Der Sternenhimmel, wie er sich im Winter über die Schwäbische Alb spannt, bleibt dem Städter verborgen Foto: Till Credner/Till Credner

Der Nachthimmel über der Schwäbischen Alb ist schützenswert. Eine Initiative setzt sich dafür ein, dass das Biosphärengebiet zum Dark Sky Reservat wird.

Esslingen/Stuttgart - Ganz zu Beginn hat noch alles seine Ordnung gehabt, seine biblische Ordnung: „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht! Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.“ So lehrt es die Schöpfungsgeschichte. Inzwischen sitzt der Mensch am Lichtschalter, und die Sache ist ziemlich aus dem Ruder gelaufen. Lichtverschmutzung, so heißt die dunkle Seite des Lichts.

Seit die Menschheit, von ihren eigenen Möglichkeiten geblendet, die Nacht zum Tage gemacht hat, ist natürliche Dunkelheit zu einem raren Gut geworden. Zu einem schützenswerten Gut, sagt Matthias Engel. Der Stuttgarter Hobby-Astronom kämpft dafür, wenigstens eines der letzten schwarzen Löcher im Land zu erhalten. Vor neun Jahren hat Engel mit einer Reihe von Mitstreitern die Initiative Sternenpark Schwäbische Alb gegründet. Deren Ziel ist es, das Biosphärengebiet nach dem Vorbild des Nationalparks Eifel oder des Brandenburger Naturparks Westhavelland zu einer Dark Sky Reserve zu machen.

„Herausragender und besonderer Sternenhimmel“

„Das Gebiet rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz bei Münsingen, aber auch das Große Lautertal würde den Dark-Sky-Kriterien auf jeden Fall entsprechen“, sagt Matthias Engel. Dort gebe es noch einen von künstlichen Lichtquellen im wahrsten Wortsinn unbehelligten Nachthimmel. „Die Idee, den natürlichen Nachthimmel zu schätzen, verträgt sich besonders gut mit den nachhaltigen Zielen, wie sie für das Biosphärengebiet formuliert worden sind“, sagt Engel.

Ein Dark Sky Reservat zeichnet sich durch einen „herausragenden oder besonderen Sternenhimmel und einer nächtlichen Umwelt, die speziell aus wissenschaftlichen, ökologischen, bildenden, kulturellen Gründen, als Kulturerbe oder zu Erholungszwecken in großem Umfeld geschützt ist“ aus. Das Prädikat wird von der weltumspannenden International Dark Sky Association (IDA) vergeben. Ein idealtypisches schwarzes Himmelszelt spannt sich beispielsweise über den französischen Nationalpark in den Cevennen, über die Kalahari-Wüste in Botswana und über Central Idaho (USA).

Die Erleuchtung lässt noch auf sich warten

Mit seinem Anliegen ist Engel zwar im Biosphärengebiet Schwäbische Alb auf offene Ohren gestoßen, die große Erleuchtung allerdings lässt noch auf sich warten. Dabei, so Engel, ließe sich die Dunkelheit auch gut touristisch vermarkten – in Form von Nachtwanderungen und astronomischen Führungen. In welche Richtung das weisen könnte, macht der Verein mit dem Sternguckerplatz bei Römerstein-Zainingen vor. Neben großzügigen Beobachtungsliegen aus Holz erklären dort Informationstafeln den Nachthimmel und weisen auf das Sternenpark-Projekt hin.

Matthias Engel und seine Mitstreiter sind alles andere als weltfremde Sternengucker. Für ihren Ansatz, das allgegenwärtige Licht etwas herunter zu dimmen, gibt es eine Reihe von ganz handfesten Gründen. Ganz nach vorn gerückt ist das Insektensterben. Knapp 100 Milliarden Insekten sterben der Schätzung von Fachleuten zufolge jedes Jahr an zu hellen Straßenlaternen und Leuchtreklamen. Auch die negativen Auswirkungen, die das mittlerweile beinahe ewige Licht auf den menschlichen Schlafrhythmus hat, sind unbestritten. Und, das schwäbischste aller Argumente: Wenn sich der „Weniger-ist-mehr-Gedanke“ sowohl im öffentlichen Raum als auch im häuslichen Umfeld durchsetzen würde, dann würde eine Energiediät auch den Geldbeutel schonen.

Das Bemühen um weniger Lichtverschmutzung beginnt im häuslichen Umfeld

Damit möglichst vielen Zeitgenossen ein Licht aufgeht, braucht es laut Engel nur ein wenig des Nachdenkens. „Das fängt damit an, dass ich nicht einfach das Sonderangebot aus dem Baumarkt mitnehme, sondern mir überlege, ob ich die Leuchte überhaupt benötige“, sagt er. Im nächsten Schritt gelte es zu überlegen, wie das Licht zielgerichtet gelenkt werden könne. Eine Kugelleuchte, die nach allen Seiten abstrahle, sei die schlechteste aller Lösungen. Strahlt dagegen die Lampe ein warmweißes Licht und nicht das kalte Blaulicht ab, und sorgt ein Zeitschalter dafür, dass die Leuchte nur bei Bedarf brennt, ist schon viel erreicht.

Verantwortungsvoller Umgang mit künstlichem Licht

Zuletzt ist die Stadt Filderstadt im Kreis Esslingen auf den Zug aufgesprungen. In dem vom Umweltschutzreferat der Stadt herausgegebenen Jahresheft 2020 zum Natur- und Umweltschutz dreht sich alles um das Thema Licht – und den langen Schatten, den es wirft. Kleine Fortschritte wie diese halten den Hoffnungsfunken der Sternenpark-Vorkämpfer am Glimmen, auch wenn der Griff zu den Sternen, die Erhebung der Schwäbischen Alb in ein Dark Sky Reservat, neun Jahre nach der Vereinsgründung immer noch in weiter Ferne liegt. Andererseits sind neun Jahre, gemessen an den astronomischen Zeitenläufen, kaum mehr als der Bruchteil eines Wimpernschlags.

Nicht Helligkeit an sich ist ein Zeichen für Fortschritt, sondern der verantwortungsvolle Umgang mit dem künstlichen Licht. Wie der aussehen kann, hat die Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternenfreunde (VdS) im Internet unter http://lichtverschmutzung.de aufgelistet. Das Projekt Sternenpark setzt sich dafür ein, den natürlichen Nachthimmel über der Schwäbischen Alb zu schützen. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.sternenpark-schwaebische-alb.de.