Girlsteam schafft es zum Roboter-Weltfinale nach St. Louis Die Käpsele vom Katzenstift

Von Inge Jacobs 

Die KKST-Girls aus dem Königin-Katharina-Stift bringen ihren Roboter namens Werner wieder auf Vordermann. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die KKST-Girls aus dem Königin-Katharina-Stift bringen ihren Roboter namens Werner wieder auf Vordermann. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Er heißt Werner, wiegt 10,5 Kilo und kann Trümmer wegräumen: Mit ihrem selbst konstruierten und programmierten Roboter haben 15-jährige Schülerinnen aus Stuttgart beim Wettbewerb in USA einen Achtungserfolg erzielt.

Stuttgart - Er heißt Werner, wiegt 10,5 Kilo, kann Trümmer wegräumen und sich selbst aufhängen: Mit ihrem selbst konstruierten und programmierten Roboter haben 15-jährige Schülerinnen aus Stuttgart beim Wettbewerb in den USA einen Achtungserfolg und unter 64 internationalen Teams Platz 32 erzielt – als einzige Teilnehmer aus Deutschland.

Jetzt steht die Wundermaschine allerdings etwas ramponiert im Werkraum des Königin-Katharinen-Stifts. Eine der beiden Raupenketten ist beim Rückflug vom Weltfinale im Roboterwettbewerb in St. Louis abgegangen. Auch beim Hinflug hatte der quadratische Roboter schon etwas gelitten, vor allem sein Fahrwerk. Die Folge: „In St. Louis haben wir viermal den Motor wechseln müssen, weil er abgebrannt ist“, berichtet der Physiklehrer Werner Fick, der die Roboter-AG am Katzenstift leitet und die „KKST-Girls“, wie sich die Gruppe nennt, schon bei mehreren Wettbewerben begleitet hat.

Aber im Improvisieren sind Patricia Böhmerle, Elisabeth Brott, Kira Fischer, Janine Siegle und ihr erst nach der Namensgebung KKST-Girls dazugestoßene Mitschüler Robert Graf inzwischen (ungekürte) Weltmeister. „Wir haben gelernt, den Roboter so zu bauen, dass man alle Teile austauschen kann“, berichtet Kira. Und bis sie ihren Werner so optimiert hatten, wie er jetzt ist, mussten sie ihn einige Male umbauen. Aber was heißt da schon müssen. Erstens tüfteln sie gern, zweitens hatte die Girls der Ehrgeiz gepackt. Angefangen hat das schon bei ihrer Teilnahme an der Lego- und der Technik-AG. Janine erklärt, was den Reiz ausmacht: „Dass man Ideen sammeln und wirklich bauen kann – und dass man sehen kann, ob das funktioniert.“

In Eindhoven den Preis für die beste Programmierung abgeräumt

Und wie das funktioniert hat. Jüngst im Februar dieses Jahres in Paderborn, wo die Girls beim First Tech Challenge (FTC) auf Platz drei landeten, dann im März beim internationalen Wettbewerb in Eindhoven in den Niederlanden: „Da haben wir den Control Award für die beste Programmierung gekriegt“, berichtet Elisabeth. Dass die Girls dort zudem auch in der Gesamtwertung unter 60 Teilnehmern Platz zwei abräumten, darauf sind sie stolz, denn das war zugleich ihr Ticket zum Weltfinale, weil die Niederländer als Erstplatzierte nicht hinwollten oder durften. Zuvor hatten die Stuttgarter Werner „komplett auseinandergebaut und komplett neu konstruiert“. Die Idee, den Roboter mit rotierenden Kabelbindern auszurüsten – nach dem Prinzip einer Kehrmaschine –, hat sich offenkundig ausgezahlt. Auch in St. Louis hat es sich bewährt, denn Werner sammelte nicht nur knapp 100 Bälle und Würfel, die die Trümmerteile simulieren sollten, brav ein und sortierte sie in Kisten, sondern er kam auch den Berg – eine Rampe – hoch und schaffte es, sich trotz seines Eigengewichts droben an einer Stange aufzuhängen. Einiges an Gewicht und filigraner Feinarbeit konnte das Team dadurch einsparen, dass es schwer zu fertigende Zwischenteile mit dem 3-D-Drucker hergestellt hatte – wie auch die grünen Frösche, die die KKST-Girls als Markenzeichen dabeihatten.

Aber es geht den Schülerinnen nicht nur um technische Tüftelei. Die gemeinsame Arbeit an dem Projekt habe sie auch zusammengeschweißt. „Manchmal sind wir bis zehn Uhr abends in der Schule gewesen – die Putzfrauen kennen uns schon“, sagt Patricia. „Man lernt auch, Verantwortung zu übernehmen und im Team zurechtzukommen“, ergänzt Elisabeth. Und: „Wir haben aus Amerika viel mitnehmen können – der Roboter ist nur ein Werkzeug. Man musste sich alles erarbeiten.“ Dass sie dazu ihre Überlegungen in einem Software Book nebst umfangreichem Engineering Notebook vorsichtshalber gleich auf Englisch dokumentiert hatten, erwähnen die Mädchen nur am Rande. Janine betont, der Wettbewerb sei „nichts für Leute, die im Keller sitzen und programmieren – man muss auch mit den Leuten reden, auf Englisch.“ Und natürlich hätten sich daraus auch Freundschaften ergeben.

Mit dem selbst gebauten Roboter auf Werbetour zu Sponsoren

Zuvor haben die Schülerinnen allerdings hierzulande erst einmal Sponsoren auftreiben müssen, um den Flug finanziert zu bekommen. Also haben sie Firmen angeschrieben. „Wir sind dann mit dem Roboter vorbeigekommen“, sagt Janine. Nebeneffekt des Projekts: „Man kriegt mit, wie echte Menschen arbeiten und wie das in der echten Welt funktioniert“, sagt Janine. Patricia ergänzt: „Man gewinnt Selbstvertrauen und setzt sich neue Ziele.“ Weiterer Nebeneffekt: Elisabeth erhält ein Praktikum bei einer Forschungseinrichtung, die sich mit Assistenzrobotik beschäftigt. Bei Janine hat sich der Studienwunsch Bioinformatik geformt. Und Kira will sich später in Richtung Informatik orientieren – „künstliche Intelligenz – das interessiert mich“. Und Werner? Den wollen die Girls bei „Jugend forscht“ vorstellen – „und anderen zeigen, wie man so etwas programmiert“. Und natürlich wollen sie auch beim nächsten FTC-Wettbewerb wieder am Start sein, wie Patricia versichert. „Jetzt warten wir auf die neuen Aufgaben.“

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