Am Sörenberg rufen Plakate dazu auf, die Augen offen zu halten. Foto: Frank Eppler

Eine Initiative will herausfinden, wer im Waiblinger Stadtteil Neustadt für wiederholte Giftködervorfälle verantwortlich ist.

Waiblingen - Mucy hat großes Glück gehabt. ­Wäre er kein Hund, würde man wohl sagen: ein Schweineglück. Denn der zwei Jahre alte Puli-Rüde hat vor Kurzem in der Nähe des Sörenbergs bei Waiblingen-Neustadt einen mit Gift präparierten Köder gefunden, prompt vertilgt und nur mit knapper Not überlebt. Dass Mucy inzwischen wieder quietschfidel ist und offenbar keine Folgeschäden erlitten hat, ist der schnellen Reaktion seiner Besitzerin Michaela Hay und einer hilfsbereiten Autofahrerin zu verdanken, die Hund und Frauchen spontan zum Tierarzt brachte, obwohl bei Mucy schon sämtliche Körperfunktionen verrückt spielten.

Der Vorfall beim Sörenberg ist nicht der erste dieser Art in dem von Streuobstwiesen, Feldern und Weinbergen geprägten Gebiet am Ortsrand von ­Neustadt. In der Vergangenheit hat es dort immer wieder Meldungen über ausgelegte Giftköder gegeben. Insbesondere Hundehalter warnten mit Aushängen vor der Gefahr, dennoch sind mehrere Tiere qualvoll gestorben.

Belohnung von 600 Euro

Eine Gruppe von Privatleuten aus Waiblingen, der Großteil davon sind Hundehalter, will sich nach dem neuerlichen Vorfall mit Michaela Hays Hund und weiteren Funden von verdächtigen Wurststücken nicht mehr auf bloße Warnschilder beschränken. Die Initiative, die sich Hundefreunde Sörenberg nennt, hofft, durch Hinweise von Spaziergängern und Stückles­besitzern dem- oder denjenigen auf die Spur zu kommen, die immer wieder Giftköder auslegen und damit nicht nur Hunde, sondern auch andere Tiere oder sogar Kinder in Gefahr bringen. „Wir möchten, dass der oder die Täter gefasst und angezeigt werden, damit Mensch und Tier nicht weiterhin gefährdet werden“, steht auf Aushängen, die nun im Gebiet rund um den Sörenberg verteilt wurden. Für sachdienliche Hinweise, so heißt es weiter, setze man eine Belohnung in der Gesamthöhe von 600 Euro aus.

Daniela Tiemann, die Ortsvorsteherin von Neustadt, hat für diese Aktion grünes Licht gegeben und der Gruppe erlaubt, ihre Plakate an den städtischen Spenderboxen für Hundekottüten zu befestigen. „Vielleicht halten dadurch mehr Leute die Augen offen“, sagt die Ortsvorsteherin. Auch im Ort selbst, im Bereich der Pfarräcker, seien schon Köder gefunden worden. „Da kann man nicht ausschließen, dass auch ein Kind mit dem Gift in Berührung kommt“, sagt Daniela Tiemann. Sie legt Betroffenen ans Herz, auf jeden Fall die Polizei zu verständigen: „Nur wenn die Polizei von solchen Vorfällen weiß, kann sie auch tätig werden.“ Auch entdeckte Köder seien ein wichtiges Beweismaterial, das auf die Spur der Verursacher führen könnte.

Polizei: Keine Vorfälle bekannt

Mucys Halterin Michaela Hay hat sich tatsächlich an die Polizei gewandt. Ihr Versuch, eine Anzeige wegen des Giftköders zu erstatten, sei aber von einem Polizeibeamten mit der Auskunft, das bringe sowieso nichts, ausgebremst worden, erzählt die Waiblingerin. Außerdem habe der Polizist ihr gesagt, bei dem Vorfall handle es sich ­lediglich um eine Sachbeschädigung, und letzten Endes sei ja ohnehin „nichts passiert“. Die Polizeipressestelle in Aalen hatte gegenüber unserer Zeitung bei früheren Vorfällen immer betont, es seien keine ­Anzeigen und keine Giftködervorfälle im Waiblinger Bereich bekannt.

Der in Neustadt lebende Peter Schulze kümmert sich seit Jahren um die rund um den Sörenberg lebenden Füchse. Er habe in der jüngsten Vergangenheit gleich mehrere tote Tiere entdeckt, die im Umkreis von nur etwa hundert Metern gelegen seien, sagt Schulze, der früher als Jäger aktiv war. Auch diese Füchse seien offenkundig vergiftet worden. Von wem, das sei leider schwer zu beweisen. Dass mancher Grundstücksbesitzer nicht gut auf Hundehalter zu sprechen ist, kann Schulze zwar in manchen Fällen verstehen, aber: „Es kann sich keiner das Recht herausnehmen, einen Hund zu vergiften.“ Sein Tipp an beide ­Seiten: „Alle sollten ein bisschen mehr ­aufeinander achten.“

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