Nach der Einweisung dürfen Sarah Höß (links) und Anabel Fröhlich beim Girl's Day bei einem Porsche selbst Hand anlegen und Räder wechseln Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Seit dem Start 2001 haben etwa 1,5 Millionen Mädchen am Girls’ Day teilgenommen. Dennoch tun sich Betriebe nach wie vor schwer, junge Frauen für einen technischen Beruf zu gewinnen.

Stuttgart - Die Anweisungen von Jan Hellbach kommen klar und präzise. „Setzt erst die Nuss richtig auf“, sagt der KFZ-Mechaniker in der großen Werkstatt der Porsche-Niederlassung in Zuffenhausen. Sarah Höß nimmt den Schlagschrauber, dann löst sich die Radschraube vom 25 Kilogramm schweren Reifen des Porsche Cayenne und wird vom Radlift gehalten. „Cool, das macht echt Spaß“, sagt Sarah Höß.

Sie wird von Anabel Frölich unterstützt. Die beiden 14-Jährigen Schülerinnen fallen auf in der ansonsten frauenfreien Zone. Sie tragen graue Arbeitsjacken und graue Handschuhe. Seit 7.30 Uhr sind sie auf dem Gelände, haben schon einen Vortrag über die möglichen Ausbildungsberufe wie KFZ-Mechatroniker oder Fahrzeugraumausstatter hinter sich.

Das ist typisch für den Girls’ Day, bei dem Mädchen einen Einblick in die sogenannten Mint-Berufe bekommen können. Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Seit 13 Jahren stellt der Girls’ Day einen Versuch dar, die traditionellen Muster bei der Wahl der Ausbildung aufzubrechen.

Oft bleibt es nur beim Interesse

Insgesamt nutzen 139 Mädchen an diesem Tag an vier Standorten von Porsche die Chance, sich der Faszination Technik zu öffnen. „Mein Vater arbeitet auch hier, und ich wollte schauen, ob das auch was für mich sein könnte“, sagt Anabel Frölich, die das Theodor-Heuss-Gymnasium in Mühlacker im Enzkreis besucht.

Sarah Höß geht auf die freie evangelische Schule in Esslingen. „Mein Traum ist es eigentlich Polizistin zu werden, aber Autos und Technik interessieren mich auch“, sagt Sarah.

Leider bleibt es oft beim Interesse. „Wir würden gerne mehr Mädchen einstellen, weil uns generell Fachkräfte fehlen. Aber wir finden keine“, sagt Wolfang Ecker, Leiter After Sales. Dabei wären Räumlichkeiten wie Duschen und Umkleiden für Frauen vorhanden, und die Motoren- und Getriebeentwicklung hat heute sehr viel mit Computerarbeit zu tun.

In fünf Jahren stieg der Frauenanteil von fünf auf 23 Prozent

Im Werk 6 in Weissach führt Filiz Akkaya 40 Mädchen durch die Testanlagen. Sie selbst hat vor 15 Jahren am Mädchen-Zukunftstag teilgenommen und entwickelt heute Prüfmethoden für Fahrzeugantriebsstränge. In der Sattlerei können sie Schlüsselanhänger basteln.

„Ich möchte die Schülerinnen ermutigen, sich zu bewerben und loszulegen“, sagt Akkaya. Vor fünf Jahren lag der Frauenanteil bei Porsche in technischen Berufen bei fünf Prozent. Inzwischen sind es 23 Prozent. „In drei Jahren wollen wir die 30 Prozent“, sagt Thomas Eding, Vorstand für Personal-und Sozialwesen und stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Erfolg des Girls’ Day ist schwer messbar

Bei Daimler liegt der Frauenanteil in den gewerblich-technischen Berufen bei 13 bis 16 Prozent. „Ein Schwerpunkt unserer Förderung liegt darauf, auch Mädchen für technische Berufe zu begeistern. Dieser Tag soll zeigen, dass Technik vielfältig ist und Spaß macht“, sagt Personalvorstand Wilfried Porth. Bei Mercedes tüfteln am Donnerstag an zehn Standorten 600 Schülerinnen auf Probe. Neben Vorträgen und Besichtigungen finden auch Produktvorführungen statt.

Nicht so groß war die Nachfrage bei der Handwerkskammer. Von 25 Plätzen wurden nur 17 nachgefragt. „Dafür hat jede bekommen, was sie wollte“, sagt Volker Süssmuth.

Der Erfolg des Girls’ Day ist für ihn schwer messbar, weil die Kammer auch noch andere Aktionen startet, um Mädchen zu gewinnen. 2013 lag ihr Anteil an den Azubis bei 25,4 Prozent, ein Jahr später ist er auf 26,4 Prozent gestiegen. Insgesamt aber ist die Tendenz zu mehr Mädchen in Männerberufen ausgeprägter als umgekehrt. Männer in Frauenberufen werden noch eher belächelt.

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