Eigentlich heißt rot Stopp. Foto:  

Ampeln werden gefühlt immer weniger verbindlich. Farbwahrnehmungsstörungen durch Designersonnenbrillen? Allgemeine Wurstigkeit? Schwer zu sagen, aber gefühlt ist Rot das neue Gelb und zumindest in Sachen Feinstaub von Vorteil, meint Jürgen Löhle.

Stuttgart - Man kennt das ja: Weil der Vordermann sein Auto im Gähnmodus bewegt, wird es phäb mit der Grünphase. Und natürlich erwischt es nicht den Schleicher, sondern den dahinter. Beim Langsamen springt die Ampel auf Gelb, der ruckelt aber gerade noch so drüber. Und dann ist es rot. Besser gesagt dunkelgelb – und man macht halt die Augen zu und gibt Gas. Dieses Hinterherwitschen gibt es schon immer, löst beim braven Bürger allerdings zumindest ein leicht schlechtes Gewissen aus – und wenn es schlecht läuft, auch einen Fotoapparat mit Blitz der Stadt. Aber die gibt es ja nicht überall.

Die braven Bürger scheinen allerdings im Verkehr ein wenig auf dem Rückzug zu sein. In Sachen Ampeldisziplin ist in der Stadt eine Entwicklung zu beobachten, die, positiv ausgedrückt, ein wenig mediterrane Gelassenheit ausstrahlt. Man hat jedenfalls immer mehr den Eindruck, dass eine rote Ampel ähnlich wie in Rom, Athen oder auch Paris maximal eine Art freundliche Empfehlung ist. Das Durchwitschen wird jedenfalls immer mehr zu einem ungenierten Weiterfahren bis gefühlt drei Sekunden nach dem Wechsel auf Rot. Zu beobachten täglich im Städtle. Woran das liegt? Eile? Farbwahrnehmungsstörungen durch Designersonnenbrillen? Allgemeine Wurstigkeit? Schwer zu sagen, aber gefühlt ist Rot das neue Gelb und zumindest in Sachen Feinstaub von Vorteil. Weniger bremsen bedeutet weniger Staub. Das schützt aber nicht vor Strafe, wenn einer erwischt wird. Da wäre es dann schnell vorbei mit der mediterranen Gelassenheit. Mehr als eine Sekunde Rot bedeutet 200 Euro, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot. Punkt.

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