Seite 2Ghostwriter Oft kommen Studenten der Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften

Von Anne Guhlich 

Die Ghostwriterbranche besetze einen Millionenmarkt, sagt Manuel Theisen, Professor an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. "Der Markt ist seit Jahrzehnten stabil und die Nachfrage unverändert hoch." Rechtsanwälte, Ärzte, Politiker und Professoren wenden sich an die Agenturen. "Sie könnten die Arbeit auch selbst schreiben", sagt Gantert. "Es fehlt ihnen nur an der Zeit." Studenten hingegen seien mit der Aufgabe oft schlicht überfordert. Manche sprechen darüber, manche sagen: "Schreib einfach." Anfragen kämen vor allem von Studenten der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, heißt es in der Branche. Nemet legt Wert auf die Feststellung, dass er sein Geld nicht mit fertigen Seminararbeiten oder Dissertationen mache. "Wir schreiben lediglich wissenschaftliche Texte", sagt er. Was der Kunde dann damit mache, könne er nicht beeinflussen. Er sei nicht das moralische Gewissen des Kunden, sagt er. Auch wer als vermeintlicher Kunde bei ihm anruft, bekommt die Ansage, dass Nemet wegen der Pressekampagnen, die zurzeit laufen, mit den Formulierungen vorsichtig sein müsse. Er liefere keine kompletten Dissertationen, nur Versatzstücke.

Für einen 100-seitigen Theorieteil veranschlagt er zwischen 5000 und 6000 Euro. "Als könne man Dissertationen kaufen wie die Produkte in einem Supermarkt", sagt eine Interessentin.

Auch mit der Angst der Studenten, dass ein Plagiat auffliegt, lässt sich Geld verdienen. "Wir verwenden die gleiche Software, die an den Universitäten angewendet wird", sagt ein Agenturchef. "Schicken Sie uns Ihren Text, wir lassen ihn durch das Programm laufen, anschließend werden die Stellen markiert, die in dieser Formulierung schon im Internet stehen." Die Prüfung kostet 80 Euro. Bei Nemet bekommt man einen Schein, der Plagiatsfreiheit zertifiziert.

In der Branche spricht man von zehn ernstzunehmenden Agenturen. Sie haben Namen wie Dr. Franke, ghostwriter.nu, Textagentur Steven. Der Kampf um Kunden wird über Google ausgetragen. Nur die zahlungskräftigsten können sich einen Platz in der farbig unterlegten Werbezone - ganz oben auf der Google-Trefferliste - leisten. "Der Preis für das Wort Ghostwriter steigt ständig an", sagt Aleksandra Fedorska, Chefin der Agentur writeservice. Als Zwitterwesen zwischen Wissenschaftler und Verkäufer sieht sie sich.

Als solche wollen die Ghostwriter einerseits auffallen, andererseits im Verborgenen bleiben. Dementsprechend uneinig ist sich die Branche auch, was sie von dem aktuellen Hype halten soll. Dass Nachfrage besteht, verraten die Jobangebote der Firmen. Fast jede Agentur sucht Mitarbeiter.

Rechtlich sei den Agenturen schwer beizukommen, sagt Debora Weber-Wulff, Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. "Sie tun ja nichts. Derjenige, der betrügt, ist der Student, der so was einreicht."

 

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