Gips-Schüle-Stiftung Ausgezeichnete Forscher

Von Konstantin Schwarz 

Von der Gips-Schüle-Stiftung ausgezeichnet (von links): Professor  Renée Lampe,  Stefan Gärtner, Alexander Colsmann, Bernd Baumstümmler Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Von der Gips-Schüle-Stiftung ausgezeichnet (von links): Professor Renée Lampe, Stefan Gärtner, Alexander Colsmann, Bernd Baumstümmler Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Gips-Schüle-Stiftung hat am Dienstag zwei hoch dotierte Forschungspreise vergeben. In der Alten Reithalle feierten die Forschungsförderer ihren 50. Geburtstag.

Stuttgart - Die Wurzeln der Schüle-Stiftung liegen im Cannstatter Gips, die im November 1965 gegründete Stiftung setzt auf Grips. Der Fokus liegt dabei auf angewandter, fächerübergreifender Forschung und Lehre, beim Sonderforschungspreis auf sozialer Innovation. Weil die Stiftung ihre Fördertätigkeit über Immobilienerträge finanziert, schränkt die aktuelle Niedrigzinsphase ihre Arbeit nicht ein. „Die Erlöse sind ausreichend“, sagt Stiftungsvorstand Thomas Ducrée am Dienstag bei der Pressekonferenz in der Alten Reithalle. Die Stifterfamilie sei sparsam gewesen. Weitblick hatte sie offenbar auch.

Im Jubiläumsjahr hat die Stiftung ein Forschungsprojekt ausgezeichnet, das auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit setzt: 50.000 Euro erhalten das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die MJR Pharmjet GmbH für eine Entwicklung, mit der mit Hilfe von Nanopartikeln organische Solarzellen besonders umweltfreundlich hergestellt werden können.

Hauchdünne Stromerzeuger werden gedruckt

„Wir stehen vor der großen Herausforderung, die Energieversorgung der Menschheit sicherzustellen“, sagt Alexander Colsmann, der Gruppenleiter organische Fotovoltaik am KIT. Organische Halbleiter, aus denen sich Solarzellen herstellen lassen, werden üblicherweise in gesundheitsschädlichen Flüssigkeiten gelöst. Das KIT kann Halbleiter aus winzigsten Partikeln in unbedenklichen Flüssigkeiten wie Wasser oder Alkohol lösen und Solarzellen drucken. Das gelang in fünfjähriger Forschungsarbeit zusammen mit der MJR Pharmjet GmbH, die die Dispersion auf Kunststoffe aufträgt. Die Chemie habe von Anfang an gestimmt, sagt deren Geschäftsführer Bernd Baumstümmler. Mit der Entwicklung können hauchdünne Stromerzeuger gefertigt werden.

„Sie sind flexibel und leicht, jede Farbe ist möglich, wir können die Elemente in Fassaden und Fenster integrieren“, so Colsmann. Die Fotovoltaik werde damit auch in der Herstellung zu einer grünen Technologie, das Verfahren werde die Produktion organischer Solarzellen „revolutionieren“, sagt Professor Peter Frankenberg, der Aufsichtsratsmitglied und Jurysprecher der Gips-Schüle-Stiftung ist. Die Jury wählte aus 50 Einreichungen aus. „Das Feld war dicht, drei, vier preiswürdig“, lobt Frankenberg.

Musizieren als Therapieform hilft Kindern

Den Sonderforschungspreis für soziale Innovation erhält ein Projekt des Klinikums rechts der Isar der TU München, das Musizieren als Therapieforum einsetzt. „Kinder wollen Musik machen, egal, wie schwer die Behinderung ist. Ein Klavier muss man nicht halten“, erläutert Oberärztin Professor Renée Lampe den Ansatz. Beim sensomotorischen Klavier wurde eine Sensorik für Handschuhe und ein Manual entwickelt, das Notenlesen durch das Aufleuchten eines Lichts an der jeweiligen Taste ersetzt. Die Erfindung hilft Kindern, die seit ihrer Geburt mit einer Lähmung (Spastik) kämpfen. Die Motorik der Finger verbessert sich, Hirnareale werden besser vernetzt.

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