Diesen Sommer müssen Gleisarbeiten an der Schönbuchbahn durchgeführt werden. Foto: Stefanie schlecht

Wegen Bauarbeiten werden Landwirtschaftswege zwischen Holzgerlingen und Weil im Schönbuch gesperrt. Mitten in der Erntezeit.

Entlang der Schönbuchbahnstrecke zwischen Holzgerlingen und Weil im Schönbuch werden ab Montag, 11. August, Gleise ersetzt. Dafür müssen die angrenzenden Landwirtschaftswege gesperrt werden. Das hat nachvollziehbare Gründe – ist aber ein echtes Problem für Landwirte.

 

Für Martin Schmid aus Holzgerlingen zum Beispiel. Die Sperrung fällt mitten in seine Erntezeit.

Zu breit für die Straße

Mit seinen großen Erntemaschinen ist Martin Schmid auf die Landwirtschaftswege angewiesen, die teilweise der einzige Weg sind, um an seine Ackerflächen zu kommen. Einige Grundstücke könne er erreichen, wenn er über die B464 in Richtung Schaichhof fahre, erklärt Schmid. Doch nur mit Mehraufwand: Um auf der Bundesstraße fahren zu können, muss der Landwirt das Schneidwerk am Mähdrescher abhängen, da es viel zu breit ist für den Straßenverkehr.

Arbeit, die nicht nur aufwendig, sondern auch zeitintensiv ist. Auf diesem Wege könne er zwar ein paar Flächen abernten, bei weitem aber nicht alle. „Um meine Felder abernten zu können, müsste ich die angebrachten Absperrungen auf den Wegen abbauen“, sagt der Landwirt Martin Schmid.

Die Sperrung der Wege sei notwendig, um auf einem Abschnitt von rund 200 Metern die alten Gleise zu entfernen und durch neue zu ersetzen, erklärt der Geschäftsführer der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft, Jan Schillinger. Auf einer zwei Kilometer langen Strecke werde außerdem eine sogenannte Gleisdurcharbeitung vorgenommen.

Die Feldwege sind für Baulogistik nötig

Dabei werde das Gleis angehoben, der darunter liegende Schotter aufgemischt und wieder entsprechend hergerichtet. Das Gleis werde anschließend wieder an der korrekten Stelle auf den Schotter aufgelegt, erklärt Schillinger. Die Bauarbeiten würden zwei Wochen dauern. Die nahe liegenden Feldwege würden für die Baulogistik benötigt.

Zuwarten bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind, kann der Landwirt Martin Schmid mit seiner Ernte nicht. Diese sei schon längst überfällig, sagt er. Wenn es die letzten beiden Wochen nicht so heftig geregnet hätte, wäre die Ernte bereits erledigt. Doch bei Regenwetter konnten die Landwirte nicht aufs Feld. Nun sei das Getreide bereits überreif und müsse vom Feld, erklärt Schmid.

„Wäre es nicht möglich, die Baustelle um eine Woche zu verschieben?“, fragt der Landwirt. Jan Schillinger von der WEG entgegnet, dass die Baumaßnahme von der beauftragten Baufirma ordnungsgemäß beim Ordnungsamt angemeldet worden sei. Weder von Seiten des Zweckverbands Schönbuchbahn, noch von der Gemeinde habe es Bedenken wegen den Wegsperrungen zu dieser Zeit gegeben, sagt der Geschäftsführer.

Die Bauarbeiten können nicht mehr verschoben werden

Eine Verschiebung um eine Woche sei derweil nicht möglich: Die von ihnen beauftragte Baufirma sei vor und nach der Baumaßnahme ebenfalls schon anderweitig eingeplant. Wenn, dann müssten die Bauarbeiten um Jahre verschoben werden. „Dies hätte aber zur Folge, dass wir die Baufirma für dieses Jahr dennoch für den entgangenen Gewinn entschädigen müssten und in den Folgejahren dann inflationsbedingt sicherlich einen höheren Preis, als heute zur Umsetzung zahlen müssten“, sagt der Geschäftsführer.

Außerdem würden auch die Kosten für den Schienenersatzverkehr zweimal anfallen, da die Dienstpläne bereits feststehen würden. Dadurch würden Mehrkosten im hohen sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen Bereich entstehen, sagt der Geschäftsführer.