Bernd Kotzbau brutzelte an seinem Ruhetag für die Besucher des Mittagstisches im Giebeler Haus der Begegnung. Foto: Benjamin Bauer

Bernd Kotzbau, Wirt des Restaurants „Am Fasanenwald“, beliefert in Zukunft das Haus der Begegnung.

Giebel - Viele der Gäste kennen ihn schon: „Das ist der Chef vom Vereinsheim“, sagt eine ältere Dame zu ihrem Nebensitzer. Bernd Kotzbau steht derweil am Herd und schwenkt die Pfanne, in der Hähnchengeschnetzeltes brutzelt. „Ich werde hier eigentlich nur mit ‚Onkel Bernd‘ angesprochen“, sagt er und lacht. Der Wirt und Koch der Vereinsgaststätte des TSV Weilimdorf wird künftig montags bis freitags das Essen für den Giebeler Mittagstisch im Haus der Begegnung zubereiten. Am vergangenen Montag konnten ihm die Besucher vor Ort über die Schulter schauen und seine Kochkünste testen.

„Mir macht das Spaß. Heute habe ich meinen Ruhetag im Vereinsheim geopfert, um hier sein zu können“, sagt Kotzbau. Es sei ein gutes Gefühl, den Senioren so etwas bieten zu können – von Giebelern für Giebeler sozusagen. „Warum sollte man das Essen von sonst woher kommen lassen, wenn ich keine zehn Minuten von hier mein Restaurant habe“, sagt der Koch und füllt einen Teller mit Geschnetzeltem, Rahmgemüse und Spätzle.

Marion Goß, die Geschäftsführerin des Hauses der Begegnung, ist froh, dass sich die Zusammenarbeit mit „Herrn Bernd“, wie sie ihn nennt, so ergeben hat: „Das ist doch viel besser, wie wenn das Essen von einer Großküche kommt“, sagt sie. Zuvor hatte das Haus der Begegnung die Speisen von einer Großküche in Hemmingen bezogen. „Im Großen und Ganzen waren wir zwar mit der Firma zufrieden“, sagt Goß. „Aber dadurch, dass wir nun mit Herrn Bernd zusammenarbeiten, stärken wir unsere lokale Ökonomie und sind zudem viel flexibler.“ Aufgrund der Nähe könne beispielsweise fehlendes Küchengerät kurzfristig organisiert werden.

Die Seniorinnen und Senioren kommen jedoch nicht nur wegen des Essens zum Mittagstisch. Der 89-jährige Anton Stingl hat am Nachbartisch eine ehemalige Arbeitskollegin entdeckt. Die beiden hatten sich seit Jahren nicht gesehen. „Das Gute am Mittagstisch ist, dass man unter Leute kommt“, sagt er. „So beugen wir der sozialen Isolation vor“, sagt Goß. Viele Besucher würden mit der Zeit zu bekannten Gesichtern. „Wenn einmal jemand nicht erscheint, rufen wir an und fragen nach“, sagt Goß. „So haben die Leute das Gefühl, dass man sich um sie kümmert.“

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