Glück muss man haben – wie es sich in Deutschland damit verhält, wird alle Jahre wieder vom Institut Allensbach und Professor Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg untersucht. Foto: dpa

Der Glücksatlas bewertet die Stimmungslage in Deutschland. Die diesjährige Ausgabe zeigt, dass die Menschen in Schleswig-Holstein am glücklichsten sind. Württemberg steht wirtschaftlich gut da und landet auf Platz neun – unzufrieden sind die Schwaben dennoch: die Wohnkosten sind zu hoch.

Berlin/Stuttgart - Deutschland wird immer glücklicher. Allerdings nur im Westen. Der neue „Deutsche Post Glücksatlas“, eine jährliche Beobachtung der Stimmungslage, belegt auch, dass die Menschen zufriedener sind, je größer ihre kulturelle Offenheit ist. An der Spitze des regionalen „Glücksrankings“ rangiert auf einer Skala von 0 bis 10 erneut Schleswig-Holstein (7,41), Schlusslicht ist zum wiederholten Mal Mecklenburg-Vorpommern (6,77).

Die Badener sind weitaus zufriedener als die Württemberger

Die Region Baden schafft diesmal Platz vier, Württemberg landet auf Rang neun. Im Vergleich zum Vorjahr geht die Zufriedenheit in Baden mit 7,21 Punkten ein klein wenig zurück. Nach der Silbermedaille im vergangenen Jahr springt diesmal nur der undankbare vierte Platz heraus.

Überdurchschnittlich zufrieden bleiben die Badener allerdings weiterhin aufgrund der niedrigen Arbeitslosenquote von vier Prozent und des hohen Einkommens je Einwohner von durchschnittlich immerhin 22 869 Euro. Ein unterdurchschnittlicher Anteil an Pflegebedürftigen erklärt die hohe Gesundheitszufriedenheit. Negativ auf die Gesamteinschätzung wirkt sich der hohe Anteil der Mietkosten von 36 Prozent an den Monatseinkünften aus. Die Quote der Erwerbstätigen, die über Zeitarbeitsverträge beschäftigt sind, ist in Baden mit 27,6 je 1000 Erwerbstätigen jedoch geringer als im Rest der Republik.

Württemberg belegt im Ranking der 19 gemessenen Regionen mit 7,15 Punkten derweil den neunten Platz, ein Abstieg um zwei Plätze. Positiv bewerten die Bürger die gute Arbeitsplatzsituation. Auch das Einkommen liegt über dem Bundesdurchschnitt. Doch als negativ für ihr Lebensglück sehen die Schwaben – wie die Badener – hohe Wohnkosten. Mit 3,6 Übernachtungen pro Einwohner verbucht Württemberg zudem deutlich weniger Übernachtungsgäste als die Nachbarregion Baden. Trotz teilweise sehr guter wirtschaftlicher Zufriedenheitsindikatoren rutscht Württemberg damit weiter ins Mittelfeld der Regionen. „Ein Grund dafür könnte die regionale Mentalität sein“, drückt sich der Verfasser der Studio diplomatisch aus.

Das Glücksniveau in Deutschland ist leicht gestiegen

Das Institut Allensbach und Professor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg zeichnen für die Recherche verantwortlich. Das Glücksniveau in Deutschland liegt ihrer Aussage nach diesmal bei 7,11 Punkten, ein erstes leichtes Plus seit 2010. Verantwortlich dafür sind die gute Beschäftigungslage und der nachhaltige Anstieg der Reallöhne. Vor allem die Westdeutschen sind laut der Studie glücklicher geworden, während sich die Ostdeutschen als unglücklicher bezeichnen. Damit hat sich der Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland beim Glücksempfinden auf 0,28 Punkte erneut vergrößert

Neben den regionalen Unterschieden bei der Lebenszufriedenheit prüft die repräsentative Erhebung diesmal den Einfluss der „kulturellen Vielfalt“ auf die Lebenszufriedenheit. Die Interviewer befragten die Bevölkerung, wie offen und tolerant sie gegenüber anderen Kulturen in Deutschland sind – und welchen Einfluss Multikulti auf ihre persönliche Lebenszufriedenheit hat. 75 Prozent der Befragten halten Deutschland für ein weltoffenes Land, 19 Prozent sind anderer Meinung.

Es gilt die Formel: je toleranter, desto zufriedener

Die Analyse der Werte ergibt, dass zwischen Offenheit und Lebenszufriedenheit eine klare Beziehung besteht. Will heißen: je toleranter ein Mensch, desto zufriedener ist er mit seinem Leben. 38 Prozent der Befragten, die sich als „besonders tolerant“ bezeichnen, geben auf der Zufriedenheitsskala die höchsten Werte neun oder zehn an, während lediglich 16 Prozent der „wenig Toleranten“ diese Werte erzielen. Eine Erklärung sei der persönliche Kontakt mit „fremden“ Kulturen, so das Fazit der Betrachtung. 58 Prozent der Bürger, die Kontakt zu Menschen mit Migrationshintergrund haben, wollten selbst helfen, Zuwanderer zu integrieren. Von den Befragten, die keinen Kontakt haben, sind es nur 29 Prozent. „Wenn wir in Sachen Offenheit und Toleranz weiterkommen wollen, sollten wir alles daransetzen, den Kontakt zwischen Einwanderern und Einheimischen zu verbessern – am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in der Schule“, unterstrich Jürgen Gerdes, der Konzernvorstand der Deutschen Post DHL Gruppe, in Berlin.

Obwohl 65 Prozent der Deutschen die Einwanderung als persönliche Bereicherung betrachten, wird der tatsächliche Zustand der Integration nüchtern bewertet. So meint knapp die Hälfte der Bevölkerung, das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern habe bisher gut funktioniert. Im Westen wird das Zusammenleben (54 Prozent) besser bewertet als im Osten (35 Prozent). Generell sind die Ostdeutschen skeptischer als die Westdeutschen: 70 Prozent im Westen finden es gut, dass Deutschland durch Einwanderung vielfältiger wird, im Osten sind es 56 Prozent.

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