US-Präsident Donals Trump hält die soeben unterzeichnete Vereinbarung, neben ihm Kim Jong Un Foto: AP

Der amerikanische Präsident und Nordkoreas Machthaber unterzeichnen ein Gipfeldokument – Kims internationale Reputation wächst dadurch enorm

Singapur - US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un haben sich auf den Beginn einer Friedens- und Abrüstungsinitiative geeinigt. „Der Prozess beginnt jetzt sehr schnell“, sagte Trump am Dienstag in Singapur nach Unterzeichnung des Dokuments. „Da steckt sehr viel guter Willen von beiden Seiten drin.“ Die Übereinkunft werde zu weitreichenden Ergebnissen führen.

Kim hat sich darin zu einer kompletten atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel bereit erklärt. In dem Gipfeldokument erklärt er sein „festes und unerschütterliches Bekenntnis“ zu einer umfassenden atomaren Abrüstung. Im Gegenzug sichert Trump Sicherheitsgarantien zu.

Das Treffen Trumps mit Kim verlief durchweg harmonisch. „Wir haben einen sehr intensiven halben Tag miteinander verbracht“, sagte Trump. Gleich zu Anfang stand ein Foto-Termin mit freundlichem Lächeln, als der Präsident und der Diktator sich pünktlich um neun Uhr vor einer Reihe nordkoreanischer und amerikanischer Fahnen die Hand gegeben haben. Auch hier Harmonie: Beide Nationen haben die gleichen Landesfarben. Auf dem Bild leuchtet der gesamte Hintergrund blau, rot und weiß. In Singapur hielten sich derweil Gerüchte, dass dies gar nicht das erste Treffen der beiden Staatsführer gewesen sei – das würde zumindest die Existenz eines unterschriftsreifen Dokuments erklären.

Bilder in der „Arbeiterzeitung“

Schon am Tag zuvor hätten Kim und Trump demnach heimlich abgeklärt, was sie der Weltöffentlichkeit am Dienstag präsentieren wollen. Tatsächlich waren genug schwarze, gepanzerte Limousinen durch Singapur gerollt, um so ein Arrangement zumindest möglich erscheinen zu lassen. Das Fiasko um den G7-Gipfel in Kanada war in Singapur wieder komplett vergessen – im Vordergrund stand Trump, der Macher, das Unmögliche möglich macht. Kim, der mit 34 Jahren weniger als halb so alt ist wie der 71-jährige Trump, hat diesem bei der Ankunft am Konferenzort respektvoll den Vortritt gelassen, wie sich das in der koreanischen Kultur gehört. Seine Limousine fuhr genau sieben Minuten vor der des US-Präsidenten vor. Kim war entschlossen, dieses Treffen zum Erfolg zu machen. Nordkoreas Medien haben auf Anweisung Kims bereits am Dienstag umfangreich über die Reise ihres „geliebte, respektierten Führers“ berichtet – als wüsste dieser, dass ein erfolgreicher Abschluss bevorsteht.

Noch nie ist einer der Machthaber des Landes offiziell so weit gereist. Die „Arbeiterzeitung“ brachte auf der Titelseite eine lange Reihe von Farbbildern mit Kim beim Besuchsprogramm in der glitzernden Wirtschaftsmetropole Singapur mit Wolkenkratzern im Hintergrund. Es scheint fast, als ob Kims Atomprogramm nur das Mittel gewesen sei, um an diesem Punkt in seinem Leben zu kommen. In jedem Fall ist für Kim ist am Dienstag ein Traum in Erfüllung gegangen, den schon sein Vater hegte: auf der Weltbühne als mächtiger Herrscher ernst genommen zu werden. Er begegnet dem mächtigsten Mann der Welt auf Augenhöhe.

Respektsbezeugung für den Außenseiter

Tatsächlich erhöhen die Fotos von den lächelnden Staatsmännern Kims politische Statur enorm. Gerade das wollten Regierungschefs der westlichen Bündnispartner eigentlich vermeiden, indem sie Nordkorea ausgegrenzt haben. Doch Trump hat, wie schon öfter, durch sein eigenwilliges Verhalten eine lange verkrustete Situation aufgebrochen. Schon im Wahlkampf hatte er dahergesagt, er sei zu einem Treffen mit Kim bereit. Schon das hat Händeringen und Kopfschütteln bei US-Diplomaten ausgelöst. Doch nur dieses Treffen, nur diese Respektbezeugung für den Außenseiter Kim, hat den Vertrag möglich gemacht. Im weiteren Verlauf werden sich nun Unterhändler beider Seiten treffen, um die Übereinkunft der beiden Bosse mit Leben zu füllen. Bisher lief die Koordination zwischen den USA und Nordkorea als eine Art Geheimdiplomatie, unterbrochen von Überraschungsbesuchen von Sicherheitsberatern in den jeweiligen Hauptstädten. Ab jetzt können die Diplomaten mit dem Mandat ihrer Regierungschefs regulär verhandeln, um an Ende zu einem detaillierteren Dokument zu gelangen.

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