Nie nahm Böblingen mehr Geld ein – und nie gab es mehr aus. Investitionen in Wirtschaft, Bildung und Klima belasten die reiche Stadt.
Wenn in diesen Tagen die Banken und Sparkassen wieder zur Weltsparwoche einladen, reiht sich ein Kunde sicher nicht in die Schlange der Sparer: Die Stadt Böblingen. Sie nimmt zwar im kommenden Jahr 2025 mehr Geld ein als je zuvor, doch sie gibt einen erklecklichen Teil davon gleich wieder aus. Am Mittwoch brachte Stefan Belz den städtischen Haushalt in den Gemeinderat ein – und ist froh, dass die trüben Wirtschaftsaussichten im Rest des Landes für seine Stadt nicht gelten. Im Gegenteil: „Unsere Zahlen zeugen von der starken wirtschaftlichen Basis unserer Stadt.“
Konkret bedeutet dies, dass Kämmerer Sascha Schneider sich schon im laufenden Jahr 2024 über 65 Millionen Euro mehr an Gewerbesteuern freuen darf: Eingeplant waren 95, gekommen sind über 160. Auch im kommenden Haushaltsjahr 2025 plant er wieder mit 140 Millionen. Zusammen mit weiteren kommunalen Steuereinnahmen wie etwa der Grundsteuer sowie mit Zuweisungen von der Einkommenssteuer sollen in 2025 satte 261 Millionen Euro ins Böblinger Rathaus sprudeln. Mehr als je zuvor. „Doch diese Zahl relativiert sich relativ schnell wieder beim Blick auf die Ausgaben“, sagt Schneider.
Denn die summieren sich in 2025 auf 275 Millionen Euro, die Stadt gibt demnach mehr aus, als sie einnimmt – vereinfacht gesagt. Die Investitionen vor allem im Baubereich zehren kräftig am Stadtsäckel: Knapp 95 Millionen investiert Böblingen in Hoch- und Tiefbau sowie sonstige Maßnahmen. Größter Einzelposten: Das Schulzentrum Stockbrünnele, das nach neuesten energetischen Gesichtspunkten gebaut wird und sich zuletzt von 65 auf 75 Millionen Euro verteuerte; 23,3 Millionen davon werden im kommenden Jahr fällig. Aber auch Kita-Nebauten oder die Sanierung der Kongresshalle schlagen zu Buche.
Im Tiefbau summieren sich die Ausgaben auf 13 Millionen Euro, teuerstes Projekt ist der Umbau der Calwer Straße für das Flugfeldklinikum für rund sieben Millionen, außerdem die Beteiligung am A-81-Ausbau, Brückensanierungen und weitere Straßenprojekte, um nur einige zu nennen. Doch, woher nimmt Böblingen die dafür benötigten 94,2 Millionen Euro? Denn so üppig die Mehreinnahmen auch sind: Die Stadt muss über die Kreisumlage und den Länderfinanzausgleich rund zwei Drittel davon wieder abgeben, braucht also weitere Finanzquellen.
Böblingen hat 155 Millionen auf der hohen Kante
„Uns hilft, derzeit die stattliche Summe von 155 Millionen Euro auf der hohen Kante zu haben“, sagt der Erste Bürgermeister Tobias Heizmann. „Doch da müssen wir jetzt ran: 66 Millionen Euro entnehmen wir allein aus den Rücklagen“, sagt er. Ein Griff in den Sparstrumpf, den man freilich nicht beliebig oft wiederholen kann. In den kommenden Jahren werde es also notwendig, klar zu priorisieren, was man sich noch leisten könne – und was nicht. Insbesondere bei den Bildungseinrichtungen werde ein genauer Blick gefragt sein, sagt er.
„Niemand in Böblingen ist glücklicher, wenn 155 Millionen Euro auf der hohen Kante liegen“, sagt Oberbürgermeister Stefan Belz. Das Geld habe sich angehäuft, da man in den vergangenen Jahrzehnten „etwas lascher“ mit der Gebäudesubstanz, insbesondere bei den Schulen umgegangen sei. Tatsächlich mehrten sich zuletzt die Klagen, etwa bei der Eduard-Mörike- und bei der Eichendorff-Schule: Hier hat sich ein erheblicher Sanierungsstau gebildet.