Langes Warten auf Essen: Die Resonanz beim glutenfreien Markt am Samstag war groß. Foto: Ralf Recklies

Glutenfreie Küche kann eine Herausforderung sein. Die Premiere eines Markts in Malmsheim zeigt, dass es auch anders geht. Das Interesse der Besucher ist groß.

Der erstmals in der Renninger Aktionswoche „Gesundheit und Klimaschutz“ in Malmsheim organisierte glutenfreie Markt ist ein voller Erfolg gewesen. Nicht nur die Wirtschaftsförderin Adrienne Form zeigte sich sehr zufrieden. Auch für viele der 13 Marktbeschicker, die sich in erster Linie mit frisch zubereiteten Speisen präsentierten, lief die Premiere am Samstag sehr gut.

 

Bei frühsommerlichem Wetter kamen viele Besucher in die Bachstraße, um sich den Gaumen mit Pizza und Döner, Spätzle mit Soße, Waffeln, Wraps und Gemüsecurry, aber auch mit Kuchen und Eis sowie anderen Leckereien verwöhnen zu lassen. Neben den Anbietern von glutenfreien Speisen und Getränken war auch die AOK dabei, um Besucher über Glutenunverträglichkeit und Zöliakie zu informieren. Das im Getreide vorkommende Gluten, einem variierenden Komplex aus Proteinen, bereitet vielen Menschen gesundheitliche Probleme, die von Hautirritationen und Blähungen sowie Bauchschmerzen bis hin zu einer entzündeten Darmschleimhaut reichen.

„Ich bin begeistert, wie viele Leute das Angebot zum Abschluss unserer Aktionswoche annehmen“, sagte Adrienne Form. Wer gekommen war, um auch Produkte für die heimische Küche einzukaufen, wurde indes enttäuscht. Nur am Stand des 2025 von Claudia Menge mit einem Partner in Stuttgart gegründeten DLCS Store, der seine Produkte vor allem online vertreibt, gab es eine kleine Auswahl an glutenfreien Produkten. „Wir versuchen, durch die Teilnahme an verschiedenen Märkten bekannter zu werden“, so Claudia Menge, die ihr Angebot unter anderem in Lübeck, Bremen präsentieren wird.

Auch Jasmin Schuster von Pure Cakes aus Stuttgart setzt mit ihren glutenfreien Kuchen vor allem auf den Onlineverkauf. Sie hatte in Malmsheim aber viele einzeln verpackte Kuchenstücke dabei. Bedauerlich fand sie, dass am Nachmittag der Besucherzuspruch deutlich nachgelassen habe. „Da hatte ich mir mehr erwartet.“

Dass es bei glutenfreien Angeboten nicht ausschließlich um Speisen geht, wissen Tim und Roman Essig von der Perouser Brennerei No. 17. In ihrer mobilen Kaffee- und Spirituosenbar haben sie ursprünglich „Nudelstrohhalme“ für ihre Longdrinks genutzt. Inzwischen kommen nur noch aus Bambus gefertigte Trinkröhrchen zum Einsatz – „die sind eben glutenfrei“, so Tim Essig. „Bei vielen Menschen geht die Glutenunverträglichkeit mit anderen Unverträglichkeiten einher.“ Daher achte man darauf, dass auch nirgendwo Laktose auftauche.

Jasmin Schuster verkaufte glutenfreien Kuchen – in einzeln verpackten Stücken. Foto: Ralf Recklies

Bei der Vorbereitung des Marktes, der von der Dixie Gruppe des Musikvereins sowie dem Duo Julia & Andy umrahmt wurde, hatte sich Adrienne Form auch mit den Organisatoren des „Glutenfreien Herbstes“ Weil der Stadt ausgetauscht. Dieser findet in diesem Jahr am 26. und 27. September statt. In der Folge wurde der Döner-Foodtruck „Güven’s“ am Ende des Foodmarktes in der Bachstraße positioniert. „Da bilden sich erfahrungsgemäß immer lange Schlangen“, erfuhr Form vorab. In der Tat: Die Schlange war oft so lang, dass mancher überlegte, ob er die Wartezeit in Kauf nehmen will.

Die Malmsheimer Metzgerei Kohler bot vor ihrem Geschäft Wraps mit Hamburger-Patties in Salat an. Zur Sicherheit stand auf dem Preisschild der Hinweis „Nicht glutenfrei“. „Wir hatten die Grillplatte schon anderswo im Einsatz. Trotz gründlicher Reinigung können wir nicht garantieren, dass alles völlig glutenfrei ist“, erklärt Martin Kohler.

Über mangelnden Zuspruch konnte sich auch Alesandro Pezzolla nicht beschweren. Seine italienischen Speisen waren früh ausverkauft. „Wir hatten auch vorsichtig kalkuliert“, sagt der Inhaber des Lokals La Comlomba in Oberjesingen. In seinem Lokal stünden schon seit mehr als 20 Jahren glutenfreie Gerichte auf der Karte. Melanie Frese von „‘s hat no“ aus Nöttingen wiederum bietet mit ihrer Partnerin wegen steigender Nachfrage inzwischen vermehrt glutenfreie Speisen an. Sie bereiten vor allem schwäbische Spezialitäten zu. Eine Besucherin lobte: „Einfach lecker, das bekomme ich zuhause mit glutenfreien Produkten einfach nicht so hin.“