Handwerker haben an der verglasten Hallenbadwand eine Zierfolie aufgebracht, die künftig unerwünschte Einblicke verhindert. Foto: /Horst Rudel

Das frischsanierte Bad kommt gut bei den Bürgern an – doch ein Detail hat viele auf die Palme gebracht.

Göppingen - Sie hatten es so gut mit ihren Badegästen gemeint – aber nicht alle reagierten wie gedacht: Damit Passanten schon von außen einen kleinen Blick auf den Badespaß in der frischsanierten Barbarossa-Therme in Göppingen erhaschen können und die Badegäste zusätzliches Tageslicht bekommen, wurde bei dem großen Umbau ein Abschnitt der Außenwand neben dem Eingang zu dem Bad verglast. Statt Freude über die zusätzlichen Einblicke war eine Welle der Empörung die Folge. Denn die Planer hatten die Glaswand ausgerechnet vor dem Planschbecken für Kleinkinder angebracht.

Halbnackten Pimpfen von der Straße aus beim Planschen zuschauen? Das geht gar nicht, finden viele Bürger. Die Befürchtung, dass die Stadtwerke kleine Kinder möglicherweise schutzlos den Blicken Perverser auslieferten, machte schnell die Runde. Ob in der Sauna oder im Schwimmbecken, statt des neuen Schwimmbeckens, der großzügigeren Umkleiden oder des neuen Eltern-Kind-Bereichs war die Glaswand nach der Wiedereröffnung des Bades das Gesprächsthema Nummer eins. Und nicht alles was da über die Fähigkeiten der „Architekten von heute“ gesprochen wurde, war zitierfähig.

Auch die Stadtwerke waren nicht ganz glücklich mit der Glaswand

Tatsächlich sei man auch bei den Stadtwerken nicht ganz glücklich mit der Glaswand gewesen, räumt der Bäderchef Thomas Jäger ein. „Wir haben uns das angeschaut und selbst festgestellt, dass es uns nicht so richtig gefällt“, sagt er. Die ursprüngliche Idee sei gewesen, den Besuchern zumindest an einer Stelle einen kleinen Blick in das Bad zu ermöglichen.

Denn vor der Sanierung hätten Besucher im Eingangsbereich in das Bad hineinsehen können. Dies sei aber seit dem Umbau nicht mehr möglich. Zum Ausgleich habe man die Außenwand neben dem Eingang verglast. Schließlich gebe es viele Hallenbäder, mit verglasten Wänden. Tatsächlich ist etwa in Eislingen eine komplette Außenwand des Stadtbades transparent. Allerdings liegen dahinter nicht eine viel befahrene Straße und ein Gehweg, auf dem viele Passanten unterwegs sind wie in Göppingen. In Eislingen geht der Blick aus dem Bad auf eine verlassene Streuobstwiese. Und im Bad selbst sind vor allem Sportler zugange. Ein reines Planschbecken für Kleinkinder gibt es dort nicht.

Plastikfolie verhindert nun direkte Blicke ins Planschbecken

Und so war das Unbehagen der Badegäste und der Betreiber über die Glaswand direkt vor dem Planschbecken am Ende einfach zu groß. Vor Kurzem haben Handwerker im Auftrag der Stadtwerke mannshohe Zierfolie an der Glaswand aufgebracht. Filigrane Gräser und Halme verdecken nun den Blick auf spielende Kinder und ihre Eltern. Durch den oberen freien Bereich der Glaswand fällt dennoch weiterhin Tageslicht in das Bad.

Die Folie, so erläutert Jäger, verhindere, dass man von außen auf die Kinder schauen könne oder sie gar aus der Entfernung beobachten oder filmen könne. „Wer sich auf die Zehenspitzen stellt, kann vielleicht darüber hinwegschauen“, sagt er. Doch die Mitarbeiter an der Kasse seien für das Thema sensibilisiert. Im Zweifel würden sie allzu neugierige Passanten verscheuchen.

„Und falls je etwas sein sollte, der Eingangsbereich der Thermen ist auch videoüberwacht. Ursprünglich haben wir das gemacht, um Vandalismus zu verhindern“, berichtet der Bäderchef Jäger.

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