Im Laden können seit vergangener Woche Modelleisenbahnen, Waggons und Ersatzteile gekauft werden. Foto: Horst Rudel

Die Eröffnung des neuen Museums für Modelleisenbahnen verschiebt sich auf Ende nächsten Jahres.Die große Nachfrage nach Bauleistungen wirbelt den Zeitplan durcheinander – und auch die Kosten sind auf zwölf Millionen Euro gestiegen.

Göppingen - Kleckern statt klotzen. Die Pläne für das neue Museum des Modelleisenbahnherstellers Märklin wird von vielen Eisenbahnfans sehnsüchtig erwartet. Fertig wird das „Märklineum“ allerdings erst Ende des nächsten Jahres. So lange werden die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt voraussichtlich noch dauern. Ursprünglich sollte das Museum im ersten Halbjahr kommenden Jahres fertig sein. Doch die große Nachfrage nach Bauleistungen erschwere eine zügige Fertigstellung, erklärt der Geschäftsführer Florian Sieber. „Es liegt noch viel Arbeit vor uns.“ Und teurer wird es auch noch. Statt der ursprünglich kalkulierten 11,3 Millionen Euro rechnet das Unternehmen inzwischen mit Kosten von zwölf Millionen Euro.

Ganz leer gehen die Märklin-Fans, die aus der ganzen Welt anreisen, bei einem Besuch des Hauptwerkes in der Stuttgarter Straße 55-57 in Göppingen aber nicht aus. Der zum Museum gehörende Laden auf der Fläche des einstigen Dialysezentrums ist seit vergangener Woche geöffnet. Dort bekommen Eisenbahnfreunde Miniaturlokomotiven, Waggons, Schienen und Ersatzteile. Im Bistro ist derzeit noch Platz für eine kleine historische Modelleisenbahnausstellung, bevor der Speisebereich ab Ende 2019 verpachtet wird und die ihm zugedachte Funktion übernimmt.

Den ersten großen Besucherandrang erwartet Märklin Mitte September. Beim Tag der offenen Türe am 14. und 15. September hat die Firma jeweils von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Es werden 12000 bis 15000 Besucher erwartet.

Nicht nur kleine Eisenbahnen gibt es zu sehen

Bis dahin soll einer der Höhepunkte der neuen Museumswelt auf dem Hof der Firma stehen: Denn kurz vor der Eröffnung des Tags der offenen Türe wird eine historische Eisenbahn, die derzeit in Heilbronn steht, im Hof vor dem Museum angeliefert. Das Tonnenschwere, 22 Meter lange und 5,75 Meter hohe Gefährt wird für die künftigen Besucher des „Märklineums“ der erste Hingucker sein. Die Eisenbahn aus der Baureihe 44 ist eine Dauerleihgabe der Stadt Kornwestheim, der die Lokomotive gehört.

Doch die historische Eisenbahn soll nicht der einzige Höhepunkt des Museums bleiben, das in ein ehemaliges Produktionsgebäude einzieht. Beim Gang vom Parkplatz im Innenhof eröffnet sich bereits der Blick auf eine Garteneisenbahn im Maßstab 1:22,5. „Sie kann bei Wind und Wetter fahren“, sagt Peschel.

Im Erdgeschoss der Museumswelt ist eine gigantische Modelleisenbahnfläche geplant. Auf mehr als 300 Quadratmetern werden verschiedene Epochen der Eisenbahngeschichte in Modellform nachgebaut. Die Besucher können entweder von einem Balkon von oben auf die Miniaturwelt blicken oder im Erdgeschoss in die Modelleisenbahnwelt eintauchen. Verschiedene Steuerungselemente sollen den Besuchern ermöglichen, das Geschehen auf der Modellfläche zu beeinflussen. Auf den Wänden werden mit Beamern Naturereignisse wie beispielsweise Gewitter simuliert. „Wir werden zeigen, was alles mit der Modelleisenbahn möglich ist“, verrät Peschel. Bereits von Anfang 2019 an sollen Besucher des bereits eröffneten Museumsladens den Modelleisenbahnbauern über die Schulter schauen können.

In zwei Obergeschossen wird die Geschichte der Eisenbahn und der Modelleisenbahn sowie die Firmenhistorie von Märklin präsentiert. Irgendwann könnte der Museumsbereich auch noch um einen Gang in die Produktion des Unternehmens erweitert werden oder Werksführungen angeboten werden. Aber das ist momentan noch Zukunftsmusik. Wenn einmal alles fertig ist, soll ein Gang durch das Museum ungefähr zwei Stunden dauern.

Das neue Museum ist ein lange gehegter Wunsch

Die Notwendigkeit eines Museumsneubaus hat das Unternehmen bereits vor Jahren erkannt. Das alte Museum in einem Gewerbegebiet im Osten Göppingens erfüllte die Erwartungen vieler Besucher nicht. Er habe immer wieder Schreiben erhalten, in denen sich Besucher enttäuscht gezeigt hätten, berichtet der Geschäftsführer Sieber. Zweifellos habe das alte Museum, das in den Räumlichkeiten eines einstigen Möbelhauses untegebracht ist, den Glanz der Firma Märklin nicht widergespiegelt, gibt er zu. „Eine Marke wie Märklin sollte anders präsentiert werden“, findet er. Die Vorbereitungen für die neue Präsentation laufen auf Hochtouren: So werden Informationen zur Geschichte zusammengetragen und an Präsentationskonzepten gefeilt. Das neue Museum soll sowohl die eingefleischten Modelleisenbahnfans, meistens Männer jenseits des 45. Lebensjahres, aber auch Familien mit Kindern begeistern. Neben zwei Spielecken sind interaktive Kommunikationsformen geplant. Die Wissensvermittlung solle keinesfalls nur durch stumpfes Ablesen erfolgen, sagt Sieber. Wechselnde Exponate sollen zu wiederholten Besuchen anregen.

Die 80 Parkplätze für die Besucher werden im Innenhof eingerichtet. Momentan parken dort noch die Mitarbeiter. Für sie wird ein neuer Parkbereich oberhalb des Firmengeländes angelegt. Um weitere Besucher zu gewinnen, plant Märklin außerdem eine Kooperation mit der Firma Steiff – beispielsweise mit einer geführten Tour zu beiden Unternehmen.

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