Grüner Hof: Die Bäume bleiben den Goethe-Schülern erhalten. Foto: factum/

Am Ludwigsburger Goethe-Gymnasium sollten Bäume gefällt werden – ausgerechnet, um Platz für eine Grünanlage zu schaffen. Schüler haben diesem Schildbürgerstreich eine Absage erteilt. -

Ludwigsburg - Ende 2016 hat der Ludwigsburger Bauausschuss beschlossen, ein halbes Dutzend Bäume im sogenannten inneren Hof des Goethe-Gymnasiums zu fällen. Diskutiert wurde damals nicht lange, ging es doch in erster Linie um die große, 23 Millionen Euro teure Sanierung des Schulgebäudes. Und was sind verglichen damit schon sechs oder sieben Bäume? Womit niemand gerechnet hatte: Schon zwei Jahre später setzte eine verschärfte Debatte über den Klimawandel ein – und dabei führten vor allem Jugendliche das Wort. Umstände, die die Bäume im Pausenhof des Goethe vermutlich gerettet haben.

Die Verwaltung rudert zurück

Inzwischen ist der Druck, der von der global geführten Debatte ausgeht, so groß, dass sich dem auch die lokale Politik nicht mehr entziehen kann. Im Fall der Pausenhofbäume heißt das: Nicht nur die Stadträte von SPD, Grünen, Lubu und Ökolinx wollen den fast drei Jahre alten Beschluss revidieren, jetzt rudert auch die Verwaltung zurück. Nun sollen höchstens noch zwei Bäume gefällt werden, weil sie nicht mehr standsicher sind, sagt der Baubürgermeister Michael Ilk. Die übrigen werden allenfalls etwas beschnitten. Der alte Beschluss habe „keine Umsetzungsreife“. Sprich: Er kann gekippt werden.

Obwohl es um ein Konzept für eine Grünanlage ging, die ein Landschaftsgärtner entwickelt hatte: 2016 sollten bis auf einen alle Bäume im Hof der Neugestaltung geopfert werden. „Ich habe schon damals davor gewarnt, aber es hat niemand zugehört“, sagt der Schulleiter Wolfgang Medinger. „Für das Goethe-Gymnasium ist der Schulhof ein besonderer Ort. Die Schüler halten sich gern dort auf, um Softball oder Tischtennis zu spielen.“ Im Sommer bieten die Bäume nicht nur Schatten, sondern – was inzwischen noch sehr viel wichtiger erscheint – sie verbessern die Kohlendioxidbilanz rund um das Gymnasium ganz erheblich.

Sanierung bald abgeschlossen

Es sei schon schlimm genug gewesen, dass das Gelände wegen der Sanierungsarbeiten seit bald vier Jahren immer mal wieder mit Baugeräten vollgestellt oder durch Zäune abgeriegelt gewesen sei. Außerdem stehen nebenan Container, in denen zurzeit vor allem Schüler des zu klein gewordenen Schiller-Gymnasiums unterrichtet werden. Während die Interimsklassenzimmer sicher noch einige Jahre benötigt werden, können die Utensilien der Renovierer bald weggeräumt werden – die Arbeiten enden im Sommer. Damit wäre nun die Zeit für die ursprünglich geplante Neugestaltung der Grünfläche, inklusive Baumfällung, gekommen.

Basketballspiel im Baumschatten

Direktor Medinger ist zuversichtlich. Er glaubt nicht, dass die Bäume noch abgesägt werden. „Bevor etwas an diesen Außenanlagen gemacht wird, werden die Pläne auf jeden Fall noch einmal dem Gemeinderat vorgelegt“, sagt Ilk. Und dort sei das Stimmungsbild ziemlich klar: Niemand wolle noch Bäume fällen. „Somit werden im nächsten Schuljahr wieder sehr viel mehr Schüler ihre Pause im inneren Hof verbringen und nicht auf der Seestraße“, sagt Medinger. Dort sei es sehr viel gemütlicher und die Gefahr, dass sie beim Basketballspiel mit Radlern und Fußgängern kollidieren, ausgeschlossen.

Dass die Schüler ihren Pausenhof bald wieder in Besitz nehmen dürfen, ist vor allem ihrer eigenen Initiative zu verdanken. Sie hatten noch rechtzeitig Unterschriften gegen die Baumfällung gesammelt und Stadträte und Verwaltung zu einem Ortstermin geladen: „Das war ein eindrucksvoller Termin“, erinnert sich Ilk.

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