Verstehen sich ohnehin gut Foto: deondo

Die große Liebe war es am Ende schon lange nicht mehr: Die Landtagsabgeordnete für Göppingen, Ayla Cataltepe, hat die Grünen verlassen. Jetzt will sie in die CDU.

Für politische Beobachter und den Grünen-Kreisverband ist es jetzt keine riesige Nikolausüberraschung gewesen, ein kleines politisches Beben ist es aber schon: Die direkt gewählte Landtagsabgeordnete der Grünen im Wahlkreis Göppingen, Ayla Cataltepe, hat die Partei verlassen und will zur CDU wechseln. Sie findet, ihre politische Arbeit habe bei den Grünen keinen echten Widerhall gefunden. Ihr Landtagsmandat möchte Cataltepe behalten, am Dienstag entscheidet der CDU-Kreisvorstand, ob die Eislingerin in die Partei aufgenommen wird. Ihr Mandat in Stuttgart möchte sie „mit dem mir entgegengebrachten Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger“ fortsetzen.

 

Entscheidung über lange Zeit gereift

Die 52-Jährige wurde 2021 erstmals ins Landesparlament gewählt. In einer am Freitagmittag veröffentlichten persönlichen Erklärung betont Cataltepe, die Entscheidung sei „über eine lange Zeit gereift, sie hat eine Geschichte, und meine Gründe sind politischer Natur“. Als Grund für den Parteiaustritt gibt die Tochter einer Gastarbeiterfamilie unter anderem an, dass weder ihre „Expertisen zu Demokratie- und verfassungsgefährdenden extremistischen Gruppierungen, noch die Hinweise zu Islamismus“ einen echten Widerhall in Partei- und Fraktionsspitzen der Landes-Grünen gefunden hätten.

Die Abgeordnete glaubt, dass ihre politische Arbeit nicht mehr mit den Grundsätzen und der politischen Agenda bei Bündnis 90/Die Grünen vereinbar sei und auch nicht mehr dort verortet werden könne. Eine neue politische Heimat hat sie schon ausgemacht: „Nach eingehender Prüfung glaube ich zudem, dass sowohl meine politische Überzeugung als auch meine politische Arbeit besser zur CDU passen. Deshalb werde ich umgehend den Eintritt in den CDU-Kreisverband Göppingen beantragen.“

Die ganz große Überraschung ist das nicht, schließlich verschickt Cataltepe schon seit längerem immer wieder gemeinsame Pressemitteilungen mit ihrer CDU-Kollegin Sarah Schweizer, die auch Göppinger Kreisvorsitzende der Christdemokraten ist. In der Regel geht es dabei nicht um politische Kontroversen, vielmehr begrüßen die beiden Abgeordneten regelmäßig, wenn wieder Fördergelder aus Stuttgart in den Landkreis fließen.

Auch die Co-Kreisvorsitzende der Grünen, Mariska Ott, wundert sich nicht über die Entwicklung: Ob sie überrascht sei? Auf diese Frage kommt sofort ein klares „Nein“. Cataltepe sei schon seit Monaten nicht mehr auf Mitgliederversammlungen oder in Parteigremien im Kreis gewesen, habe sich nicht mehr in die Parteiarbeit eingebracht. „Ich weiß auch nicht, warum“, bedauert Ott.

Doch es gibt eine Vorgeschichte: Bei der Wahl des neuen Kreisvorstands erlitt Cataltepe im November 2023 eine krachende Niederlage, nur 17 von 75 anwesenden Mitgliedern wollten sie als Kreisvorsitzende sehen. Gewählt wurden Ott und Christine Lipp-Wahl als Doppelspitze. Dass die Eislingerin nun ihr Mandat im Landtag behalten will, „ärgert mich schon“, sagt Ott. Schließlich sei Cataltepe nicht nur Kandidatin der Grünen gewesen, sondern habe auch ihren Wahlkampf mit Ressourcen der Partei bestritten. Deshalb ist für Ott klar: „Wir haben schon die Erwartungshaltung, dass sie ihr Mandat niederlegt.“ Schließlich sei die Abgeordnete immer unterstützt worden, Ott erinnert an den Vorfall auf dem Göppinger Stadtfest im vergangenen Jahr, als Cataltepe bedroht worden war: „Sie hat ganz klar Unterstützung vom Kreisverband gekriegt, wir haben uns vor, hinter und neben sie gestellt.“

Das beansprucht auch Sarah Schweizer für sich: „Ich habe sie da sehr unterstützt“, sagt sie und kann den Schritt ihrer Parlamentskollegin nachvollziehen: „Ich kann es verstehen, wenn man bei den Grünen austreten will.“ Cataltepe habe sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht, „es ist eine Entscheidung, die meinen Respekt hat“, betont die CDU-Kreisvorsitzende. Noch liege dem Kreisverband im Moment kein Aufnahmeantrag für eine CDU-Mitgliedschaft von Cataltepe vor, sagt Schweizer. Doch wenn der gestellt werde, befasse sich der Kreisvorstand am Dienstag auf seiner turnusmäßigen Sitzung damit „und der entscheidet dann über die Aufnahme“.