Markus Pflugfelder zeigt der Koordinatorin der Gläsernen Produktion beim Landratsamt, Leona Irion, und Bruno Lemp(von links) die neue Phytobac-Anlage. Am Tag der offenen Tür am Sonntag können sich die Besucher noch über vieles mehr informieren. Foto: factum/Bach

Der Ihinger Hof bei Renningen, eine Versuchsstation der Universität Hohenheim, gewährt am Sonntag einen seltenen Blick hinter die Kulissen.

Renningen - Was passiert auf den rund 250 Hektar rings um den Ihinger Hof bei Renningen (Kreis Böblingen), einer Versuchsstation der Universität Hohenheim? Welche Pflanzen werden dort angebaut, welchen Forschungen gehen die Wissenschaftler in den Labors nach? Darüber können sich Besucher der Station am Sonntag, 10. Juni, kundig machen. Bei der Aktion „Gläserne Produktion“ vom Landwirtschaftsamt des Landratsamtes Böblingen öffnen regelmäßig Landwirtschaftsunternehmen in der Region ihre Pforten und lassen die Bürger einen Blick über ihre Schulter werfen.

Anlass für den Betriebsleiter des Ihinger Hofs, Markus Pflugfelder, nach 2014 diesmal wieder an der Aktion teilzunehmen, ist das 200-jährige Bestehen der Universität Hohenheim. Die nämlich wurde 1818 vom König Wilhelm von Württemberg und Königin Katharina als „Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt Hohenheim“ gegründet – als Reaktion auf das „Jahr ohne Sommer“ 1815. Damals hatte ein Vulkanausbruch für Missernten und Hungersnöte gesorgt.

Superfood ist ein großes Thema

Passend zu der Idee hinter der Gründung lautet das Motto am Sonntag auch „Vom Ernährungsnotstand zum Superfood“. Darauf nämlich liegt ein Schwerpunkt der Forschungsarbeit. Wer den Begriff vorher noch nicht gehört hat, könnte dabei vielleicht an Gentechnik denken. Als Superfood aber werden Nahrungsmittel bezeichnet, denen man einen besonderen gesundheitlichen Vorteil nachsagt. Am Ihinger Hof werden zum Beispiel Yakon, Quinoa und Amaranth angebaut, aber auch alte Getreidesorten wie Einkorn und Emmer. „Die Erstgenannten sind hier nicht unbedingt heimisch, aber der Verbraucher hat sie für sich entdeckt. Wir untersuchen deshalb: Wie kann man diese Pflanzen möglicherweise hier gut anbauen, welche Bedingungen müssen dafür herrschen?“, erklärt Markus Pflugfelder.

Gentechnik wird am Ihinger Hof nicht betrieben, sagt Pflugfelder. „In den Neunzigern hatten wir mal genveränderten Mais hier stehen.“ Das Ergebnis waren erhebliche Proteste in der Bürgerschaft, besetzte Felder und zerstörte Versuchsflächen. „Das war der einzige Versuch, den wir mit genveränderten Pflanzen hatten.“ Diese Entwicklung betrachtet Pflugfelder durchaus kritisch. Denn Gentechnik werde weltweit betrieben, durch den Stopp der Forschung in Deutschland „fehlt uns das nötige Know-how darüber“, sobald dieses einmal benötigt werde.

Alternative zum Maisanbau

Ein weiteres großes Thema sind nachwachsende Rohstoffe. So werden auf den Feldern des Ihinger Hofs zum Beispiel Miscanthus-Pflanzen (China-Schilf) untersucht. Diese könnten als Alternative zum Mais für Biogasanlagen verwendet werden oder als Brennstoff für die thermische Verwertung, sprich: zum Verheizen. Selbst in der Verpackungs- oder Autoindustrie werden inzwischen nachwachsende Rohstoffe verarbeitet. „Es gibt zum Beispiel Joghurtbecher aus Maisstärke“, erklärt Bruno Lemp, stellvertretender Amtsleiter des Landwirtschaftsamtes im Kreis Böblingen.

Bei der Forschung und auch sonst bedient sich der Ihinger Hof der neuesten Technik. Beispielsweise kommen auf den Äckern Drohnen und Feldroboter im Kampf gegen Unkraut zum Einsatz. „Das Ziel ist es, dass auf den Feldern weniger Pflanzenschutzmittel benötigt werden“, so Pflugfelder. Neuerdings steht auf dem Hof außerdem eine sogenannte Phytobac-Anlage. Damit beim Reinigen von Pflanzenschutz-Spritzgeräten die Schadstoffreste nicht ins Grundwasser gelangen, erledigen die meisten Bauern das direkt auf dem Feld. Denn die Schadstoffe werden dort durch die Bakterien im Ackerboden vernichtet. Auf dem Ihinger Hof ist das nicht so einfach, schließlich muss auf den Versuchsfeldern die Menge an verwendeten Pflanzenschutzmitteln genau festgelegt sein. In der Phytobac-Anlage wird genau dieses Reinigungswasser gesammelt und „unschädlich“ gemacht. Wie das funktioniert, können die Besucher ebenfalls am Sonntag erfahren.

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