Göppingen 100-Tonnen-Lok rollt über die Straßen

Von Harald Beck 

Unter großer Anteilnahme wird die alte Dampflok auf den Tieflader gehievt und wartet dann tagsüber  an der Poststraße auf den Weitertransport zum Märklin-Museum. Foto: Horst Rudel
Unter großer Anteilnahme wird die alte Dampflok auf den Tieflader gehievt und wartet dann tagsüber an der Poststraße auf den Weitertransport zum Märklin-Museum. Foto: Horst Rudel

Mehrere Hundert Schaulustige sind mit dabei, als die Dampflok für das Märklin-Museum für den Transport zum neuen Standort auf einen Tieflader gehievt wurde. Im Schritttempo rollt der 100-Tonnen-Transport abends gen Stuttgarter Straße.

Göppingen - Guck mal, wie viele Räder der hat“ – es ist nicht nur die schwarze Dampflokomotive des Typs 44 1315 selbst, die beim städtischen Betriebshof in Göppingen die Blicke auf sich zieht. Auch die Transportmittel für den 100-Tonnen-Koloss und seinen nochmals 30 Tonnen schweren Tender werden ausgiebig bewundert. Der junge Eisenbahnfan – einer von einigen Hundert Schaulustigen, die sich am Vormittag um 10 Uhr zur Dampflok-Verladung eingefunden haben, hat ganz genau nachgerechnet: Zwölf Achsen mit je vier Zwillingsreifen hat das Gefährt, das die künftige Attraktion des Märklin-Museums quer durch die Göppinger City karren soll – „Der hat ja 96 Räder!“

Kurz nach zehn Uhr hebt die Lok ab

Die Verladung des Eisenbahn-Monstrums mit Hilfe zweier Schwerlastkrane ist ein Ereignis an diesem Mittwochmorgen. Von 7 Uhr an seien die Spezialisten eines Transportunternemens dabei, den nicht ganz einfachen Hebevorgang vom Gleis auf den überlangen Tieflader vorzubereiten, berichtet der Märklin-Sprecher Eric-Michael Peschel. Und kurz nach 10 Uhr ist es soweit. Hunderte Bilder werden von den Dampflokfans rundum geschossen, als sich – unter anderem unter den Augen des Museumsleiters Eugen Krey – die 85 Jahre alte Lok am Gestell aus Stahlträgern und Spezialgurten langsam vom Gleis hebt. Zentimeterweise hieven die Kranführer ihre schwere Last nach oben und drehen die 22,5 Meter lange Lok, sodass sie zwischen den Kranen hindurch zum Tieflader bugsiert werden kann. „Bisher klappt alles wie am Schnürchen das ist fantastisch“, berichtet der Märklinmann Peschel. Gerade mal 20 Minuten dauert es, bis die alte Eisendame auf den dicken Holzdielen des Tiefladers steht. Kurz noch mal anheben und auch die zwei Zentimeter sind korrigiert, um die sich das Gleisstück auf dem Tieflader verschoben hatte.

Den Weg vom bisherigen Lokstandort in Heilbronn nach Göppingen hatte die Veteranin bereits am Wochenende hinter sich gebracht. Mit 30 Kilometern pro Stunde sei die 44 1315 über die Strecke geschleppt worden, so Peschel – „so schnell darf die alte Dame noch rollen“. Sechs Stunden hat die nächtliche Fahrt zum neuen Dampflok-Standort gedauert. Und auch beim Weitertransport durch Göppingen werden die Abendstunden abgewartet, bis es über die Straßen der Stadt zum Märklin-Museum geht. So lange ist am Mittwoch die Lok samt dem auf einem separaten Tieflader stehenden Tender am Straßenrand in Richtung Poststraße zu bewundern.

Der Koloss passt nicht durchs Eingangstor

Rund 40 000 Euro werde der Transport des neuen Museums-Highlights insgesamt wohl kosten, sagt der Museumssprecher. Unter anderem mussten die Bäume entlang der Strecke auf die nötige Durchfahrtshöhe von sechs Meter gestutzt werden. „Und auch unser Eingangstor ist zu niedrig“, sagt Peschel. Deshalb rollt die Lok am späten Abend durch zwei Gebäude, um im neuen Heim anzukommen.

Am 14. und 15. September ist bei Märklin jeweils von 8.30 bis um 18 Uhr Tag der offenen Tür, da kann die große Schwester der kleinen Modelllokomotiven als neues Wahrzeichen des Museums bewundert werden. Bevor sie – für mindestens weitere 40 000 Euro – restauriert wird.

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