An so manchem Bahnhof ist der Einstieg in die S-Bahn nicht nur mit Fahrrädern schwierig. Foto: Roberto Bulgrin

Die Bahnsteigkanten werden um 20 Zentimeter erhöht, um den Fahrgästen einen stufenfreien Ein- und Ausstieg zu erleichtern. Wegen der Bauarbeiten kommt es bis Ende Juli zu Einschränkungen auf der Linie S 1.

Nach vielen Jahren der Planung und Vorbereitung geht es in diesen Tagen endlich los: Die Deutsche Bahn baut die S-Bahn-Station in Esslingen-Mettingen barrierefrei aus. Insgesamt investieren das Land Baden-Württemberg, der Verband Region Stuttgart (VRS) und die Bahn gut 4,7 Millionen Euro in den Umbau der Bahnsteige 3 und 4, damit die Fahrgäste künftig niveaugleich in die Fahrzeuge der Linie S 1 einsteigen können. Gleichzeitig wird ein taktiles Leitsystem für Menschen mit Sehbehinderung installiert.

 

Zum offiziellen Spatenstich ist Alexander Lahl, der Regionaldirektor des VRS, mit der S-Bahn nach Mettingen gekommen. Für den großgewachsenen Mann sind die 20 Zentimeter Höhendifferenz zwischen Bahnsteigkante und Fahrzeugtür kein Problem – aber ein großes Ärgernis. „Für Menschen mit Handicap, mit Kinderwagen, Rollatoren, Gepäck und Fahrrädern ist der Unterschied nicht gerade banal.“ Der Ausbau sei enorm wichtig, um im wahrsten Sinne des Wortes „niemanden zurückzulassen“. Diese Maßnahme, fügt er hinzu, sei „ein wichtiger Schritt hin zu inklusiver Mobilität“.

Symbolischer Spatenstich in Mettingen mit Vertretern der Bahn, des Landes, der Stadt Esslingen, der Politik und der Baufirma. Foto: Elke Hauptmann

Es wird sich einiges verändern an der Mettinger S-Bahn-Station, erläutert Michael Groh, der Leiter des Regionalbereichs Südwest Personenbahnhöfe der DB InfraGo. Die beiden bislang 76 Zentimeter hohen Bahnsteige werden auf die zu den S-Bahnen passende Bahnsteighöhe von 96 Zentimetern erhöht, die Treppenzugänge sowie die Aufzüge entsprechend angepasst. „Das klingt in der Theorie so einfach, ist in der Praxis aber kompliziert“, räumt Groh ein.

Im Zuge des Bahnsteigneubaus in Mettingen wird auch das Tragwerk des Bahnsteigdachs verändert und für eine verbesserte Abdichtung mit einer neuen Dachhaut versehen. Zudem installiert die Bahn neue Beleuchtungsanlagen, einen Wetterschutz sowie neue Fahrgastinformationssysteme. Das bestehende Wegeleitsystem wird überarbeitet, um den Reisenden eine einheitliche Orientierung zu ermöglichen. Groh ist überzeugt: „Wir schaffen hier eine zukunftsfähige Infrastruktur, die Komfort, Zugänglichkeit und Service für alle Fahrgäste vereint.“

Zu jenen, die zum Start der Bauarbeiten symbolisch einen Spaten in den eigens aufgehäuften Erdhügel stechen, gehört auch Esslingens Baubürgermeister Hans-Georg Sigel. „Heute ist ein Tag, an dem wir gemeinsam zeigen, dass wir eine Stadt und Region sind, die niemanden ausschließt“, hebt er hervor. Er freue sich, dass Mettingen bald einen barrierefreien Bahnsteig haben werde, „der nicht nur den Zugang erleichtert, sondern auch die Lebensqualität für viele Menschen spürbar verbessert“.

Barrierefreiheit an weiteren 30 Stationen schaffen

Für die Bahn gibt es laut Groh indes noch viel zu tun. Zwar seien inzwischen alle Bahnsteige der S-Bahn Stuttgart für die Fahrgäste stufenfrei erreichbar, doch nicht überall würden die Reisenden auch barrierefrei in die Züge gelangen. Das sei derzeit nur an 53 Stationen möglich, „an den verbleibenden 30 Stationen besteht noch Handlungsbedarf“. Unter anderem in Esslingen, Zell und Altbach.

Vor allem für mobilitätseingeschränkte Menschen stellen die 20 Zentimeter Höhenunterschied ein Problem dar. Foto: Elke Hauptmann

„Aktuell läuft die zweite Halbzeit für einen vollständigen barrierefreien Ausbau“, informiert Groh. In diesem Jahr werden nach Angaben der Bahn die Bahnsteige in Mettingen und Stetten-Beinstein umgerüstet, zu 18 weiteren Stationen bestehen entsprechende Planungsvereinbarungen. Bis zum Jahr 2033 soll das Ausbauprogramm abgeschlossen sein.

Die Arbeiten in Mettingen werden voraussichtlich bis Ende Juli andauern, sagt Jürgen Werner von der Baufirma Reif. In den Gleissperrzeiten wird rund um die Uhr gearbeitet, um den engen Zeitplan zu schaffen. Für die Fahrgäste sind damit erhebliche Einschränkungen verbunden.

Drei Bauphasen: Fahrgäste müssen sich auf Behinderungen einstellen

In der ersten Bauphase von Freitag, 11. April, 21 Uhr, bis Montag, 21. April, 21 Uhr, bündelt die DB die Umbauarbeiten mit notwendigen Weichen- und Gleiserneuerungen auf der Strecke zwischen Esslingen und Stuttgart-Obertürkheim, weshalb die S-Bahn-Gleise in beiden Richtungen gesperrt sind.

Die Züge der S-Bahn-Linie S 1 fahren nur im Halbstundentakt und werden zwischen Bad Cannstatt und Esslingen über die Ferngleise umgeleitet. Dadurch entfallen die Halte in Mettingen, Obertürkheim, Untertürkheim und Neckarpark. Zwischen Bad Cannstatt und Esslingen wird ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Daran anschließend halten von Montag, 21. April, bis 3. Mai die S-Bahnen der Linie S 1 in Richtung Plochingen und Kirchheim/Teck nicht in Mettingen. In der letzten Bauphase vom 3. Mai bis zum 26. Juli können die Züge der S 1 zwischen Obertürkheim und Esslingen in beiden Richtungen auf einem Gleis fahren, allerdings nur im Halbstundentakt.

S-Bahn in Zahlen

Einsatzgebiet
Alles begann 1978 mit drei S-Bahnlinien von Stuttgart nach Plochingen, Ludwigsburg und Weil der Stadt. Inzwischen fahren acht Linien durch die Region Stuttgart.

Streckennetz
Auf dem 215 Kilometer langen Streckennetz gibt es von Montag bis Freitag täglich 958 Zugfahrten. Zur Fahrzeugflotte gehören 163 Fahrzeuge.

Fahrgäste
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 104,1 Millionen Fahrgäste befördert. Die S-Bahn bringt werktäglich rund 353 000 Menschen an ihr jeweiliges Ziel.