Florian Sieber, der Geschäftsführer des Modelleisenbahnherstellers Märklin, präsentiert die Modellbahn „Storchenbein“ aus dem Jahr 1891. Foto: dpa Foto:  

Der Eisenbahnraub im Jahr 2005, die Insolvenz 2009: Märklin musste einige Rückschläge einstecken. Inzwischen blickt der Göppinger Modellbahnbauer wieder optimistisch nach vorne: Das Märklin-Museum soll wieder zurück ans Stammwerk verlegt werden und ein noch größeres Publikum ansprechen.

Göppingen - „Wir wollen eine große Erlebniswelt entstehen lassen“, kündigte der Märklin-Geschäftsführer Florian Sieber an. Das neue Museum soll auf rund 3000 Quadratmetern entstehen. Zudem hat die Firma bereits im Juli die Räume des ehemaligen angrenzenden Dialysezentrums aufgekauft. Dort könnten ein Bistro und neue Verkaufsflächen entstehen, kündigte Sieber an. Inklusive des Grundstückskaufs wolle Märklin nicht mehr als zehn Millionen Euro für das neue Museum hinblättern.

Seit zwei Monaten läuft die Planung, kommendes Jahr sollen die Bagger anrücken. Frühestens 2018 soll die Modellbauwelt, die möglicherweise „Erlebniswelt Märklin“ getauft werden soll, fertiggestellt werden. Der Fokus soll dabei verstärkt auf junge Besucher gelegt werden: „Wir wollen Kinder, Familien und Schulklassen anziehen“, sagte der Märklin-Chef. Dafür sollen Kinderecken und mehr digitale und interaktive Angebote geschaffen werden.

Wertvolle Turmzimmer-Sammlung

Doch auch für erwachsene Besucher und Sammler soll das neue Museum attraktiver werden – vor allem durch zahlreiche Exponate aus der Turmzimmer-Sammlung. Die Sammlung erlangte vor zehn Jahren große Berühmtheit, als in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 2005 in das Museum eingebrochen wurde und insgesamt 184 Teile ­gestohlen wurden, darunter auch die erste Modellbaulok von 1891, „Storchenbein“, und das „Krokodil“ von 1935. Die Täter wurden im März 2005 geschnappt und ihre Beute beschlagnahmt. Mittlerweile wurden die teils erheblichen Schäden an den gestohlenen Teilen repariert.

Kreissparkasse gründet Stiftung

Große Unterstützung bekommt Märklin von der Kreissparkasse Göppingen: Sie will für das Museum die Turmzimmer-Sammlung erwerben und eine Stiftung gründen. „Es bestand immer die Gefahr, dass die Sammlung im Zuge der Insolvenz auf den Markt gebracht und verkauft werden muss“, sagte Märklin-Chef Sieber. Wie viel die Kreissparkasse investiert, wollte der Vorstandsvorsitzende Hariolf Teufel nicht sagen, nur: „Der einzige richtige Ort für die Turmzimmer-Sammlung ist Göppingen. Aus diesem Grund werden wir die Sammlung erhalten und aufbauen.“ Im neuen Museum sollen die Schätze teilweise hinter Panzerglas zu sehen sein.

Der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till zeigte sich äußerst erfreut über das geplante neue Museum und die Stiftung: „Das ist ein überglücklicher Tag für die Stadt“, sagte er. Nun würden die Stadt und der Landkreis alles dafür tun, um Märklin voll in die Museenlandschaft einzubeziehen. Landrat Edgar Wolff ergänzte: „Das neue Museum ist ein Bekenntnis von Märklin zum Wirtschaftsstandort Göppingen und die Turmzimmer-Sammlung ein echtes Industriekulturgut.“ Der Modellbahnbauer sei wieder voll in der Spur.

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