Die Tierschützer im Kreis Göppingen sind sich zurzeit nicht einig. Foto: privat

Der Tierschutzverein Göppingen beendet die Zusammenarbeit mit dem Katzenschutz Donzdorf – und keiner weiß so recht, wie es weitergeht. Klar ist nur, dass für die Versorgung von Fundtieren mehr Geld benötigt wird.

Kreis Göppingen - In einem sind sich immerhin alle einig: Der Tierschutz im Kreis Göppingen ist deutlich unterfinanziert. Sowohl Carl Friedrich Giese, der Vorsitzende des Katzenschutzvereins Donzdorf, als auch Peter Rolf, der neue Vorsitzende des Göppinger Tierschutzvereins, kritisieren, dass die Kommunen nur etwa halb so viel Geld für die Versorgung von Fundtieren bezahlen, wie in anderen Kreisen. Das wird sich zwar möglicherweise bald ändern, ist aber nicht der einzige Ärger, mit dem sich die Tierschutzvereine gerade herumschlagen.

Denn Rolf hat die Zusammenarbeit mit den Donzdorfer Kollegen sowie dem Tierschutzverein Geislingen-Türkheim aufgekündigt, weil er der Ansicht ist, dass das Geld bisher nicht gerecht verteilt wurde. Die Vereine hatten 15 Jahre lang eine Kooperation, die das Geld der Kommunen – rund 100 000 Euro pro Jahr – nach der Zahl der Fundtiere verteilte, die jeder Verein betreut hatte. Der Schlüssel lag zuletzt bei je 45 Prozent für Göppingen und Donzdorf und zehn Prozent für Geislingen .

Diskussionen über den Verteilungsschlüssel

Rolf kritisiert, dass der Göppinger Tierschutzverein stets zu kurz gekommen sei. Denn dieser nehme den Großteil der Hunde im Kreis auf und deren Betreuung sei, wegen des Gassigehens und oftmals nötiger Erziehungsmaßnahmen deutlich aufwendiger. Rolf hat deshalb einen Schlüssel von 60 Prozent für Göppingen, 30 für Donzdorf und zehn Prozent für Geislingen gefordert.

Das wiederum haben die Donzdorfer Katzenschützer so nicht mitmachen wollen: Die Donzdorfer seien bereit, auf die Göppinger zuzugehen und beispielsweise einen höheren Satz für die Betreuung von Hunden anzusetzen als für Katzen, sagt Giese. Dazu könne man sich an den Vorgaben des Deutschen Tierschutzbundes orientieren, der den Aufwand für Heimtiere wie Hamster mit eins ansetzt, den für Katzen mal drei nimmt und den für Hunde mal fünf. Das habe man den Göppingern auch signalisiert, dennoch hätten diese die Zusammenarbeit aufgekündigt.

Tatsächlich hätte die neue Berechnungsgrundlage offenbar nicht viel an den Sätzen geändert. Denn bisher werden Fundtiere, die an ihre Besitzer zurückvermittelt werden, aus der Statistik herausgerechnet. Und Göppingen hat gerade bei Hunden eine gute Rückvermittlungsquote. Rolf will deshalb, dass alle Fundtiere in der Statistik zählen, Giese argumentiert hingegen, dass die Besitzer die Ausgaben, die für ihre Tiere angefallen seien, begleichen würden.

Im September verhandeln die Tierschützer mit den Kommunen

Rolf hält dem wiederum entgegen, dass Göppingen wegen der großen Zahl von Hunden, die dort durchgeschleust würden, einen größeren Aufwand für die Bereitstellung einer vernünftigen Ausstattung und höhere Kosten für Mitarbeiter habe. Schon alleine deshalb müsse man die Gesamtkosten der Tierheime berücksichtigen und nicht allein die Zahl der Fundtiere. Zudem versorge Göppingen auch Wildtiere und sei rund um die Uhr erreichbar.

„Die Kommunen bezahlen nur für die Versorgung von Fundtieren. Es bringt nichts, die verschiedenen Bereiche durcheinander zu mischen“, hält Giese dagegen. Auch Donzdorf müsse seine anderen Projekte, etwa die Betreuung von streunenden Katzen, selbst finanziert bekommen.

Im September will Giese mit der Bürgermeisterversammlung über eine neue Pauschale bei der Fundtierversorgung verhandeln. Sein Vorschlag: die Kommunen sollen künftig pauschal 96 Cent pro Einwohner bezahlen. Damit würden sich die Einnahmen der Vereine auf rund 240 000 Euro erhöhen. Rolf unterstützt das, will aber, dass der Kreis zudem in verschiedene Gebiete aufgeteilt wird, für die dann jeweils ein Verein zuständig ist. Dieser soll das Geld dann direkt von den Kommunen bekommen. Die Frage, was die Donzdorfer, die 250 Plätze für Katzen vorhalten aber sonst nichts, mit Hunden aus ihrer Umgebung machen sollen, oder wie der Göppinger Verein alle Katzen aus seiner Umgebung versorgen möchte, ist allerdings ungeklärt.

Kommentar: Schwierige Ausgangslage

Göppingen - Die Finanzierung des Tierschutzes im Kreis Göppingen krankt an zwei Besonderheiten. Zum einen bezahlen die Kommunen deutlich weniger für die Versorgung von Fundtieren als anderswo. Im September wird darüber neu verhandelt. Die Chancen stehen gut, dass die Kommunen bald tiefer in die Tasche greifen.

Zum anderen – und das ist wesentlich problematischer – scheint keines der Tierheime alleine in der Lage zu sein, die Tiere aus dem Kreis oder auch nur aus der näheren Umgebung des Heims zu versorgen. Das Göppinger Tierheim hat nicht genügend Plätze für Katzen, die Donzdorfer nehmen keine Hunde auf, das Tierheim in Geislingen-Türkheim ist sehr klein. Der Ansatz der Göppinger, ein bestimmtes Gebiet zu übernehmen und eigene Verträge mit den Kommunen zu schließen, ist deswegen wohl zum Scheitern verurteilt.

Ob sie wollen oder nicht, die Vereine sind aufeinander angewiesen. Sie werden sich einigen müssen, wie das Geld verteilt wird, das sie von den Kommunen bekommen. Die Fragen, die es auf dem Weg dahin zu lösen gilt, sind vielfältig: Was ist ein Fundhund im Vergleich zu einer Katze wert? Wird allein die Zahl der Fundtiere als Richtgröße verwendet, oder spielen auch andere Aspekte eine Rolle, wie es Göppingen fordert? Und ist der bisherige Ansatz überhaupt richtig, dass die Kommunen nur für Fundtiere bezahlen, aber sich an den übrigen Aufgaben nicht beteiligen?

Die Vereine beantworten diese Fragen unterschiedlich – und sicher nicht ganz unbeeinflusst von ihrem jeweiligen Eigeninteresse. Wenn sie sich nicht doch noch zusammenraufen und zu einer neuen Form der Zusammenarbeit finden, wird es Zeit, dass sich der Landkreis als Vermittler und neutrale Kontrollinstanz einschaltet. Dann müssen alle Zahlen auf den Tisch, und es muss eine Möglichkeit gefunden werden, das Geld gerecht zu verteilen. Dabei muss klar sein, dass es zunächst nur darum geht, die Kosten zu decken, die die Fundtiere verursachen. Zur Bezahlung anderer Dinge sind die Kommunen nicht verpflichtet.

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