Auf dem Foto von 2016 suchen Rebhühner nach einer Brutstätte neben einem Gewerbebauplatz. Foto: Eick

Die Pläne für das Gewerbegebiet Lange Äcker III in Kernen werden neu ausgelegt. Der Gemeindegutachter glaubt, dass die Rebhühner inzwischen einen neuen Lebensraum nutzen.

Kernen - Die Vollversammlung des Planungsverbands Unteres Remstal (PUR) der Städte und Gemeinden Fellbach, Kernen, Korb, Waiblingen und Weinstadt hat in ihrer jüngsten Sitzung fürs weitere Verfahren nur beschlossen, die Pläne für das neue Gewerbegebiet Lange Äcker III erneut auszulegen. Dies soll einen Formfehler heilen, der bei der jüngsten Bürgerbeteiligung geschehen ist. Für den kommunalpolitischen Streit um den Lebensraum der letzten Rebhühner Rommelshausens ist er unbedeutend. Die erneute Auslegung gibt aber den Gegnern des Gewerbegebiets die Chance, sich nochmals gegen neue Firmengebäude auf den hervorragenden Ackerböden westlich von Rommelshausen zu wenden.

Der Bebauungsplan wird in Kernen erarbeitet

Derzeit empfiehlt das beauftragte Planungsbüro ORplan in Stuttgart den Stadt- und Gemeindevertretern in der Verbandsversammlung, den Flächennutzungsplan so zu ändern, wie von Bürgermeister Stefan Altenberger und der Ratsmehrheit in Kernen gewünscht. Das ist ein Tausch zwischen dem Gebiet Schiemer in Stetten und den Langen Äckern in Rommelshausen, der einen größeren Bebauungsplan ermöglichen soll, als bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans im Jahr 2004 vorgesehen war. Der Bebauungsplan selbst wird in Kernen erarbeitet, daher findet auch das eigentliche Tauziehen dort im Gemeinderat statt.

Dahinter stehen allerdings auch in der Flächennutzungsplanung die strittigen Fragen, ob ein Gebiet wie die Langen Äcker III, eine Fläche südlich der Kellerei Kern, besiedelt werden darf, obwohl dort vom Aussterben bedrohte Rebhühner gesichtet worden sind und durch Gewerbeanwesen ihr Lebensraum eingeschränkt würde und ob bestes Ackerland überhaupt verbraucht werden sollte. Diese Frage ist in Kernen zwischen der Gemeinderatsmehrheit und der Schutzgemeinschaft Schmidener Feld sowie einigen Gemeinderäten umstritten.

Die Gemeinde hat ein weiteres Gutachten zum Rebhuhn-Bestand erstellt

Die Gemeinde Kernen hat in jüngerer Zeit ein weiteres Gutachten zum Rebhuhn-Bestand erstellen lassen, weil bisher zwei sich widersprechende Expertisen vorliegen. Das Fazit der „Gruppe für ökologische Gutachten“ in Stuttgart unterstützt dabei den Gemeindegutachter Peter Endl. Der gab den Bestand an Rebhühnern zuletzt mit einem Brutpaar und einem weiteren Tier an. Nach der Prüfung der jüngsten Ergänzung des Endl-Gutachtens scheinen die Ausgleichsflächen für den teilweisen Verlust einer Ruhestätte, eines Schlafplatzes der Vögel sowie für die entwerteten Fortpflanzungsstätten inzwischen zu funktionieren. „Hierzu wurden westlich von Rommelshausen Brachstreifen, Benjeshecken und Fütterungsstellen angelegt sowie die vorhandenen Niederstammobstanlagen ausgelichtet“, heißt es in dem Gutachten. Es sei nachgewiesen, dass das Revierzentrum der Rebhühner sich in Richtung dieser Flächen verlagert habe. Diese Flächen eignen sich also als Lebensraum für die Tiere. Die Prüfgutachter kommen zum Ergebnis: „Der für Lange Äcker III geforderte Nachweis, dass das Brutpaar mithilfe der Ersatzflächen neuen Brutraum erschlossen hat, liegt damit vor.“ Allerdings fehlt derzeit noch jeder Nachweis, dass die Vögel dort erfolgreich brüten. Denn auch dort sind sie Störungen und Gefahren ausgesetzt, insbesondere durch Füchse, freilaufende Hunde und auch durch Spaziergänger.

Ein „Killer-Argument“ gegen das Gewerbegebiet geben die Rebhühner mit diesem Ergebnis derzeit nicht mehr her. Laut den vorliegenden Unterlagen schlägt auch das PUR-Planungsbüro vor diesem Hintergrund vor, angesichts der Nachfrage den Mangel an Gewerbebauplätzen höher zu bewerten als die festgestellten Umweltnachteile. Sie gehen sogar davon aus, dass der Verband das endgültige Ergebnis des von Umweltschutzbehörden und Umweltverbänden verlangten dreijährigen Beobachtungszeitraums der Rebhuhn-Entwicklung, des sogenannten Monitorings, nicht abwarten muss. Ein Zwang dazu bestehe jedenfalls aus juristischen Gründen nicht.

Der Leiter des Stadtplanungsamts im Rathaus Fellbach, Christoph Beyer, der derzeit auch die PUR-Geschäftsstelle führt, weist dagegen auf die bisher noch nicht genau terminierte erneute Auslegung der Unterlagen zur Einsicht und Stellungnahme der Bürger hin: Bisherige Abwägungsvorschläge seien „obsolet“ und müssen je nach Eingang von Einwendungen aus der Bürgerschaft überarbeitet werden.

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