Ist das Wörtchen „Glen“ typisch für schottischen Whisky? Auch nach einem Urteil aus Luxemburg muss diese Frage noch geklärt werden. Foto: dpa

Sogar aus New York kommen Anrufe: Die Waldhornbrennerei in Berglen ist derzeit weltweit in den Schlagzeilen. Und das nur wegen vier Buchstaben im Namen eines Whiskys, die einer mächtigen Lobbyorganisation missfallen.

Berglen - Die New York Times hat gestern angerufen“, erzählt Jürgen Klotz. Die kleine Waldhornbrennerei in den Berglen, die er zusammen mit seinem Bruder Michael und seiner Mutter Gerlinde betreibt, schafft es gerade in die Schlagzeilen der weltweiten Presse. Seit fünf Jahren liegt sie mit der Lobbyorganisation Scotch Whisky Association (SWA) im Clinch. Der Stein des Anstoßes ist der Name, den die Brennerei für ihren Single Malt Whisky ausgewählt hat – „Glen Buchenbach“, eine Anspielung auf die Berglen.

Auf dem Etikett ist diese verbunden mit der Bezeichnung „Swabian Whisky“ und der Bemerkung „Hergestellt in den Berglen“. Die SWA argumentiert, die Familie Klotz verstoße gegen das Welthandelsrecht. Denn die geografische Angabe Scotch Whisky ist geschützt – und mit ihr sei es auch das gälische Wort Glen, das so viel wie Tal oder Schlucht bedeutet, meint die SWA. Durch das Wörtchen würde der Eindruck erweckt, der Kunde halte einen echten schottischen Whisky in der Hand.

Der Schwabe ist siegessicher – aber er braucht einen langen Atem

Der Rechtsstreit ist nun in eine neue Runde gegangen. Am Donnerstag hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) ein Urteil gesprochen – ohne den Streit freilich endgültig zu entscheiden. Das Urteil ist eher als eine Art Wegweiser für das Landgericht Hamburg zu verstehen, das die Sache ursprünglich verhandelt hat.

Der EuGH kam zum Schluss: Der Name Glen Buchenbach könne zwar durchaus geeignet sein, einen Kunden zu täuschen. Nur ob der durchschnittliche Verbraucher beim Wort Glen sofort an schottischen Whisky denken müsse, solle nun in Hamburg geklärt werden. Es genüge nicht, dass die strittige Bezeichnung eine irgendwie geartete Assoziation mit der geschützten Angabe oder dem dazugehörigen Gebiet wecken könne.

Jürgen Klotz ist nach dem Urteil aus Luxemburg zuversichtlich. Dass der Prozess jetzt rasch zu Ende geht, glaubt er aber nicht: „Wenn wir in Hamburg gewinnen, wird die SWA weiterziehen zum Oberlandesgericht, von dort aus dann weiter, bis wir uns dann vor dem EuGH wiedersehen.“ Gegen den Namen des kanadischen Whiskys Glen Breton habe die Lobbyorganisation ebenfalls geklagt und verloren – „aber erst nach neun Jahren“, sagt Klotz.

Warum der Rechtsstreit der Brennerei bislang eher genutzt hat:

Neben der New York Times, lokalen und regionalen Zeitungen und der Whisky-Fachpresse haben unter anderem der Südwestrundfunk, die „Zeit“, die „Welt“, die „Wirtschaftswoche“, das „Handelsblatt“, „Focus Online“ und der britische „Telegraph“ über den Rechtsstreit berichtet. Im Internet erzielt eine Google-Suche nach dem Whiskynamen mehr als 8000 Ergebnisse – schwer vorstellbar, dass die kleine Familienbrennerei aus dem Rems-Murr-Kreis ohne den Prozess so viel Beachtung bekommen hätte. Ganz wohl ist Jürgen Klotz aber nicht dabei: „Ich hätte lieber auf den Rechtsstreit verzichtet und dafür weniger Aufmerksamkeit bekommen“, sagt er.

Das große Interesse an dem Fall hat wohl mehrere Gründe. Einerseits ist es das David-gegen-Goliath-Prinzip: Auf der einen Seite eine mächtige Organisation mit einem Millionen-Budget, auf der anderen ein Familienbetrieb, der von der Seniorchefin als Rentenbeschäftigung und von den beiden Brüdern als Nebenerwerb geführt wird. Andererseits handelt es sich um einen Präzedenzfall: Die SWA hat mehrere Prozesse gegen Destillerien in Deutschland und Europa angestrengt, die Produkte mit dem Namenszusatz Glen herstellen. „Gewinnen oder verlieren wir, dann tun es die anderen auch“, sagt Klotz.

Im Endeffekt hat der Prozess der kleinen Brennerei wohl genutzt. „Wir sind bekannter geworden, unsere Bestellungen haben stark zugenommen“, sagt Klotz. Vom Glen Buchenbach habe er noch einiges auf Lager. Die Preise des goldenen Tropfens wolle die Brennerei trotz des Medienrummels nicht anheben, verspricht Jürgen Klotz: „Unsere Kunden müssen doch keinen Nachteil haben, weil die Schotten sich mit uns zoffen“, sagt er.

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