Der Nordostring stößt in Fellbach auf Widerstand. Foto: Gottfried Stoppel

Der Nordostring rückt womöglich in weite Ferne – dank einer fehlerhaften elektronischen Post aus dem Leipziger Fernstraßen-Bundesamt ans Stuttgarter Verkehrsministerium.

Fellbach - Was ist nur los mit „diesem Internet“? Die scheidende Kanzlerin Angela Merkel hatte schon recht im Juni 2013 mit ihrer Skepsis bezüglich der modernen Kommunikationstechnik. Selbst einfachste Korrespondenzen haben ihre Tücken. Etwa bei der elektronischen Briefweitergabe vom Absender an den Empfänger.

Ans Licht der Öffentlichkeit kam die in diesen hinterhältigen Virenzeiten überall lauernde Gefahr bei einem Thema, das hiesige Belange betrifft. Es geht um den geplanten Ausbau des Autobahnzubringers von Backnang zur A 81-Anschlussstelle Mundelsheim. Der 15 Kilometer lange Abschnitt soll eigentlich von der bisherigen Landesstraße (L1115) zur Bundesstraße (B328) hochgestuft werden, was das Ganze beschleunigen und die Kosten dem Bund überlassen würde.

Berliner Hinhaltetaktik

Dass sich das ganze Prozedere derart in die Länge zieht, hat für Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann nicht nur ein G’schmäckle. Die Berliner Bundesbehörde mit ihrem Staatssekretär Steffen Bilger, der aus der Region stammt und überdies ein CDU-Parteibuch hat, setze offenkundig weiter auf den Stuttgarter Nord-Ost-Ring übers Schmidener Feld, klagte der grüne Minister kürzlich.

Um diese Asphaltpiste zwischen Waiblingen/Fellbach und Kornwestheim/Ludwigsburg weiter am Leben zu halten, setze das Berliner Verkehrsministerium bei Backnang-Mundelsheim auf eine Hinhaltetaktik. Stimmt gar nicht, konterte der gescholtene Jurist Bilger. Er hatte bereits Ende Juni unserer Zeitung gegenüber die Höherstufung des Autobahnzubringers bestätigt. Das formelle Schreiben sei längt in Stuttgart gelandet – vermutlich gebe es Weiterleitungsprobleme in Hermanns Ministerium, stichelte Bilger.

Schreibfehler beim Tippen

Der wahre Grund wurde allerdings jetzt entdeckt. Er liegt in einem Schreibfehler in der Adresse der E-Mail, bestätigte das Leipziger Fernstraßen-Bundesamt auf Nachfrage den kleinen Fauxpas. Kennen das nicht alle: Merkwürdige Buchstabenkombinationen mit Verdrehungsgefahr bei der Erstellung einer elektronischen Mail.

Gerade wir von der fusionierten Redaktion Fellbach/Rems-Murr müssen immer wieder rätselnden Lesern erklären, warum die Adresse seit einigen Monaten rems-murr-fellbach@stzn.de lautet. Verwirrungspotenzial ist also unvermeidlich. Andererseits: Muss der Beamte in Berlin die Mailadresse seiner Kollegen im Stuttgarter Verkehrsministerium wirklich von Hand eintippen? Eventuell so: poststelle@vm.bwl.de? Oder mv.blw? Hat er im täglichen Mailverkehr die richtigen Adressaten denn nichtautomatisch gespeichert?

Autobahnabwehrkräfte mobilisieren

Doch vielleicht hat das alles auch sein Gutes: So lange die Nord-Ost-Ring-Befürworter derart lässig ihr Projekt vorantreiben und einfachste Mail- oder Faxübertragungen scheitern, dann bestehen beste Chancen. Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen erforderte schier übermenschliche Kräfte, die Fellbacher, Kernener, Waiblinger oder Kornwestheimer Bündelung der Autobahnabwehrkräfte wirkt dagegen wie ein Klacks.

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