Der Hohenstaufen ist nicht nur für die Göppinger ein ganz besonderer Berg. Foto: Horst Rudel

Die Gesellschaft für staufische Geschichte feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Nach der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten hat das mittelalterliche Herrschergeschlecht der Stadt am Fuße des Hohenstaufen ein neues Image gegeben.

Göppingen - Die Gesellschaft für staufische Geschichte blickt auf ein bewegtes halbes Jahrhundert zurück. Das Interesse an Barbarossa und die Seinen, so scheint es, ist nicht nur in Göppingen ungebrochen. Dafür ist der Verein, der sich am 29. Oktober 1968 anlässlich des 700. Todestags des letzten Staufers Konradin gründete, der beste Beweis. Während die Gesellschaft zunächst von Göppingen in die Region ausstrahlte, hat sie mittlerweile Kontakte in ganz Europa. Ein Teil der Mitglieder stammt aus Staaten, in denen einst die Staufer wirkten. Die jährlichen Tagungen sind gut besucht, und die „Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst“, die die Tagungsvorträge in einem Buch bündeln, findet sich in den Regalen von Universitäts- und Institutsbibliotheken, wo sie absolut kein Schattendasein fristen. Die Bücher sind gefragt.

Erste Ausstellung lockt 40 000 Besucher an

Dass die Gesellschaft eine Erfolgsgeschichte schreiben würde, war nicht ausgemacht, als der damalige Göppinger Oberbürgermeister Herbert König ihre Gründung betrieb. Aber das Stadtoberhaupt hatte den richtigen Riecher. Er knüpfte an eine Epoche mit europäischer Ausstrahlung an, die von der NS-Vergangenheit unbelastet war und das Zeug dazu hatte, der Stadt eine neue Identität und ein positives Image zu verleihen. „Das Selbstbewusstsein des arbeiterbewegten roten Göppingen war im Nationalsozialismus zerbrochen“, sagt Karl-Heinz Rueß, der Geschäftsführer der Gesellschaft und Leiter des Stadtarchivs. Der Zulauf war groß. „Im Nu hatten sich mehr als 100 Leute eingetragen. Förderer war der populäre Landeshistoriker Hans-Martin Decker-Hauff.“

Einen unverhofften Schub gab der Gesellschaft die große Stauferausstellung im Jahr 1977 im Alten Schloss in Stuttgart, die einen regelrechten Stauferhype auslöste. Und Göppingen segelte auf dieser Welle mit. Auf Initiative der Stadt und des Kreises entstand rund um den Hohenstaufen eine Straße der Staufer. Eine erste Ausstellung „Stauferstätten im Stauferland“ im soeben erst errichteten Dokumentationsraum in Hohenstaufen lockte binnen drei Monaten 40 000 Besucher auf den Berg. „Dabei war das nur eine Fotoausstellung“, sagt Rueß, der seit 1983 Geschäftsführer der Gesellschaft ist. Er war es auch, der die Umwandlung in einen Verein betrieb. „Damals waren es 280 Mitglieder, jetzt sind es knapp 600. Ein Drittel davon stammt aus Göppingen und der Region, der Rest aus ganz Deutschland. Einzelne kommen aus ganz Europa.“

Namhafte Stauferkenner sind Referenten

Die geänderte Mitgliederstruktur erforderte ein neues Konzept. Wochenendtagungen lösten Einzelvorträge ab. „Für einen Vortrag kommt niemand von weit her, bei einer Tagung sieht das anders aus“, sagt Rueß. Die Rechnung ging auf. Die Tagungen sind gut besucht, 320 Hörer sind keine Seltenheit. Dieses große Interesse macht Göppingen auch für namhafte Referenten attraktiv. In Göppingen finden sie ein Forum, ihre Forschungen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und diese dann auch zu diskutieren. Reizvoll ist dabei, dass das Publikum aus Historikern und interessierten Laien mit ausgezeichneten Geschichtskenntnissen besteht.

Nicht nur bei Tagungen und Symposien – seit 1997 finden die Staufertage jährlich im Wechsel mit dem Symposium Staufergestalten statt – werden das Wissen um die Geschichte der Staufer und der Stand der neuesten Forschung weitergegeben. Die Gesellschaft betrieb auch die Städtepartnerschaft mit dem italienischen Foggia, wo Friedrich II. eine Residenz hatte. Seit 2000 ist die Staufergesellschaft mit den Stauferfreunden in Jesi und der Fondazione Federico in Palermo verbandelt. Alle zwei Jahre verleihen die drei Partner den Preis Premio Federichino an Personen, deren Handeln im Geist Friedrichs II. steht.

Päpste Thema bei nächsten Staufertagen

Die Gesellschaft für staufische Geschichte wurde am 29. Oktober 1968, dem 700. Todestag des letzten Staufers, Konradin, im Stadtmuseum im Storchen in Göppingen gegründet. Sie hieß damals noch Gesellschaft der Freunde der staufischen Geschichte.

Seit dem Jahr 1984 ist die Gesellschaft ein eingetragener Verein, der mittlerweile knapp 600 Mitglieder zählt. Der Göppinger Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß ist der Geschäftsführer der Gesellschaft. Als Präsident fungiert der Mittelalterhistoriker und Barbarossa-Biograf Professor Knut Görich. Er lehrt an der Universität München.

Die Gesellschaft gibt eine Reihe „Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst“ heraus. Der erste Band über „Staufische Architektur in Gelnhausen und Worms“ erschien im Jahr 1971. Zurzeit wird Band 38 produziert über „Jüdisches Leben in staufischer Zeit.“

Die nächste Tagung findet vom 9. bis 11. November im Klosterneuburgsaal der Göppinger Stadthalle statt. Im Mittelpunkt stehen „Päpste in staufischer Zeit“. Ein Festakt der Stauferstiftung Göppingen mit Preisverleihung beschließt den Kongress.

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