Wiedergewählt: GEW-Landeschefin Doro Moritz Foto: dpa

Ein schönes Geschenk für die Bildungsgewerkschaft: Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat den Schulen 1700 zusätzliche Stellen für Reformen zugesagt.

Sindelfingen - Deutliche Worte zur Bildungspolitik scheut Doro Moritz nicht. Das rechnen die Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ihrer Landesvorsitzenden hoch an. Am Freitag wurde die 60-jährige Hauptschullehrerin aus Heimsheim zum dritten Mal an die Spitze der größten Bildungsgewerkschaft im Land gewählt. 95,6 Prozent der rund 320 Delegierten stimmten für sie.

Auch mit der grün-roten Landesregierung, der die GEW eigentlich näher steht als der früheren CDU-FDP-Koalition, ging Moritz immer wieder hart ins Gericht. Bei der Landesdelegiertenversammlung in Sindelfingen waren ihre Töne etwas milder – aber nicht frei von Kritik. „Die vielen von Grün-Rot angestoßenen Reformen waren notwendig und weisen in die richtige Richtung“, sagte sie. Die Arbeitsbedingungen für Lehrer hätten sich aber leider nicht verbessert. Um die bereits begonnenen und noch geplanten Reformen umzusetzen, dürften keine weiteren Stellen abgebaut werden. Extrastellen würden unter anderem benötigt, um Ethik von der ersten Klasse an einzuführen, appellierte sie an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Für den ehemaligen Gymnasiallehrer, selbst GEW-Mitglied, gehört der Auftritt bei der Landesversammlung zur Pflicht.

Aufstiegsmöglichkeiten für Hauptschullehrer

Anders als vor vier Jahren hat der Regierungschef auch etwas mitgebracht: 1700 zusätzliche Stellen würden gebraucht, um bisherigen Reformen wie den Ausbau der Ganztagsschule oder die Inklusion fortzuführen, sagte Kretschmann. Dabei seien die Stellen für Flüchtlingsklassen noch nicht berücksichtigt. Mehr Geld sollen mittelfristig Hauptschullehrer erhalten. Sie würden in den nächsten Jahren qualifiziert und könnten dann von der Besoldungsstufe A12 nach A13 befördert werden. Wegen des starken Schülerrückgangs an den Haupt-/Werkrealschulen werden viele Hauptschullehrer an Realschulen, Gemeinschaftsschulen und Sonderschulen eingesetzt.

Ursprünglich wollte die Landesregierung bis zum Jahr 2020 insgesamt 11 600 Lehrerstellen streichen, um den Haushalt zu konsolidieren. Wegen höherer Schülerzahlen und dem Zuzug von Flüchtlingen hat sich Grün-Rot inzwischen von diesem Plan verabschiedet. Bisher fielen 1363 Stellen weg, bis 2020 stehen noch einmal 1733 auf der Streichliste.

Kultusminister Andreas Stoch versprach den Delegierten, die Kürzung der Eingangsbesoldung rückgängig zu machen. Schon die CDU/FDP hatte die Gehälter von Junglehrern um vier Prozent abgesenkt, Grün-Rot kürzte um weitere vier Prozent. Zudem will sich der SPD-Politiker dafür stark machen, dass die bis zu 3000 befristet beschäftigten Lehrer künftig auch in den Sommerferien bezahlt werden. Für ihre Zusagen ernteten die beiden Politiker großen Beifall.

CDU und FDP sprechen von Wahlgeschenken

Für die Opposition im Land sind das „Wahlgeschenke“. Die CDU-Fraktion habe schon lange „ein Qualifizierungskonzept mit der Chance des Aufstiegs nach A 13“ gefordert, erklärte CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf, der an diesem Samstag vor den GEW-Delegierten sprechen wird. Der Bildungsexperte der FDP-Fraktion, Timm Kern, erklärte: Solche Ankündigungen kurz vor der Wahl wirkten wenig glaubwürdig.

Zu Stellvertretern von Landeschefin Doro Moritz wurden Ruth Schütz-Zacher (92,1 Prozent), Michael Futterer (88,3) und das Team Petra Kilian und Heike Pommerening (76,3) bestimmt.

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