Das Internet spannt sich in Esslingen vom Hochmittelalter aus in die Neuzeit. Foto: dpa

Die Stadt bekommt endlich WLAN, dafür war zuletzt das Landesdenkmalamt zuständig. Hier ist halt alles ein bisschen historisch, findet unser Autor in seiner Glosse.

Esslingen - Das Landesdenkmalamt hat jetzt freies WLAN in Esslingen genehmigt, so teilt es die Stadtverwaltung mit. Außenstehende könnte es wundern, dass in Esslingen ausgerechnet die obersten Denkmalschützer das Funk-Netz knüpfen. Aber das hat schon seine Ordnung. Schließlich ist die Internet-Infrastruktur in Deutschland dermaßen rückständig, dass nur das Denkmalamt als Regulierungsbehörde in Frage kommen kann.

Noch immer nicht abgeebbt ist die Diskussion über die Gefahr von Handy-Strahlen. Auf der Straße zum Esslinger Jägerhaus steht seit Jahr und Tag ein Transparent, das auf die Gefahren des Mobilfunks aufmerksam macht, und das auch die jüngste Zunahme kritisiert: „Mehr Strahlen durch WLAN“, steht da.

Dabei war schon im Hochmittelalter die Gefährlichkeit der Strahlen bekannt. Die Menschen hüllten ihre Körper ganz in Metallplatten, um sich zu schützen, dabei trugen sie in Lederhüllen lange Flacheisenstücke, die scharf geschliffen waren und die wahlweise als Antennen dienten oder zum zerschneiden gefährlicher Funkwellen.

Da musste es ja zum Ersten Weltkrieg kommen

Auch das Absenden von SMS hat eine längere historische Tradition in Deutschland. Noch vor dem Ersten Weltkrieg kreuzte Seiner Majestät Schiff, die SMS „Friedrich der Große“ über die Weltmeere, die zehn 35,6-cm-Geschütze führte. Damals konkurrierten verschiedene Systeme heftig um die Vorherrschaft. Denn zur gleichen Zeit fuhr Her Majesty Ship, die HMS Iron Duke, über die Wellen oder auch die USS Texas, die 1912 vom Stapel lief. Kein Wunder, dass es zum Ersten Weltkrieg kommen musste mit allen seinen schrecklichen Folgen.

Esslingen, obwohl mit einem Hafenmarkt und der Marinekameradschaft Tsingtau reichlich in Seemannsgarn eingesponnen, hat nie den Versuch gemacht, wie Athen oder Karthago als städtische Seemacht in die Weltgeschichte einzugehen, weswegen hier immer noch die SMS mit dem Mobiltelefon verschickt werden. Das Denkmalamt hat jedenfalls zugestimmt, die dafür notwendigen Sendemasten und Parabolspiegel in die historischen Fassaden der Stadt zu integrieren. Gut so.

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