Die Zukunft des Bahnhofsvorplatzes macht vielen Stadträten Sorgen. Eine Ausschreibung der geplanten Tiefgarage ist an enormen Kosten vorerst gescheitert. Foto: Horst Rudel

Das Ausschreibungsergebnis für den Bau der Bahnhofs-Tiefgarage liegt 42 Prozent über den veranschlagten Kosten. Die Verwaltung hat eine Idee, wie sie das Problem in den Griff kriegen will. Doch viele Stadträte sind skeptisch.

Göppingen - Der Vorschlag klingt kurios. Doch die Stadtverwaltung ist überzeugt, damit eine Kostensteigerung von 42 Prozent beim Bau der geplanten Bahnhofs-Tiefgarage wieder reduzieren zu können. Das Bauamt hat den Stadträten in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärt, man könne die lichte Höhe der Tiefgarage von 2,40 Metern auf 2,20 Meter reduzieren. Auf diese Weise müsse weniger Erde bewegt und weniger Material verbraucht werden. Damit ließen sich die Ausgaben in ausreichendem Maße senken, um die Wirtschaftlichkeit des Projekts zu retten.

Viele Stadträte reagierten skeptisch. Achim Fehrenbacher (CDU) etwa mahnte, die Tiefgarage nicht zu tief zu machen. Andere frotzelten über eine Tiefgarage für Kleinwagen in einer Zeit, in der die Autos eigentlich immer größer werden. Nur der FWG-Chef Emil Frick zeigte sich sehr zufrieden, schließlich habe seine Fraktion den Vorschlag gemacht, an der Höhe zu sparen. „Die finanzielle Situation muss Hand und Fuß haben. Wir glauben, dass die Stadt das hin kriegt“, sagte er.

1,2 Millionen Euro teurer als gedacht

Trotz einiger Bedenken stimmte das Gremium letztlich erneuten Verhandlungen über den reduzierten Leistungskatalog mit den drei Baufirmen zu, die die günstigsten Angebote auf die Ausschreibung der Bauarbeiten abgegeben hatten. Wobei der Begriff günstig in diesem Zusammenhang relativ ist. Immerhin liegt das preiswerteste Angebot bei 4,2 Millionen Euro netto und damit 1,2 Millionen Euro über der Kalkulation, die das Bauamt vor einem halben Jahr vorgelegt hatte. Die nächsten beiden Baufirmen verlangen für die Arbeiten sogar 5,1 und 5,6 Millionen Euro. In nicht-öffentlicher Sitzung begründete die Stadt dies offenbar mit den Kostensteigerungen im Baugewerbe, die zurzeit unter anderem wegen Stuttgart 21 floriere.

„Da kann’s einem angst und bange werden“, sagte der Stadtrat Jürgen Schaile (FDP/FW). „Man fragt sich schon, wie die Halbwertszeit von solchen Kostenberechnungen ist.“ Auch der SPD-Fraktionschef Armin Roos zeigte sich mit Blick auf die anderen großen Bauprojekte am Bahnhof besorgt. Er stimmte aber wie die Mehrheit des Gremiums für den Vorschlag der Stadt, über die Sommerpause neu mit den Baufirmen zu verhandeln. Im September, wenn die neuen Zahlen vorliegen, soll dann erneut beraten werden.

Heftige Kritik von Linken und Piraten

Alle Stadträte waren sich einig, dass die Tiefgarage am Bahnhof nicht zu einem Subventionsgrab werden dürfe, wie es das Parkhaus an der Jahnstraße 20 Jahre lang war. Die Tiefgarage aufgeben wollte zu diesem Zeitpunkt aber kaum einer. „Wir stehen nach wie vor zu diesem Projekt“, sagte etwa der Grünen-Fraktionschef Christoph Weber. Natürlich müsse man die Kosten in den Griff bekommen. Aber bei dem Vorhaben gehe es auch um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.

Das sah auch der Oberbürgermeister Guido Till so. „Wir müssen alles daran setzen, dass wir am Bahnhof die schwarze Null erreichen“, sagte er. Doch bei dem Verkehr, der – wegen der erfreulichen Entwicklung in dem Quartier – künftig zu erwarten sei, komme man um den Bau der Tiefgarage nicht herum. Die Aufgabe des Bauamtes sei es nun, eine Kostenplanung zu entwickeln, an deren Ende besagte schwarze Null stehe.

Scharfe Kritik kam hingegen von der Lipi-Fraktion. „Eigentlich sollte man das Projekt aus Kostengründen ad acta legen“, sagte Michael Freche. Er halte die Berichte der Verwaltung über die Maßnahmen gegen die Kostenexplosion – die in weiten Teilen nichtöffentlich vorgestellt worden waren – für nicht schlüssig. Christian Stähle ging noch einen Schritt weiter. Er warf der Stadt Schönrechnerei und Zahlenjonglage vor. Dennoch stimmte er den erneuten Verhandlungen im Gegensatz zu seinen beiden Fraktionskollegen zu.

Der teure Traum vom attraktiven Tor zur Innenstadt

Der Platz
Die Stadt will das Areal um den Bahnhof in den kommenden Jahren neu gestalten. Das ganze Quartier ist bereits ein Sanierungsgebiet. Der Bahnhofsvorplatz etwa soll künftig nicht mehr als Parkplatz dienen, sondern mit Bäumen und Bänken mehr Aufenthaltsqualität bekommen. Die Villa Gutmann im Westen soll saniert werden, dahinter ein Reha-Zentrum entstehen, und aus dem ehemaligen Zollamt könnte eine Kultureinrichtung werden.

Das Rathaus II
Ebenfalls westlich vom Bahnhof soll das neue Domizil der technischen Verwaltung entstehen. Das bisherige technische Rathaus am Nordring soll dann aufgegeben werden. Die geschätzten Kosten für den Neubau liegen bei 23 Millionen Euro.

Die Fußgängerzone
Vor kurzem hat überdies die Kreissparkasse bekanntgegeben, 20 Millionen Euro in das Viertel an der Unteren Marktstraße stecken zu wollen.

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