Die Filstalbahn ist bereits seit 2014 in den VVS integriert, der Rest des Kreises aber nicht. Das soll sich in zwei Jahren ändern. Foto: StZ

Von 2021 an gehört der Kreis Göppingen zum Verkehrsverbund Stuttgart. Ein Dutzend Unternehmen hat bereits zugesagt, sich finanziell zu engagieren, damit das Angebot gut angenommen wird.

Göppingen - Am Freitagnachmittag ist die Entscheidung gefallen, die sich viele Bürger und Unternehmen erhofft hatten: Eine große Mehrheit der Kreisräte hat für den Beitritt zum Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) gestimmt. Nur fünf Kreisräte stimmten dagegen – wohl weil sie befürchteten, dass der Beitritt zu teuer werden könnte. Der Kreis Göppingen wird dafür künftig zwischen 3,5 und 5 Millionen Euro pro Jahr zahlen müssen.

Die große Mehrheit der Kreisräte sieht hingegen vor allem die Vorteile. Zwei der wichtigsten Argumente der Befürworter: Vom Start der Mitgliedschaft im Januar 2021 an können auch Fahrgäste aus dem Kreis Göppingen in der ganzen Region Stuttgart mit einem Ticket Bus und Bahn fahren. Außerdem macht eine Reform der Tarifzonen im VVS den Öffentlichen Nahverkehr für die Fahrgäste günstiger, allein im Kreis Göppingen würden sie rund zwei Millionen Euro pro Jahr sparen. Der VVS, und damit die Landkreise und der Stadtkreis Stuttgart, die diesen tragen, ersetzt den Verkehrsunternehmen die Einnahmeausfälle. Die Kosten, die dafür dem Kreis Göppingen entstehen, sind bereits in den veranschlagten 3,5 bis 5 Millionen Euro Jahresbeitrag enthalten.

Im Kreis nutzen vergleichsweise wenige den ÖPNV

Viele Kreisräte und die Kreisverwaltung erhoffen sich eine Zunahme der Fahrgäste im Kreis. Denn bei den Nutzerzahlen von Bus und Bahn ist aus der Sicht des Göppinger Landrats Edgar Wolff und seiner Verkehrsplaner durchaus noch Luft nach oben. Laut einer Studie werden im Kreis nur etwa sechs Prozent der Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, im Landesschnitt sind es zehn Prozent, in der Region Stuttgart zwölf.

Die IHK und viele Unternehmen aus dem Kreis hatten sich während der mehr als ein Jahr lang währenden Debatte stets für den Beitritt stark gemacht. Etwa ein Dutzend, darunter Firmen wie Schuler, die Energieversorgung Filstal (EVF), Leonhard Weiss und Wackler, hat sich bereit erklärt, den Übergang in den VVS finanziell zu unterstützen. Natürlich, so erläutert der Geschäftsführer der IHK in Göppingen, Peter Saile, gehe es nicht darum, dem Kreis die Kosten abzunehmen. „Das ist nicht unsere Aufgabe und auch nicht der Zweck der Unternehmen“, erklärt er. Außerdem sei die Wirtschaft ja indirekt über Steuern wie die Gewerbesteuer an der Finanzierung beteiligt.

„Aber es war uns wichtig zu signalisieren, wie hoch wir die Bedeutung des VVS einschätzen“, fährt Saile fort. Deshalb hätten sich einige Unternehmen bereit erklärt, das Marketing zur Einführung des neuen Angebots finanziell zu unterstützen. Sie haben sich verpflichtet, zum Start des VVS im Kreis drei Jahre lang eine bestimmte Summe für Werbemaßnahmen beizusteuern. Dadurch fließen 200 000 Euro zusätzlich in das Marketing.

Beifall aus der Wirtschaft

Der Arbeitsdirektor und Finanzvorstand von Schuler beispielsweise, Norbert Broger, ließ vor der Kreistags-Entscheidung verlauten: Schuler habe „großes Interesse an einem attraktiven und zukunftsfähigen Mobilitätsangebot in der Region. Für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es entscheidend, kostengünstig und zeitsparend mit dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr an ihren Arbeitsplatz zu kommen.“ Außerdem sei die Qualität der Verkehrsanbindung auch für hoch qualifizierte Kandidaten ein wichtiges Kriterium, sich für oder gegen einen künftigen Arbeitgeber zu entscheiden.

Das Unternehmen sehe erste Verbesserungen durch den jetzt erfolgten Ausbau der Busverbindungen und durch den geplanten Metropolexpress. Besondere Bedeutung messe Schuler aber „der vollständigen Integration in den VVS bei“. Damit diese klappt, müssen jetzt allerdings noch die anderen VVS-Landkreise und die Stadt Stuttgart dem Beitritt des Kreises Göppingen zustimmen.

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