Auf dem Areal der ehemaligen Ziegelei Hess entsteht ein Technologiepark. Foto:  

Gewerbeflächen sind knapp in der Region. In allen Städten im Kreis macht man sich Gedanken, wie die wenigen noch verfügbaren Gewerbefläche möglichst effizient für hochwertiges Gewerbe genutzt werden können. Ein Überblick.

Gewerbegebiete - Gedanken, wie die wenigen noch verfügbaren Gewerbefläche möglichst effizient für hochwertiges Gewerbe genutzt werden können, macht man sich nicht allein in Weinstadt. Auch die übrigen Großen Rems-Murr-Kreisstädten suchen nach Lösungen.

Winnenden: drei neue Gebiete

Winnenden hat sich – beraten durch ein externes Stadtentwicklungsbüro – bereits 2016 ein Entwicklungskonzept verordnet. „Das Ziel sind hochwertige Gewerbegebiete, auch durch Aufwertungen im Bestand. Es werden in Zukunft nicht einfach mehr Gewerbegebiete sein, sondern es werden qualitativ hochwertige und je nach Standort für unterschiedliche Nutzergruppen attraktive Flächen entstehen,“ sagt Pressereferentin Julia Piehler-Maier.

Eines davon ist die 2,2 Hektar große Linsenhalde II – vorgesehen für Unternehmensverwaltungen und Ähnliches. Durch seine verkehrsgünstige Lage an der B-14 eigne es sich für Nutzungen des Dienstleistungssektors. Derweil sieht man die 5,3 Hektar des Gewerbegebiets Untere Schray als „sehr attraktiv für Unternehmen mit hohen Beschäftigungszahlen“. Denn der Standort liegt nahe der Bundesstraße, der Bahnhof und der zentrale Omnibusbahnhof sind zu Fuß erreichbar und die Winnender Innenstadt ist nicht weit. Ein weiteres Gewerbegebiet auf 5,3 Hektar sei mit der Schmiede III in Hertmannsweiler in Planung, weitere kleinere Gelände in den Stadtteilen seien möglich.

Den künftigen Bedarf, den das Beratungsbüro nach einer Unternehmensbefragung auf 12,3 bis 35,9 Hektar beziffert habe, könne man dennoch nicht decken, erklärt Piehler-Maier. Zumal auf den insgesamt gut 65 Hektar der bestehenden Gebiete seitens der Stadt keine Grundstücke mehr zum Verkauf stünden. Zu vereinzelte Wegzügen von Firmen sei es daher bereits gekommen.

Waiblingen: Techologiepark

„Nahezu erschöpft“ ist auch das Gewerbeflächenreservoir von Waiblingen, wie Marc Funk berichtet, der Geschäftsführer der Waiblinger Wirtschaftsförderungsgesellschaft WTM. Nur noch im Industriegebiet Waiblinger Tor, im Gewerbegebiet in Beinstein und am Neustädter Bahnhof verfüge die Stadt über Grundstücke von knapp zwei Hektar. Insgesamt umfassen die Gewerbegebiete rund 200 Hektar. Größere Fortzüge von Firmen habe man in den vergangenen Jahren indes verhindern können. „Uns ist es immer wieder gelungen, private Flächen zu reaktivieren und einer neuen Nutzung zuzuführen.“ Jüngstes Beispiel ist der Technologie- und Zukunftspark Hess am Bahnhof mit noch freien privaten Flächen von 22 Hektar, die auf dem Wege eines Erbbaurechts vergeben werden. Für eine wertigere, effizientere Nutzung des ehemaligen Ziegelwerkgeländes habe die Stadt im Mai einen Bebauungsplan erlassen und damit „eines der größten Gewerbeflächenentwicklungsgebiete der Region auf den Weg gebracht“. Mit der Daimler AG gebe es bereits einen ersten Mieter für sieben Hektar. Die Nachfrage nach Flächen könne man damit allerdings nicht komplett stillen, erklärt Funk. Ein regionales Problem: Laut einer Umfrage der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart werden jährlich 160 Hektar an Gewerbeflächen in der Region nachgefragt, zur Verfügung stehen nur 90.

Schorndorf: Neues auf alten Flächen

Groß ist die Nachfrage auch in Schorndorf. „Bei der Stadt vorgemerkt sind Flächenwünsche allein von Schorndorfer Betrieben von 18 Hektar“, berichtet die Pressesprecherin Nicole Amolsch. Zu Wegzügen sei es auch schon gekommen. Zumal es nur noch wenige freie Gewerbeflächen gebe: etwa 3200 Quadratmeter auf städtischem Grund und etwa 3,5 Hektar in Privateigentum. Jedoch plane man mit dem Gewerbegebiet Niederfeld am Ortseingang von Haubersbronn mit rund sechs Hektar und dem Gewerbegebiet Ziegelfeld an der Schorndorfer Straße mit rund acht Hektar. Die Verfahren hierzu liefen bereits. Ungewiss sei derweil, ob zwölf Hektar, die laut Flächennutzungsplan im Stadtteil Weiler noch möglich wären, realisiert werden könnten. „Das Gebiet ist umstritten.“ Neben Neuerschließungen bemüht man sich in Schorndorf, bestehende Gebiete effizienter zu nutzen: Zum einen durch flexiblere Vorgaben bei Baumaßen und Nutzungsstruktur. Zum anderen durch Recycling alter Gewerbeflächen. Ein Beispiel hierfür sei das Bauknecht-Areal, so Amolsch. Auf dem ehemalige Gelände des Haushaltsgeräte-Herstellers residiert inzwischen der Fellbacher Elektrogroßhändler Löffelhardt.

Fellbach: Strategie im Werden

„In der vergangenen Gemeinderatssitzung wurde die Aufstellung des Bebauungsplans Siemensstraße für ein 13,6 Hektar großes Gewerbegebiet beschlossen“, berichtet die städtische Pressesprecherin Sabine Laartz aus Fellbach. Daneben verfüge die Stadt noch über ein Gewerbegebiet von etwa 2,5 Hektar. „Diese beiden sind momentan die einzigen Gewerbeflächen, die in der ‚Pipeline‘ sind, über eventuelle weitere Ausweisungen müsste der Gemeinderat entscheiden.“ Derweil würden der Stadt mehr Anfragen von Unternehmen nach Gewerbeflächen vorliegen als bedient werden könnten. Für die Zukunft arbeite die Stadtverwaltung daher an einer Strategie, um den wirtschaftliche Strukturwandel begleiten und künftig „zielgruppengerecht Gewerbegebiete“ anbieten zu können. „Ein Baustein dieser Strategie soll auch die Intensivierung und Aufwertung bestehender Gewerbeflächen sein.“ Im kommenden Jahr wolle soll das neue Konzept stehen.

Backnang ist auf der Suche

Knapp werden verfügbare Gewerbeflächen auch in Backnang. Dabei bietet allein das Gewerbegebiet Lerchenäcker rund 60 Hektar. Freie Flächen gebe dort zwar noch, teilt die Stadtsprecherin Christine Wolff mit. „Aber es gibt sehr viele Interessenten und reservierte Flächen.“ Daher plane man weitere Gewerbegebiete und prüfe verschiedenen Standorten. Schließlich sei der Bedarf der Firmen groß. Eine festgelegte Strategie verfolgt Backnang hierbei nicht. „Bei jedem Baugebiet wird individuell über die Nutzung entschieden. Im Moment liegt die Priorität auf produzierenden Unternehmen, die qualifizierte Arbeitsplätze anbieten können.“

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