Glühweinkönigin Sarah Schmitt mit einem Becherchen auf dem Trierer Weihnachtsmarkt: Die Winzerstochter mag am liebsten weißen Glühwein. Foto: Stadt Trier

Auf dem Trierer Weihnachtsmarkt hebt Sarah Schmitt das Image des Glühweins. Ein Gespräch über Promillegrenzen, die echte Queen und Alternativen aus dem Tetrapak

Trier - Winterzeit, Glühweinzeit: In Trier poliert die Lebensmitteltechnik-Studentin Sarah Schmitt (22) das Image des Glühweins auf. Ein Gespräch über Promillegrenzen, die echte Queen und Alternativen aus dem Tetrapak.

Frau Schmitt, bei Glühwein denken viele an Komasaufen. Ist Trinkfestigkeit eine unabdingbare Voraussetzung für Ihren Job?
Nein, beim Bewerbungsgespräch musste ich nicht unter Beweis stellen, wieviel ich trinken kann. Es ging eher um das Fachwissen rund um den Wein. Ich bin ja auch Winzertochter und vor einem Jahr in den Betrieb meiner Eltern eingestiegen. Ich habe sogar schon meinen eigenen Wein produziert.
Aber es kann auch nicht schaden, wenn man einiges verträgt?
Als Glühweinkönigin muss ich nicht unbedingt immer selber trinken. Es wird auch gern gesehen, wenn ich Kinderpunsch trinke. Ich bin ja als Repräsentantin unterwegs. Da wäre es eher hinderlich, wenn ich kein Wort mehr herausbekomme.
Wieviel Glühweine können Sie denn trinken, bis sich alles dreht?
Oh, bis sich alles dreht, das hatte ich noch nicht. Aber acht Glühweine sind kein Problem.
Auf Weihnachtsmärkten ist die Schlange vor keiner Bude so lang wie vor der Glühweinbude. Wozu braucht man da eigentlich noch eine Königin, um das Image des Heißgetränks aufzupolieren?
Unser Problem ist, dass der Glühwein immer noch ein negatives Image hat. Viele denken, er muss rot und süß sein – und am nächsten Tag hat man tierische Kopfschmerzen davon. Meine Aufgabe ist es, den Leuten klarzumachen, dass wir auch qualitativ hochwertige Weine vom Winzer anbieten und dass man einen Glühwein nicht mit einem Glühkirsch verwechseln sollte.
Glühkirsch?
Das ist ein Kirschwein, der in Richtung Likörwein geht. Der ist wirklich seeehr süß!
Woran erkennen Sie einen guten Glühwein?
Mir ist wichtig, dass der Grundwein qualitativ hochwertig ist und man nicht irgendeinen Fusel nimmt. Es gilt die Devise: Je weniger, desto mehr – vor allem bei den Gewürzen. Ich möchte ja den Wein noch schmecken.
Welche Rebsorten kommen dafür in Frage?
Für den roten nehmen wir Dornfelder, der hier an der Mosel auch weit verbreitet ist. Für den weißen eignet sich Müller-Thurgau, auch Rivaner genannt. Privat nehme ich auch mal einen Riesling, der ist ein bisschen erfrischender.
Und welche Gewürze fügen Sie hinzu?
Ich beschränke mich auf Nelke, Sternanis, Vanille, Orange und Zimt.
Ihr Lieblingsrezept?
Ich trinke am liebsten einen weißen, meistens eine Spätlese, da muss ich nichts nachsüßen. Dazu kommen die eben genannten Gewürze. Man muss aber aufpassen, dass man ihn nicht über 75 Grad Celsius erhitzt. Dann gehen der Alkohol verloren und natürlich auch die Aromen.
Viele Leute werden sagen, ach, egal. Hauptsache, er ist heiß und ballert?
Jaaa, in meinem Alter gibt es viele, die so denken. Aber ich lebe ja in einer typischen Weinregion, da gibt es schon ein größeres Bewusstsein für Qualität. Wer sich wegballern will, nimmt ja sowieso lieber harte Sachen wie Likör oder Schnaps. Das ist nicht so teuer.
Viele kaufen sich einen Glühwein schon fertig im Tetrapak. Ist das aus Ihrer Sicht Majestätsbeleidigung?
Ich persönlich würde es nicht machen. Ich finde es schade, wenn man ein Produkt nicht würdigt. Der Winzer steht an der Mosel am Steilhang und arbeitet den ganzen Tag – und dann kaufen Leute lieber irgendeinen Fusel für 1,49 Euro. Ich finde das nicht schön, kann das als Studentin aber auch nachvollziehen. Studenten haben eben immer wenig Geld.
Aber schmeckt die schlimmste Plörre nicht yummi-yummi, wenn man noch einen Schuss Rum oder Amaretto reingibt?
Das machen tatsächlich viele. In Trier trinken viele Kaffee mit Schuss oder Glühkirsch mit Amaretto. Für mich ist das nichts.
Wie kalt muss es denn sein, dass man draußen schon vor Einbruch der Dunkelheit einen Glühwein trinken darf, ohne schief angeguckt zu werden?
Ach, das muss gar nicht kalt sein. Mir persönlich reichen schon 15 Grad.
Trinken Sie Glühwein auch im Frühjahr?
Nein, wenn es draußen grün wird, steige ich lieber auf Sekt oder frischen Weißwein um. Den letzten Glühwein trinken wir im Freundeskreis immer an Fasnacht.
Dabei schmeckt er doch am besten, wenn es klirrend kalt ist.
Finden Sie? Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Weihnachen mit Kälte und Schnee assoziieren. Für mich ist es die Zeit, um runterzukommen und Freunde zu treffen. Glühwein schmeckt immer, egal, ob es minus zehn Grad oder plus zehn Grad sind.
Wie reagieren Menschen, wenn Sie sich als Glühweinkönigin vorstellen?
Die Einheimischen kennen das schon, aber Touristen gucken dann schon mal komisch. Der Weihnachtsmarkt in Trier ist international, viele Besucher kommen aus Asien und Großbritannien. Die Asiaten finden mich richtig toll. Aber die Briten gucken schon leicht befremdet. Die haben ja eine richtige Queen. Die finden das wahrscheinlich despektierlich.
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