Katrin Scheffer bekam während ihrer ersten Amtszeit als Kanzlerin der Uni Hohenheim zwei kleine Kinder. Vor kurzem wurde sie im Amt bestätigt. Foto: Lichtgut/Jens Volle

Die Kanzlerin der Universität Hohenheim, Katrin Scheffer, und die Gleichstellungsbeauftragte, Ute Mackenstedt, erklären, warum sich die Uni mehr um Frauen bemühen muss.

Hohenheim - Als Katrin Scheffer 2016 zum ersten Mal zur Kanzlerin der Universität Hohenheim gewählt wurde, war sie mit 38 Jahren die jüngste Kanzlerin Deutschlands. „Die Jugend erledigt sich von ganz allein“, sagt Scheffer und lacht: Den Titel trage mittlerweile eine Kollegin an einer anderen Universität. „Im Kreis der Kollegen gehöre ich zwar immer noch zu den Jüngeren, das wird auch wahrgenommen, aber nicht thematisiert.“ Scheffer ist jüngst wieder gewählt worden, ihre zweite Amtszeit beginnt 2022.

 

Das Arbeitsumfeld in Hohenheim beschreibt sie als positiv und flexibel, die Uni sei ein guter Arbeitgeber und zu Recht zum sechsten Mal als „familiengerechte Hochschule“ auditiert worden. „Ich habe zwei kleine Kinder, die ich während meiner ersten Amtszeit bekommen habe“, erzählt Scheffer. Es sei kein Problem gewesen, die fünfmonatige Elternzeit gut zu planen und die beiden Kolleginnen, die die Vertretung übernahmen, einzuarbeiten. „Aus meiner Sicht war das sehr gut“, sagt Scheffer, und habe auch gezeigt, dass geteilte Führungspositionen funktionieren.

Die Diskussion um Baerbock zeigt den Unterschied

Allein die Frage nach den Kindern und wer sich denn um sie kümmere: „Gerade zeigt die Diskussion um die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sehr gut den Unterschied“, sagt Ute Mackenstedt, die Gleichstellungsbeauftragte der Uni Hohenheim. „Wäre Robert Habeck Kanzlerkandidat geworden, hätte niemand gefragt, wer sich um seine Kinder kümmert. Wo sind denn die Väter? Die gibt es doch auch.“ Frauen steckten dann eben oft zurück, was die Arbeitszeit angehe. So gut Mackenstedt auch Scheffers Elternzeitvertretung findet, mit den beiden Kolleginnen, die sich die Stelle in Teilzeit aufteilen: „Irgendwann bezahlen sie den Preis dafür.“ Stichwort Rente und Altersarmut – ein Zukunftsszenario für viele Frauen, die wegen der Kinder in Teilzeit arbeiten.

Frauenanteil gesunken, aber über Landesschnitt

Der Anteil der Professorinnen in Hohenheim ist im jüngsten Gleichstellungsbericht von 30 Prozent im Jahr 2019 auf jetzt 27 Prozent gesunken – damit liegt die Hochschule immer noch über dem Landes- und Bundesschnitt. Mackenstedt empfindet es trotzdem als Rückschritt. Dass sich Professorinnen an andere Universitäten berufen lassen, sei natürlich ein gutes Zeichen, „Universitäten leben ja auch vom Austausch“, sagt Ute Mackenstedt, aber sie hat noch eine andere Entwicklung ausgemacht: „Wir als Arbeitgeber müssen uns jetzt anstrengen, Frauen zu gewinnen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte, und die Kanzlerin stimmt ihr voll zu. Wenn man Professorinnen für Hohenheim gewinnen wolle, müsse man sich gegen andere Unis durchsetzen. „Die Frauen wissen um ihren Wert“, sagt Katrin Scheffer, weiche Faktoren wie Kinderbetreuung oder flexibles Arbeiten würden immer wichtiger. „Die Frauen verhandeln in den Gesprächen sehr gut, um gute Konditionen für sich zu gewinnen.“ Was natürlich eigentlich eine erfreuliche Entwicklung sei – dass sich Frauen unter Wert verkaufen, sei sonst keine Seltenheit.

Der Frauenanteil in den Gremien soll steigen

„Frauen gehören überall hin, wo Entscheidungen getroffen werden“, sagte die US-amerikanische Juristin, Frauenrechtlerin und Richterin am Obersten Gerichtshof der USA, Ruth Bader Ginsburg. In diesem Sinne soll der Frauenanteil in den Gremien der Uni Hohenheim steigen. Während im Rektorat die Parität erreicht sei – „da müssen wir eher Männer ermutigen, sich zu bewerben“, sagt Mackenstedt und lacht –, seien im Senat etwa die Frauen deutlich unterrepräsentiert – elf von 38 Mitgliedern sind Frauen. „Da müssen wir Maßnahmen entwickeln, um dem entgegenzuwirken.“ Auch auf Fakultätsebene gebe es aktuell keine Dekanin. „Da ist noch Luft nach oben.“

Was die Gleichstellungsbeauftragte besonders freut, ist die Tatsache, dass viele Absolvierende aus dem Ausland nach Hohenheim kommen, um hier zu promovieren. In allen Fakultäten seien das über 50 Prozent Frauen. „Da sind wir sehr attraktiv, und das ist toll“, sagt Mackenstedt, ebenso liegt der Frauenanteil bei Neuimmatrikulationen, Studierenden und Absolvierenden kontinuierlich bei über 50 Prozent. Mackenstedt betont aber auch: Nur mit Parität sei Gleichberechtigung nicht zu erreichen. „Strukturelle Schwierigkeiten, gesellschaftliche Grenzen, die gibt es immer noch“, betont auch Katrin Scheffer. „Noch sind es die Frauen, die dann oft zurückstecken. Es braucht Geduld – aber oft auch den härteren Hebel.“ Dem stimmt Ute Mackenstedt zu: „Die Frauen müssen sich verdammt noch mal auch trauen, sie müssen es auch einfach machen.“ Dem würde Ruth Bader Ginsburg sicher zustimmen.