Eine Machbarkeitsstudie zur Boller Bahn hatte ergeben, dass die Strecke bis nach Kirchheim unwirtschaftlich sein dürfte. Doch jetzt soll das Kosten-Nutzen-Verhältnis noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden.
Werden die reinen Zahlen betrachtet, sind die Ergebnisse der aktuellen Machbarkeitsstudie klar: Die Reaktivierung der Boller Bahn rechnet sich, die Weiterführung bis Weilheim/Kirchheim hingegen nicht. Und die Hohenstaufenbahn nach Schwäbisch Gmünd wäre ohnehin unwirtschaftlich. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss (UVA) des Göppinger Kreistags wurde nun von der Verwaltung darüber informiert, wie der Stand der Dinge bei der Durchbindung nach Kirchheim ist, das Gremium hatte im März beschlossen, noch einmal genauer hinzuschauen. Der Preis für die Prüfung – 25 000 Euro, die zu 75 Prozent vom Land bezuschusst werden – kann noch in den Kosten für die Machbarkeitsstudie untergebracht werden. Erstellt wird die Studie vom Verkehrswissenschaftlichen Institut Stuttgart (VWI). Ein Problem konnte ausgeräumt werden: Die Befürchtung, dass ein möglicher und auch vom Kreis gewünschter Expressbus („Relex“) nach Kirchheim den Kosten-Nutzen-Faktor der Bahnstrecke senken würde. Dies sei nicht der Fall, erfuhren die Göppinger Kreisräte.
Gute Prognose für Passagierzahlen
Unverhofft wurde dann noch einmal über die Hohenstaufenbahn diskutiert. Der Fraktionschef der Freien Wähler und frühere Bürgermeister der Schurwaldgemeinde Wangen, Werner Stöckle, wollte sich mit dem Aus fürs Josefle ins Remstal nicht abfinden – und schlug eine Teillösung vor: eine Stichstrecke von Göppingen bis Rechberghausen oder Wäschenbeuren. Dieser Teilstrecke seien gute Passagierzahlen prognostiziert worden. „Das kann auch zur Entlastung der B 297 führen.“ Die Schurwaldquerung gilt vor allem in den Ortsdurchfahrten als stauträchtig und hoch belastet.
Für Begeisterung sorgte der Vorschlag bei Dorothee Kraus-Prause (Grüne) aus Bad Boll nicht: „Das erscheint uns fraglich.“ Direkt hinter Göppingen gebe es schon die ersten Probleme mit der Trasse. Das wollte der frühere Bürgermeister von Rechberghausen, Reiner Ruf (Freie Wähler), so nicht stehen lassen: „Der Gutachter hat aber gesagt, dass es möglich ist, auch zu vertretbaren Kosten. Man kann doch so eine Möglichkeit nicht einfach verstreichen lassen.“ Aus Rufs Wortmeldung wurde ein Plädoyer für das halbe „Josefle“. Auch der Verkehrsclub Deutschland habe befürwortet, diese Variante zu untersuchen. „Dann hätten wir einen höheren Nutzen“, räumte auch der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur, Jörg-Michael Wienecke, ein.