Die Angeklagte (links, im weißen Shirt) wird von einer Justizmitarbeiterin in den Gerichtssaal geführt, wo ihre beiden Anwälte bereits warten. Foto: Sabine Armbruster

Am vierten Verhandlungstag des neu aufgerollten Prozesses gegen eine ehemalige DRK-Auszubildende verlas der vorsitzende Richter aufschlussreiche Chatverläufe.

Der vierte Verhandlungstag im neu aufgerollten Prozess am Landgericht Heilbronn um Giftanschläge auf der DRK-Rettungswache in Vaihingen/ Enz war sehr kurz, aber aufschlussreich. Der vorsitzende Richter Martin Liebisch verlas einen Chatverlauf zwischen der 24-jährigen Angeklagten, die beschuldigt wird, einigen ihrer Kollegen heimlich Atropin in die Getränke gemischt und sie dadurch gesundheitlich zum Teil schwer geschädigt zu haben, und ihrer Mutter. Darin wurde deutlich, dass die Mutter der ehemaligen Auszubildenden zur Notfallsanitäterin offenbar vom Medikamentenmissbrauch ihrer Tochter wusste und sich deshalb große Sorgen um sie machte.

 

Am Silvestertag 2022 versicherte die Mutter ihre Tochter per WhatsApp ihrer unendlichen Liebe, teilte ihr aber auch mit, sie mache sich „Riesensorgen“ wegen einiger Ampullen. Die junge Frau hatte auf der Rettungswache in Vaihingen/Enz etliche verschreibungspflichtige Notfallmedikamente entwendet – darunter Beruhigungsmittel, Antidepressiva und auch das bereits genannte Atropin – und es in ihrem Zimmer für den Eigengebrauch versteckt. Im weiteren Chatverlauf ermahnte die Mutter die damals 22-Jährige: „Mach in deinem Beruf keinen Mist, es wäre schlecht, wenn du den verlierst.“

Ein weiterer Chatverlauf vom 19. April 2023, in dem auch mehrere Bilddateien, die Medikamente zeigten, verschickt wurden, offenbart die tiefe Enttäuschung der Mutter: „Ich habe dir geglaubt. Wann hört das endlich auf?“, schrieb sie und riet der Tochter: „Bleib einfach bei F., dann machst du so was nicht“. F. ist der Freund und jetzige Verlobte der Tochter, der sie – so zumindest der Eindruck, den man aus den bisherigen Verhandlungstagen gewinnen konnte – offenbar psychisch stabilisiert. Etwas später, noch am selben Tag, eine weitere WhatsApp der Mutter: „Ich hab das Gefühl, alles, was du gesagt hast, ist gelogen. Und ich hab das Gefühl, F. deckt es mit.“

Wirre Antwort der Tochter

Auch eine etwas später geschriebene Nachricht der Angeklagten an ihre Mutter verlas der Richter – jedenfalls, so gut es ging. Denn klar waren nur die beiden ersten und letzten Sätze: „Ich komme jetzt gleich nach Hause, frag nicht“ und „Ich brauche keine Ahnung keine Hilfe... angeblich.“ Dazwischen unverständliche Worte, eines davon enthielt den Wortteil „süchtig“.

Mindestens seit diesem 19. April 2023, hatte der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift zu Prozessbeginn verlesen, habe die junge Frau Medikamente aus der Rettungswache entwendet. Der Chatverlauf legt nahe, dass dies schon früher der Fall war. Die Vergiftungsvorfälle begannen im Oktober 2023.