Auf einmal allein: Valerie Pachner in dem Kinofilm „Vier minus drei“ Foto: Alamode Film/Polyfilm/Nikolett Kustos

Was haben der berührende Kinofilm „Vier minus drei“ und der „Tatort“ aus dem Schwarzwald gemeinsam? Sie werden von Gerrit Klein und seiner Ludwigsburger Firma Giganten Film produziert.

„Du, da war ein Unfall mit einem Clownbus.“ Barbara, die gerade selbst noch als Clown in einer Klinik kranke Kinder zum Lachen gebracht hat, weiß erst gar nicht, was ihre Freundin Sabine ihr mit diesem Satz sagen will. Doch dieser bedeutet, dass von einer vierköpfigen Familie nur noch ein Mensch übrig ist: Barbara. Ihr Mann, der wie sie Clown war, ist mit den beiden kleinen Kindern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Und Barbara (Valerie Pachner) wird einen eigenwilligen Weg finden, mit der Trauer umzugehen und zurück ins Leben zu finden. Der Film „Vier minus drei“ erzählt ihre Geschichte – eine wahre Geschichte, die auf Barbara Pachl-Eberharts gleichnamigen Buch aus dem Jahr 2010 beruht.

 

Adrian Goiginger hat aus diesem sehr schweren Thema einen sehr schönen Film gemacht – einen Film, der zwar unfassbar traurig ist, aber gleichzeitig Hoffnung macht und der an diesem Dienstag gleich achtmal für den Österreichischen Filmpreis nominiert wurde. Als das Kinodrama im Februar auf der Berlinale Weltpremiere feierte, gab es kaum jemand im Zoo Palast, der keine Tränen in den Augen hatte. Zu ihnen zählte auch Gerrit Klein – und das, obwohl er den Film da schon ungefähr fünfzigmal gesehen hatte: Er hat „Vier minus drei“ produziert.

„Der Fuchs“, „Rickerls“, „Vier minus drei“

„Das Leben ist gigantisch, daraus machen wir Filme“, sagt Klein. Er sitzt in seinem Büro in Ludwigsburg, neben ihm kuschelt sich seine Hündin Kira in ein Kissen. Vom Balkon aus sieht man die Filmakademie. Dort hat der 34-Jährige die Produktionsfirma Giganten Film gegründet. Am liebsten verwirklicht er mit dem Regisseur Adrian Goiginger, mit dem er studiert hat, Filme, die Geschichten erzählt, die das Leben schreibt, oft basierend auf wahren Begebenheiten. Das galt für ihren ersten großen Kinofilm „Der Fuchs“ (2022), der zwischen 1927 und 1946 spielt und auf den Erlebnissen von Goigingers Urgroßvater Franz Streitberger beruht. Das galt für Dramedy „Rickerl – Musik ist höchstens a Hobby“ (2023), die letztlich fiktionalisiert dem Leben des Hauptdarstellers Voodoo Jürgens nachempfunden ist. Und das gilt für „Vier minus drei“.

Gerrit Klein im Ludwigsburger Büro von Giganten Film Foto: Giganten Film/Fabian Stürtz

Klein findet, dass die Geschichte der Frau, die einen schrecklichen Schicksalsschlag verarbeitet, „die Kraft hat, Hoffnung zu geben“. Filme sollen berühren, aber nicht lähmen, glaubt er. Sie sollen, im besten Fall, etwas hinterlassen. Dass solche Projekte entstehen, ist für Klein immer auch ein Akt des Vertrauens.

Gerrit Klein: Vom Schauspieler zum Produzenten

Arthouse-Kino finanziert sich nicht über sichere Renditeerwartungen, sondern über Überzeugung. Fernsehsender, Förderinstitutionen, Verleiher – sie alle müssen an die Geschichte glauben. „Man macht diese Filme nicht, weil man damit Geld verdienen will“, sagt Klein, „sondern weil man dran glaubt.“ Es ist ein Idealismus, der in einer Branche voller wirtschaftlicher Zwänge bemerkenswert wirkt.

Gerrit Klein begann seine Filmkarriere als Schauspieler. Seine erste TV-Rolle hatte er 2009 in dem mehrfach ausgezeichneten ARD-Spielfilm „Keine Angst“, er spielte in einigen Serien Hauptrollen, war aber 2014 auch einmal in einer „SOKO Stuttgart“-Folge zu Gast. Inzwischen konzentriert er sich allerdings auf den Produzentenjob – eigentlich ein krasser Perspektivenwechsel: „Als Schauspieler bist du nur für dich verantwortlich. Als Produzent für alles.“

Gerrit Klein mit Kira Foto: Giganten Film/Fabian Stürtz

Trotzdem: Als er 2017, noch während des Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg, Giganten Film gründete, musste er die Firma zunächst noch als Schauspieler querfinanzieren. Der Durchbruch kam nicht über Nacht. Projekte wie „Sommer auf drei Rädern“ oder „Der Fuchs“ brauchten Jahre der Entwicklung und Finanzierung. Gerade „Der Fuchs“, der als historischer Stoff am Ende ein Budget von sechs Millionen Euro benötigte, war ein Kraftakt. Am Ende stand ein Film, der international verkauft wurde – und für die junge Firma ein erstes Ausrufezeichen setzte.

Giganten Film ist eine Art Boutique

Heute ist Giganten Film gewachsen, aber bewusst kein Großbetrieb. Sechs feste Mitarbeiter, dazu projektbezogene Teams, verteilt auf Standorte wie Ludwigsburg, München und Köln. Klein sagt: „Wir sind eine Boutique – kein großer Apparat, sondern flexibel und hands-on.“ Dreht man, wächst der Apparat; gibt es weniger zu tun, wird er wieder heruntergefahren. Diese Beweglichkeit ist Teil der Überlebensstrategie – und vielleicht auch der Grund, warum die Firma nach knapp zehn Jahren stabil dasteht.

Und obwohl Klein vom Gemeinschaftserlebnis im Kino schwärmt, produziert er auch fürs Fernsehen. „Nicht jeder Film gehört ins Kino – aber die richtigen unbedingt“, sagt er – relativiert das dann aber doch ein wenig: „Streamer, Fernsehen, Kino – am Ende geht es immer darum, gute Geschichten zu erzählen.“

Produzenten des Schwarzwald-„Tatort

Das soll auch für seinen neuesten Coup gelten: Giganten Film hat vom SWR nach einer großen Ausschreibung den Zuschlag für die nächsten „Tatort“-Episoden aus dem Schwarzwald bekommen. Zudem hat Klein – ebenfalls für den SWR – eine Comedyserie entwickelt, die er 2026 in Köln produzieren wird. Details kann er derzeit noch nicht verraten. Das gilt auch für einige andere Projekte, die bereits in Entwicklung sind.

Wichtig ist ihm aber auch bei solchen Projekten, dass sie Geschichten aus dem Leben zu erzählen – ehrlich, berührend und mit der Hoffnung, dass sie etwas bewegen. Oder, um es mit Kleins eigenen Worten zu sagen: Das Leben ist gigantisch. Man muss es nur erzählen.

Vier minus drei. Österreich/Deutschland 2026. Regie: Adrian Goiginger. Mit Valerie Pachner, Robert Stadlober, Hanno Koffler. 120 Minuten. Ab 12.