofsplatz: Das weltweit agierende Software-Unternehmen hat nach mehr als sechs Jahren den M-Dax verlassen müssen und wird jetzt im S-Dax gelistet. Foto: Giacinto Carlucci

Nach mehr als sechs Jahren fliegt das Göppinger Unternehmen aus dem M-Dax und wird eine Stufe darunter im S-Dax gelistet. Der Aktienwert befindet sich auf dem Tiefststand.​

Einmal im Quartal entscheidet die Deutsche Börse in Frankfurt, welche Unternehmen in die Aktienindizes Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax aufgenommen werden – oder sie verlassen müssen. „Die regelmäßigen Überprüfungen und Anpassungen folgen einem streng geregelten Ablauf“, erklärt die Börse. „Denn die Frage, wer auf-, ab- oder umsteigt, bewegt auf jeden Fall die einzelnen Aktien und nicht selten den ganzen Markt.“ Jetzt hat es das einzige Unternehmen im Kreis, das in einem deutschen Aktienindex gelistet ist, getroffen: Teamviewer fliegt aus dem M-Dax und steigt ab in den S-Dax.​

 

Während der wichtigste Börsenindex in Deutschland, der Dax, die Performance der 40 größten deutschen Unternehmen abbildet, die an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden, rangiert der M-Dax eine Ebene darunter: Die Abkürzung bedeutet Mid-Cap-Dax und steht für mittlere Unternehmen, die 50 größten ihrer Art werden hier gelistet. Darunter gibt es noch den S-Dax, den Small-Cap-Dax für kleinere Unternehmen. Hier sind jene 70 Firmen gelistet, die mit Blick auf Handelsvolumen und Marktkapitalisierung auf die Unternehmen des M-Dax folgen. Und hier findet sich jetzt auch Teamviewer wieder.​

Ausgabekurs von 26,25 Euro war am Markt zunächst nicht ganz zu halten

Als die Göppinger Softwareschmiede, deren Programme zur Fernwartung von Computern auf der ganzen Welt genutzt werden, im September 2019 an die Börse ging, war es in jenem Jahr der europaweit bis dato größte Börsengang. Manche Experten glaubten, dass das hochprofitable Wachstumsunternehmen eines Tages sogar im Dax landen könnte. Am Ende des ersten Handelstags lag die Notierung jedoch mit etwa vier Prozent im Minus. Der ambitionierte Ausgabekurs von 26,25 Euro war am Markt zunächst nicht ganz zu halten. Zur Börsenglocke am Morgen knallten dennoch die Sektkorken: Denn rechnerisch ergab sich ein Firmenwert von mehr als fünf Milliarden Euro.​

Nur kurze Zeit später, am 23. Dezember 2019, war Teamviewer sowohl im M-Dax als auch im Tec-Dax gelistet, der die 30 größten deutschen Unternehmen im Technologiebereich abbildet. Während die Aktie der Göppinger in den vergangenen zwölf Monaten die 14-Euro-Marke nicht mehr erreichte, liegt sie derzeit bei nur noch rund 4,50 Euro. Im Vergleich zum Ausgabepreis ist das ein Minus von mehr als 21 Euro. Zwischenzeitlich war sie am 8. Juli 2020 auf ein Allzeithoch von 54,86 Euro geklettert.​

Teamviewer selbst äußert sich nicht näher zum Abstieg aus dem M-Dax. Auf Anfrage wird nur auf eine Mitteilung des Unternehmens verwiesen: „Die Deutsche Börse hat im Rahmen ihrer quartalsweisen Überprüfung der Dax-Indexfamilie bekannt gegeben, dass die Teamviewer-Aktie ab 23. März 2026 im S-Dax statt im M-Dax gelistet sein wird.“ Dieser Wechsel basiere ausschließlich „auf technischen Kriterien der Indexzuordnung, insbesondere Handelsvolumen und Marktkapitalisierung“. Teamviewer setze seine „erfolgreiche Strategie profitablen Wachstums“ weiter konsequent um. Und: „Unsere Prognose für 2026 und die mittelfristigen Ziele bleiben unverändert.“​

Ein Grund für die Kaufzurückhaltung der Aktionäre könnte der eher schwache Ausblick des Göppinger Unternehmens sein. In einer weiteren, bereits am 3. März veröffentlichten Mitteilung des Finanzchefs, CFO Michael Wilkens, heißt es: „Unsere Umsatzprognose von null bis drei Prozent zeigt, dass wir unter schwierigen Marktbedingungen bewusst vorsichtig nach vorne schauen.“ Er zeigt sich jedoch optimistisch: „2026 wird für uns ein Jahr, in dem wir eine solide Grundlage für die Rückkehr zu mittlerem bis hohem einstelligen Umsatzwachstum schaffen.“ Und weiter: „Wir haben eine klare langfristige Strategie und sind überzeugt, gestärkt aus dem Jahr 2026 hervorzugehen.“​

Erhöhte Volatilität im gesamten Technologiesektor

Wilkens hat auch eine Erklärung für den schwachen Aktienkurs: „Die aktuelle Entwicklung an den Aktienmärkten wird maßgeblich durch eine breite Diskussion über die langfristigen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Software-Branche geprägt. Diese wiederum führt zu erhöhter Volatilität im gesamten Technologiesektor.“

Eine Notwendigkeit, die Firmenstrategie anzupassen, sieht Wilkens nicht: „Im Gegenteil: Unsere langfristige Strategie ist klar auf nachhaltiges Wachstum und Technologieführerschaft ausgerichtet. Sie berücksichtigt langfristige Marktentwicklungen und ist der richtige Weg nach vorne, wie Analysten regelmäßig bestätigen.“​

Nicht nur Teamviewer steigt ab​

Einstufungen
 Neben der Göppinger Firma Teamviewer sind auch Fielmann und Carl Zeiss Meditec aus dem M-Dax in den Nebenwerteindex S-Dax abgestiegen. Umgekehrt sind jetzt der Motorenbauer Deutz, der Stahlkonzern Salzgitter und der Optikspezialist Jenoptik in den M-Dax aufgestiegen.​

Einstieg
Als das Unternehmen im September 2019 an die Börse ging, sorgte das für gute Stimmung. Es war der größte Börsengang in Europa in diesem Jahr. Teamviewer sorgte damit für willkommene Abwechslung zu den Themen, die die Börse seit Monaten beschäftigt hatten: Niedrigzinsen, der Handelsstreit zwischen den USA und China, das Theater um den Brexit, die Konjunkturflaute – und auch damals die Spannungen im Blick auf den Iran.​