Peter Saile hat sein Arbeitsleben der IHK gewidmet. Am Donnerstag beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Foto: Ines Rudel

Der Leitende Geschäftsführer der Göppinger Bezirkskammer der IHK geht zum Monatsende in den Ruhestand. Er sieht dem Ende seines Berufslebens ohne Wehmut entgegen und will erst einmal nichts tun.

Göppingen - Das neue IHK-Gebäude in der Göppinger Jahnstraße ist ein Stein gewordenes Zeugnis der Ära Seile. Ein offenes, transparentes Haus hatte ihm vorgeschwebt, als er vor 25 Jahren leitender Geschäftsführer der Göppinger Bezirkskammer wurde, die damals in der Franklinstraße residierte. 23 Jahre später wurde der Traum Wirklichkeit. In den großzügigen, hellen Räumen in der Jahnstraße wird getagt, diskutiert, geprüft, auch Fortbildungen werden abgehalten.

Von seinem Büro im ersten Stock aus sieht Peter Saile auf die Jahnstraße und den Bahnhof. Auch wenn er bedauert, dass er die Fenster wegen des Lärms nicht öffnen könne, genießt er die zentrale Lage an diesen zwei Verkehrsadern. Hier schlägt das Herz eines vitalen Wirtschaftsstandorts. Oft kann er diese Aussicht nicht mehr genießen, denn der 65-Jährige geht zum Monatsende in den Ruhestand.

Terminkalender ist immer noch voll

Wehmut? Peter Saile scannt sein Gegenüber, die Lider halb geschlossen, mit flinken Äuglein. Dieser Blick scheint zu signalisieren, dass dieser Begriff für ihn ein Fremdwort ist. Er hätte auch nicht die Zeit dazu, groß über den bevorstehenden Abschied nachzudenken. Denn sein Terminkalender ist wie gewohnt gespickt voll, und der Tag eins nach einem langen Berufsleben liegt für ihn auf einem anderen Kontinent – noch. Es werde sein wie sonst ein Samstag, sagt er schließlich und wischt mit einer Hand einen Anflug von Sentimentalität weg, bevor er nachschiebt: „Es wird gefrühstückt, der Hund wird Gassi geführt, aber alles eine Stunde später.“

Ein Vierteljahrhundert prägte Saile die Göppinger Bezirkskammer. Zwei schwere Wirtschaftskrisen erschütterten in dieser Zeit den Kreis. Zuvor war er zehn Jahre lang Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Neckar, wie die IHK Region Stuttgart damals noch hieß, gewesen. Als persönlicher Referent des Hauptgeschäftsführers hatte er sich mit „Kammerthemen“ auf landes- und bundespolitischem Terrain getummelt, dann gemeinsam mit McKinsey in einem Projektteam zur Organisationsentwicklung der IHK mitgewirkt und war die letzten beiden Jahre in Stuttgart für die Kammerfinanzen und die Einführung eines bundesweiten Beitragsrechts zuständig.

Ein Verfechter der Region

Dann kam der Ruf aus Göppingen, dem er folgte – eine Entscheidung, die er nie bereut hat. „Ich hatte hier mehr Gestaltungsmöglichkeiten als in Stuttgart“, zieht er Bilanz. Stuttgart hat der promovierte Volkswirt dennoch immer fest im Blick gehabt. Die Göppinger Kammer gehört zur IHK Region Stuttgart, und Peter Saile war stets ein Verfechter des Regionalgedankens. Ein wirtschaftlicher Erfolg gelinge am besten als Bestandteil einer starken Region, lautete sein Credo.

Eine weitere Aufgabe sah Saile in der Öffnung der Göppinger Kammer nach außen, so wie es das damalige Präsidium auch von ihm gefordert hatte, und einem konsequenten Ausbau der Dienstleistungen für die Gewerbebetriebe. Den Neubau des IHK-Gebäudes versteht er so auch als „Endpunkt“ einer Entwicklung. Das neue Haus in zentraler Lage biete beste Voraussetzungen, um für die Mitgliedsbetriebe ein Treffpunkt zu sein. Dass dies gelingt, liest er an der Resonanz ab. 10 000 Besucher gingen im vergangenen Jahr in der Jahnstraße 36 aus und ein.

Viele innovative Projekte angestoßen

Am Herzen lagen dem scheidenden Geschäftsführer vor allem die Themen Ausbildung, Weiterbildung und Qualifizierung. Die Kooperation zwischen den Unternehmen, Berufsschulen, Schulen, dem Schulamt, der Arbeitsagentur und der Hochschule sei hervorragend gewesen. Nur auf dieser Basis seien viele innovativen Projekte möglich geworden. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm „Amme 5“, ein interaktives Kunstwerk des Berliner Künstlers Peter Dittmer, das für eine Ausstellung in der Kunsthalle von Mechatronik-Studenten und Auszubildenden gefertigt wurde. Neue Wege ist die Bezirkskammer auch gegangen, um schwächeren Schülern eine Ausbildung zu ermöglichen. Das Göppinger Beispiel hat bundesweit Schule gemacht.

Eingemischt hat sich Saile auch in die Politik. Er machte sich stark für einen Ausbau der B 10, einen Neubau des A-8-Albaufstiegs und eine Integration des Kreises in den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS). Dazu bedürfe es eines langen Atems, und manches sei noch nicht geschafft, sagt er. Doch das liege nun nicht mehr in seiner Hand. Wenn er in ein paar Tagen seinen Arbeitsplatz räumt, dann gibt er auch alle Nebenämter auf. Er will nichts festhalten. Dann lacht er befreit auf und sagt: „Erst einmal will ich nichts tun, dann sieht man weiter.“

Gernot Imgart folgt als IHK-Chef nach

Der Jurist Gernot Imgart wurde zum Leitenden Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer in Göppingen bestellt. Er folgt dem promovierten Volkswirt Peter Saile nach, der zum Monatsende in den Ruhestand tritt und dessen Stellvertreter er bisher war.

Der 53-jährige Imgart begann seine Karriere nach dem ersten juristischen Staatsexamen als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Hauptabteilung Außenhandel der Hamburger Handelskammer. Sein Referendariat absolvierte er in der Rechtsabteilung der Deutsch-Thailändischen Handelskammer in Bangkok. Bei der IHK Region Stuttgart fungierte er zunächst als stellvertretender Leiter der Göppinger Bezirkskammer, später dann als deren stellvertretender Geschäftsführer. Er war für den Rechtsbereich, die Außenwirtschaft und den Bereich Existenzgründung und Gewerbeförderung zuständig. Im Jahr 2014 wurde er für ein paar Monate nach Berlin abgeordnet, wo er beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im Bereich Energiepolitik arbeitete

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