Ginger Baker (links) und Eric Clapton bei der Cream-Reunion 2005 in der Londoner Royal Albert Hall Foto: AP

Ginger Baker gründete die Superband Cream mit Gitarrengott Eric Clapton, erfand das Schlagzeug neu, verdiente und verlor Millionen. Berüchtigt ist er für sein aufbrausendes Temperament. Am Montag (19. August) feiert er seinen achtzigsten Geburtstag.

London - Ginger Baker gilt als einer der besten Schlagzeuger der Welt. Seine wilde Energie, seine innovativen, vertrackten Rhythmen mit afrikanischen und Jazz-Einflüssen haben ihn zu einer Legende gemacht. Geboren wurde der Rotschopf – daher der Spitzname „Ginger“ - als Peter Edward Baker in Südlondon. Sein Vater starb im Zweiten Weltkrieg, als der junge Ginger vier war. Baker trainierte als Teenager, um Profi-Radrennfahrer zu werden – erst ein Unfall brachte ihn zufällig zum Schlagzeug. Er war ein Naturtalent.

Der einflussreiche britische Jazz-Schlagzeuger Phil Seamen nahm ihn unter seine Fittiche: „Er war Gott“, sagte Baker der Zeitschrift „Forbes“ später. „Er hörte mich eines Nachts spielen und sagte danach: ‚Setz dich, ich möchte mit dir reden. Du bist der einzige Schlagzeuger, den ich kenne, der es drauf hat.’“

Erst 1981 schaffte Baker es, vom Heroin loszukommen, wie er in einem Interview sagte. Er hatte ein Vermögen in Nigeria verloren, sein Schlagzeug stand ungenutzt in der Scheune, und er baute in Italien Olivenbäume an: „Es war wahrscheinlich das Beste, was mir je passiert ist. Ich habe die Drogenwelt komplett hinter mir gelassen.“

1966 gründete Ginger Baker mit Eric Clapton und Jack Bruce das Trio Cream – der Erfolg langweilte ihn

Da lagen seine größten Erfolge schon einige Jahre zurück: 1966 gründete er mit der Gitarrenlegende Eric Clapton und Jack Bruce (1943 – 2014) das Trio Cream. Bis zu ihrer Auflösung 1968 hatte die Superstar-Band Klassiker wie „Sunshine Of Your Love“, „White Room“ und „Crossroads“ herausgebracht und millionenfach verkauft. An Bakers polyrhythmischen Soli messen sich Schlagzeuger bis heute.

Ginger Baker erinnerte sich in „Forbes“ an das Ende der Kultband 1968: „Eric [Clapton] kam zu mir und sagte: ‚Ich habe es satt.’ Und ich sagte: ‚Ich auch.’ Und das war’s.“ Am meisten fehlte ihm die Herausforderung: Das Publikum jubelte, noch bevor die Musiker ihre ersten Noten gespielt hatten. Baker musste acht oder neun Drinks in sich hineinschütten, „um ins Studio gehen zu können und niemanden zu schlagen. So sauer war ich geworden.“

Es half nicht, dass er mit Jack Bruce immer wieder im Jähzorn auf der Bühne aneinandergeriet – einer der Gründe für die schnelle Trennung. Selbst als Cream 2005 in Originalbesetzung nach 37 Jahren wieder in London und New York auftrat, stritten sich Baker und Bruce. Zu einer weiteren Wiedervereinigung kam es nicht mehr.

Baker ist bekannt für seine polyfonen Rhythmen – und für seine Wutausbrüche

Nach dem Ende von Cream gründete Baker mit Eric Clapton die kurzlebige Superband Bad Faith und das Jazz-Rock-Kollektiv Ginger Baker’s Air Force. In dem afrikanischen Superstar Fela Kuti fand er eine verwandte musikalische Seele, baute ein Aufnahmestudio in Lagos auf und steckte sein Geld in den Polosport.

Der frühere Weltstar ist zum vierten Mal verheiratet und hat drei Kinder - darunter Sohn Kofi Baker, der ebenfalls Schlagzeug spielt. Im „Rolling Stone“ erinnerte sich Kofi nur ungern an die Lehrstunden mit seinem Vater: „Wenn ich nicht sofort etwas richtig machte, schrie er mich an, beschimpfte mich und haute mir eine runter.“ Bakers Temperament ist seither nicht besser geworden – er ist bekannt für seine chronisch schlechte Laune und Wutausbrüche. Ein Dokumentarfilm über sein Leben trägt den Titel „Beware of Mr. Baker“ (etwa „Hüte dich vor Mr. Baker“).

Ginger Baker lebt inzwischen im englischen Canterbury und hat nach gesundheitlichen Problemen in den vergangenen Jahren nur noch wenige Konzerte gegeben. Anlässlich eines Auftritts in Brighton nahm die Schlagzeuglegende eine Videomessage auf: „Wir werden eine gute Show auf die Beine stellen, nur um es zu beweisen. Denn es gibt Leute, die sagen, dass ich nicht mehr spielen kann. Ich kann noch! Und ich werde spielen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: