Das Straßenkunstfestival hat einen guten Ruf bei Artisten in der ganzen Welt: Die Akrobatin und Clownin Lucia Quiroga und der Musiker und Clown Mauricio Millikonsky beispielsweise bringen ihre bunte Show aus Argentinien ins Göppinger Stadtzentrum. Foto: privat

Das Straßenkunstfestival hat bereits einen Ruf, der weit über Europa hinausreicht. Dabei sei die erste Ausgabe vor vier Jahren eigentlich eine Verlegenheitslösung gewesen, wie die Erfinder Boris Bader und Johannes Mönich erzählen.

Göppingen - Wenn alles so gelaufen wäre, wie es ursprünglich geplant war, gäbe es das Straßenkunstfestival in Göppingen gar nicht. „Freunde von uns wollten vor vier Jahren auf dem Schlossplatz ein Jazzfestival veranstalten“, erzählt Boris Bader. Die Organisatoren hatten den Platz bereits gebucht, doch weil sie spät dran waren, konnten sie keine Musiker mehr auftreiben. Sechs Wochen vor dem Termin war klar, dass es kein Jazz-Festival geben würde. „Da haben wir uns eingeschaltet und gesagt, jetzt ist der Schlossplatz sowieso gebucht, dann veranstalten wir eben etwas anderes“, sagt Johannes Mönich.

Und so saßen Mönich, der damals im Café Bozen arbeitete, und der IT-Spezialist Bader nun da, hatten die Genehmigung, eine Veranstaltung auf dem Schlossplatz zu organisieren, und keine Ahnung, was sie dort machen könnten. „Es war ja sehr kurzfristig, und wir hatten auch kein großes Budget“, sagt Bader. Deshalb hätten sie sich dann überlegt „etwas mit Straßenkunst“ zu machen. „Die Künstler arbeiten oft für eine Aufwandsentschädigung und lassen dann den Hut beim Publikum rumgehen“, erklärt Bader.

Als ehemaliges Mitglied des Kinderzirkus Maroni hat Bader gute Kontakte

Außerdem hatte Bader einen entscheidenden Vorteil: Als ehemaliges Mitglied des Kinder- und Jugendzirkus Maroni und langjähriger Mitspieler der Zirkusband hat Bader gute Kontakte nicht nur in Musikerkreise in der Region, sondern auch in die Welt der Artisten. „Viele von den Maroni-Kindern haben als Erwachsene ihr Hobby zum Beruf gemacht und sind Artisten geworden“, erzählt Bader. „Und viele von ihnen treten nicht nur in der Manege, sondern auch immer wieder mal als Straßenkünstler auf.“

Innerhalb kürzester Zeit stellten Bader und Mönich ein Programm mit Clowns, Artisten und Musikern zusammen. Und obwohl das erste Straßenkunstfestival für die Göppinger völlig überraschend kam – schließlich wussten selbst die Veranstalter erst sechs Wochen vorher davon – sprach sich schnell herum, dass sich ein Besuch auf dem Schlossplatz lohnen würde. „Die Veranstaltung wurde ein großer Erfolg, also haben wir weitergemacht“, sagt Bader.

In Göppingen gibt es – anders als bei vielen anderen Festivals – Musik und Kunst

Im Gegensatz zu vielen anderen Festivals, die entweder auf Straßenmusik oder auf Straßenkunst setzen, gibt es in Göppingen beides. Und weil Bader und Mönich schnell gemerkt haben, dass die Künstler wenig von vorgeschriebenen Auftrittszeiten und -orten halten, bleibt es ihnen in Göppingen selbst überlassen, wann sie auf der Bühne am Schlossplatz stehen und wann sie in den angrenzenden Straßen unterwegs sind.

Da trifft es sich natürlich hervorragend, dass Bader das Erdgeschoss seines Zuhauses – eines ehemaligen Ladens in der Pfarrstraße – ohnehin regelmäßig für Veranstaltungen nutzt. Während des Straßenkunstfestivals ist der „Rahmen 18“ der Treffpunkt der Artisten und Musiker, wo sie essen, verschnaufen und sich austauschen können. „Die besondere Atmosphäre hier und der Austausch, das gefällt vielen gut. Deshalb haben sie uns anderen Artisten weiterempfohlen“, sagt Bader.

30 Künstler aus der ganzen Welt haben zugesagt

Kein Wunder also, dass für die diesjährige Ausgabe des Festivals von Freitagabend bis Sonntagabend mehr als 30 Künstler aus aller Welt zugesagt haben. Die Chancen stehen gut, dass sich ihre Hüte gut füllen, denn seit dem vergangenen Jahr kooperieren Bader und Mönich mit den Organisatoren des Stadtfests. „So hat das Stadtfest ein zusätzliches Highlight, und unsere Künstler haben ein großes Publikum“, fasst Mönich die Überlegungen der Organisatoren zusammen.

Stadtfest: Die Vereine und Gastronomen feiern in der Innenstadt

Beginn:
Das Stadtfest wird am Freitag um 18.30 Uhr auf der Marktplatz-Bühne eröffnet. Anschließend erwarten die Vereine und Gastronomen die Besucher an ihren Ständen, die sich über die Innenstadt­ verteilen. Bis um 1 Uhr kann dann gefeiert werden. Am Samstag beginnt die Veranstaltung um 12 Uhr und dauert bis 1 Uhr, am Sonntag geht sie von 11 bis 20 Uhr.

Marktplatz:
Auf der Bühne am Marktplatz spielen am Freitag von 19 bis 24 Uhr James Torto and Friends Reggae­, Rock und Pop. Am Samstag gibt es von 14.30 Uhr bis 17 Uhr Vorführungen, etwa Zumba, Kick-Boxen und Tanz. Es folgt bis 18.30 Uhr afrikanische Musik mit Mbaye Koate, von 19 bis 21.30 Uhr spielt mit Orangefuel der Lokalmatador unter den Coverbands, um 21.30 Uhr beginnt eine Queen-Show von Markus Engelstaedter­ mit Coversongs der legendären Rockgruppe. Der Sonntag beginnt um 11 Uhr mit der Musikkapelle Hohenstaufen, von 14 bis 16 Uhr gibt es Vorführungen, um 17.15 Uhr spielt Ramrod Classic-Rock und Blues.

Bühnen:
Auf dem Alfred-Schwab-Platz legt am Freitag von 20 bis 24 Uhr DJ Tom Sonic auf, am Samstag gibt es von 16 bis 19 Uhr Livemusik und Lagerfeuer, um 20 Uhr ist erneut der DJ dran. Am Sonntag spielt von 11 bis 14 Uhr die Bayernkapelle Blasmusik zum Frühschoppen, von 15 bis 18 Uhr gibt es Coverpop mit Beyond the Music. Der Kornhausplatz ist am Freitagabend in der Hand des DJ-Teams GP, am Samstag gibt es von 12 bis 18 Uhr eine Spielstraße, dann sendet das Radio Fips Stadtfestradio, um 17 Uhr spielt Roadstring Army Rock, Pop und Blues, danach legen DJs von Radio Fips auf. Auf dem Foggiaplatz steigt am Freitag und Samstag von 19 Uhr an eine Mallorca-Party, am Sonntag gibt es von 12 bis 18 Uhr Action-Painting. Im Uhlandschulhof wird das ganze Wochenende über Sport geboten.

Neu:
Zum ersten Mal gibt es einen Irish Square an der Ecke Kirch-/Kellereistraße. Am Freitag spielt von 20 bis 23 Uhr Dario Zeitler alias The Cheerful Busker, am Samstag treten von 15.30 bis 16 Uhr die Staufer Set Dancers auf, bis 18 Uhr gibt es dann Livemusik mit Shamrock, von 20 bis 22 Uhr spielen Nervine, den Abschluss machen Acoustics bis 24 Uhr. Am Sonntag spielt Stefan „Sigge“ Sick von 13 bis 17 Uhr.

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