Der Handel floriert nicht nur in Singapur (Foto). Die Weltwirtschaft wächst so stark wie seit acht Jahren nicht mehr. Foto: Getty

Der Internationale Währungsfonds hebt die Wachstumsprognosen für Europa und USA an. Sorgen bereiten Folgen der Zinswende und die hohe Verschuldung in den USA.

Berlin - Der Ausblick auf die Weltkonjunktur könnte kaum besser sein: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für die globale Wirtschaft noch einmal erhöht. Für dieses und nächstes Jahr erwartet die Washingtoner Institution ein weltweites Wachstum von jeweils 3,9 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs seit 2010, als sich die Industrieländer von der Wirtschaftskrise 2008/09 erholten. Die Wachstumstreiber sind Europa, die USA, China und Japan.

Wenn von Donnerstag dieser Woche an die Finanzminister und Notenbankchefs aus Industrie- und Schwellenländer in Washington zur Frühjahrstagung von IWF und Weltbank zusammenkommen, ist für gute Stimmung gesorgt. An dem Treffen nehmen Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundesbankchef Jens Weidmann teil. Scholz wird am Rande der Tagung auch seinen Antrittsbesuch bei IWF-Chefin Christine Lagarde absolvieren. Anders als sonst müssen die Teilnehmer nicht über akute Krisen beraten.

Unsicherheit über Folgen der Zinswende

Dennoch legt der Währungsfonds den Fokus auf die wachsenden Risiken für die Weltwirtschaft. Wie bei jedem Treffen sprechen die Finanzminister und Notenbankpräsidenten am Freitag in vertraulicher Runde darüber, zu welchen Ergebnissen das IWF-Frühwarnsystem kommt. Seit der Finanzkrise 2008 gehört dies zum festen Bestandteil der Tagungen. Wie es aus deutschen Regierungskreisen heißt, soll über mehrere Gefahrenherde gesprochen werden. Der IWF stellt sich auf mittlere Sicht darauf ein, dass der Aufschwung abebbt. An erster Stelle nennt der Fonds die Folgen eines weltweiten Zinsanstiegs. In einem Szenario geht der Fonds davon aus, dass die eingeleitete Zinswende in den USA negative Auswirkungen auf Schwellenländer haben könnte. Die höheren Zinsen in den USA könnten die Kapitalströme in Schwellenländer versiegen lassen.

Die Finanzminister und Notenbankchefs wollen auch darüber sprechen, dass die expansive Notenbankpolitik in einigen Teilen der Welt den Auftrieb bei Vermögenspreisen wie Aktien und Immobilien fördert. Damit steigt die Gefahr, dass Spekulationsblasen platzen.

Wie es aus deutschen Regierungskreisen heißt, sieht der IWF auch die hohe Verschuldung in vielen Ländern mit Sorge. In seinem Weltwirtschaftsausblick übt der IWF Kritik an den USA, aber auch an Euroländern wie Spanien und Italien. Den Vereinigten Staaten attestiert der IWF eine nicht-nachhaltige Finanzpolitik. Es sei notwendig, dass die US-Regierung die Verschuldung reduziert. Präsident Trump nehme in Kauf, dass etwa durch die Unternehmenssteuerreform das Defizit steigt. Auch in der Eurozone sei die Verschuldung zum Teil sehr hoch. Italien und Spanien müssten ihre Abhängigkeit von Staatsschulden reduzieren, heißt es im Ausblick zur Weltwirtschaft. Die gute konjunkturelle Lage in vielen Teilen der Welt sollten Staaten veranlassen, Reformen anzugehen und finanzielle Polster für Krisenzeiten zu bilden. Als eine Belastung für die Weltkonjunktur sieht der IWF auch den Handelsstreit zwischen den USA, China und Europa. Wie es aus deutschen Regierungskreisen heißt, soll dieser Konflikt in Washington zur Sprache gebracht werden. Mit Ergebnissen wird aber nicht gerechnet.

Auch Deutschland muss seine Hausaufgaben machen

Auch Deutschland muss nach Meinung des IWF noch Hausaufgaben machen. Der IWF erneuert frühere Forderungen, wonach Deutschland seinen finanziellen Spielraum besser nutzen solle. Die Bundesregierung könne mit den Haushaltsüberschüssen die öffentlichen Investitionen erhöhen. Dadurch steige die Produktivität. Der Staat solle zudem mehr dafür tun, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen steigt und Zuwanderer für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden. Ein positiver Nebeneffekt von höheren staatlichen Investitionen in Deutschland bestehe darin, dass die Einfuhren aus anderen EU-Ländern zunähmen, schreiben die Volkswirte des IWF. Dies könne wiederum die Wirtschaftslage in anderen EU-Ländern verbessern.

Der IWF rechnet damit, dass der Aufschwung vorerst intakt bleibt. In den nächsten Jahren würden die Wachstumskräfte aber schwächer ausfallen. Die Wachstumsraten würden dann wieder auf das Niveau vor der Finanzkrise zurückfallen. Grund dafür sei die Alterung der Gesellschaft in Industrieländern und die schwache Produktivität in vielen Ländern.

Für viele Regionen hat der IWF seine Prognosen für dieses und nächstes Jahr erhöht. In Deutschland erwartet er in diesem Jahr ein Wachstum von 2,5 Prozent, das entspricht einer Erhöhung um 0,2 Prozentpunkte. Im Jahr 2019 erwartet er ein Plus von zwei Prozent. Damit liegt Deutschland leicht über dem Schnitt im Euroraum. Das Bruttoinlandsprodukt in den USA steigt nach der IWF-Prognose 2018 auf 2,9 Prozent und 2019 auf 2,7 Prozent.

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