Lotto-Spielen kann man längst nicht analog, sondern auch im Internet. Doch nicht alle Anbieter sind seriös. Foto: dpa

Experten stellen deutschen Behörden ein vernichtendes Zeugnis aus, wenn es um die Verfolgung illegaler Wetten geht. Auch Fußballclubs und Sportgrößen profitieren von dem Geschäft.

Stuttgart - Wenn bei der Ziehung der Lottozahlen die Kugeln durch die Plexiglas-Trommel rollen, versetzt das nicht nur Spieler in Anspannung, die einen Lottoschein im Kiosk ausgefüllt haben. Auch im Internet und mit dem Handy gibt es die Möglichkeit, sein Glück zu versuchen.

Doch nicht alle Anbieter sind seriös. Experten schätzen, dass Webseiten ohne Lizenz genauso viel Geld mit Wetten auf die Lottozahlen verdienen, wie die staatlichen Gesellschaften, sagt Marion Caspers-Merk, die Geschäftsführerin der Staatlichen Toto-Lotto Gesellschaft Baden-Württemberg bei der Präsentation der Lotto-Bilanz 2014 am Freitag in Stuttgart.

Der Unterschied sei, dass die Erlöse nicht der Allgemeinheit zugute kämen und kaum oder gar keine Steuern gezahlt würden. Von den 901,3 Millionen Euro, die Lotto Baden-Württemberg 2014 erwirtschaftete, flossen 372 Millionen in Wohlfahrtspflege, Denkmalschutz, Kunst, Sport oder in die Staatskasse. 437,5 Millionen wurden an Gewinner ausgezahlt. Ein gutes Ergebnis, findet Caspers-Merk, auch wenn der Umsatz 2013 knapp ein Prozent höher war.

Es könnte weit mehr sein, würden illegale Angebote konsequent verfolgt, doch das sei nicht der Fall, klagt Caspers-Merk. Die Begründung, dass eine Strafverfolgung nicht möglich sei, weil die illegalen Anbieter ihren Sitz im Ausland haben, lässt sie nicht gelten.

In Belgien beispielsweise würden die Gewinn-Ausschüttungen von illegalen Wett-Anbietern bei der Banküberweisung gestoppt, sagt Caspers-Merk. Rechtlich sei das bereits seit 2008 auch in Deutschland möglich, geschehen sei bisher aber nichts. Tilman Becker, der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim spricht in diesem Zusammenhang von „Staatsversagen“.

Anbieter wie Lottoland.com haben zwar eine professionelle Webseite, aber weder eine Lizenz noch eine Verbindung zum Lotto- und Totoblock, der die wöchentlichen Ziehungen veranstaltet. Seinen Sitz hat Lottoland.com auf der Mittelmeerinsel Malta. Genauso wie der Sportwettenanbieter Tipico, der neben Fußball auch Wetten in vielen anderen Sportarten anbietet. Dabei hat auch Tipico keine Lizenz. Niemand hat sie, weil das Vergabe-Verfahren stockt.

Aber selbst wenn es eine Lizenz gäbe, dürfte es bei Tipico keine Live-Wetten geben, sagt Marion Caspers-Merk. Live-Wetten können während eines laufenden Spiels abgeschlossen werden, beispielsweise darüber welche Mannschaft das nächste Tor macht, oder wer die nächste Gelbe Karte erhält. „Diese Wetten begünstigen die Manipulation von Sportereignissen“, sagt die Toto-Lotto-Geschäftsführerin.

Besonders problematisch findet sie, dass Tipico und andere als Sponsoren fast aller Bundesliga-Vereine auftreten und Sportgrößen wie der ehemalige Nationaltorhüter Oliver Kahn Werbung für Tipico machen. „Die staatlichen Toto-Lotto-Gesellschaften fördern die Sportverbände jährlich in Millionenhöhe“. Allein in Baden-Württemberg gingen 2014 knapp 60 Millionen Euro in die Sportförderung.

Dagegen sind die Gelder, die über Sponsorenverträge an die Bundesligisten gelangen, gering. So brachte der mittlerweile aufgelöste Vertrag zwischen dem VfB Stuttgart und dem Wett-Anbieter Interwetten.com dem Verein schätzungsweise jährlich eine halbe Million Euro ein.

Trotzdem schließt Rainer Mutschler, Geschäftsführer der VfB Stuttgart Marketing GmbH, nicht aus, dass wieder ein Vertrag mit einem privaten Anbieter geben könnte. Derzeit hat der VfB keinen Sponsor aus der Wettbranche. „Toto-Lotto ist unser Wunschpartner“, sagt Mutschler, „aber die Konditionen müssen stimmen“.

Womit man beim Wettbewerb wäre: Da könne der staatliche Anbieter Oddset nicht mithalten, weil er mangels Lizenz nicht im Internet vertreten ist. „Wir können ja nicht gegen das Gesetz handeln“, sagt Caspers-Merk. Andere schon.

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