Auf der Inneren Brücke und in der Pliensaustraße gibt es derzeit einige Leerstände – etwa den ehemaligen Buchladen Schmidt oder Hut Bühler. Foto: Roberto Bulgrin

Der Strukturwandel hinterlässt seine Spuren: Angesichts wachsenden Onlinehandels sinkt die Nachfrage nach Ladenflächen in der Innenstadt. Das Esslinger Citymanagement will deshalb verstärkt gegen Leerstand kämpfen und Gründende unterstützen.

Die Veränderungen sind enorm. Die Innenstädte sind laut Experten einem so raschen Strukturwandel unterworfen wie seit Jahrzehnten nicht. Die Folgen für Handel und Gewerbe sind auch in Esslingen spürbar: Manch frühere Toplage ist heute kaum noch gefragt. Das hat teils gravierende Auswirkungen auf die City – was sich nicht zuletzt an den nahezu zeitgleichen Schließungen von Karstadt und dem Modehaus Kögel im Januar gezeigt hat. Deshalb will das Citymanagement in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf die Flächen in der Innenstadt legen.

 

Strategisches Flächenmanagement nennt die Stadt das Instrument, mit dem sie versucht, die Auslastung der Gewerbeflächen in der Innenstadt zu forcieren und den Branchenmix in ihrem Sinne zu beeinflussen. Schon seit Jahren nutzt sie diese Strategie – doch jetzt will sie sich noch stärker als bislang im Flächenmanagement engagieren. Zum einen soll der Status der Leerstände in der City künftig klarer erkennbar sein, zum anderen will das Citymanagement verstärkt zwischen Immobilienbesitzern und Interessenten vermitteln. „Wir wollen unsere Dienstleistung noch deutlicher anbieten“, sagt Michael Metzler, Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing und Tourismusgesellschaft (EST), unter deren Dach das Citymanagement angesiedelt ist.

Citymanagement will Angebot und Nachfrage zusammenbringen

Laut Metzler ist das Citymanagement geradezu prädestiniert für die Vermittlung zwischen Hauseigentümern und möglichen Mietern. „Wir sind permanent im Gespräch mit Maklern, Eigentümern und Unternehmern, die Interesse an Gewerbeflächen haben“, sagt Metzler. Deshalb – und weil man seit Jahren eine Leerstandsdatenbank führe – habe man einen guten Überblick über die rund 300 Gewerbeflächen in den Erdgeschossen der Esslinger Innenstadt. „Wir kennen die Flächen und die Eigentumsverhältnisse, wir wissen, ob ein Laden barrierefrei ist und wie die Schaufensterflächen aussehen“, so Metzler. Darüber hinaus wisse man, welches Unternehmen in welches Quartier passe – und welche Miete die Eigentümer ansetzen wollen. „Wir versuchen unentgeltlich, Angebot und Nachfrage zusammen zu bringen“, so Metzler.

Es komme durchaus vor, dass man Vermietern nahelege, noch einmal über die Höhe der Mietforderung nachzudenken, sagt Metzler. Denn schon seit einigen Jahren würden die Mieten für Gewerbeflächen in der City sinken. Das habe aber noch nicht jeder Eigentümer verinnerlicht. Das sei ein Grund, weshalb einige Ladenflächen über längere Zeit leer stünden – wenn auch nicht der einzige. Neben überzogenen Mietforderungen gebe es noch zig andere mögliche Gründe für leer stehende Gewerbeflächen in der City, etwa zerstrittene Erbengemeinschaften, betagte Eigentümer, die eine Vermietung wirtschaftlich nicht nötig hätten, oder Hausbesitzer mit weit entferntem Wohnsitz, deren Priorität nicht auf der Vermietung ihrer Esslinger Immobilie liege.

Zudem sei insgesamt die Nachfrage nach Gewerbeflächen in der City gesunken, so Metzler. Vor allem die nach großen Verkaufsflächen. Heute seien eher kleinere Flächen gefragt für Läden, die viel Online-Handel betrieben. Großflächige Läden wie die von Karstadt oder Kögel seien für die meisten Händler heute viel zu groß. Nun sei die Frage, wie diese Leerstände bis zu einer Nachnutzung bespielt werden könnten. Geplant ist jetzt eine Plakatkampagne in den Leerständen. Diese habe zwei Ziele, sagt Carina Killer, Leiterin des Citymanagements: Zum einen die optische Aufwertung der leer stehenden Schaufensterflächen, zum anderen die Darstellung des Status der Immobilie. So solle gleich ersichtlich werden, ob es sich tatsächlich um einen Leerstand handelt oder ob die Immobilie bereits vom Markt ist und sich dort etwas tut, erklärt Killer. „Denn nicht alles, was wie ein Leerstand aussieht, ist auch ein wirklicher Leerstand“, sagt sie.

Neues Programm zur Unterstützung von Gründern

Neben der Schaufenstergestaltung von Leerständen will das Citymanagement laut Killer in diesem Jahr noch ein weiteres Projekt starten, nämlich ein interkommunales Mietkostenzuschussprogramm für Gründende. Zusammen mit Filderstadt, Nürtingen und Kirchheim will Esslingen künftig Gründende jeweils ein Jahr lang mit einem Mietkostenzuschuss unterstützen – sofern der Gemeinderat dem Vorhaben zustimmt. Schließlich ist laut Carina Killer neben der Reduktion von Leerständen eines der primären Ziele des strategischen Flächenmanagements die Förderung von Gründungsaktivitäten. Insgesamt sieht man sich großen Herausforderungen gegenüber: „Es gibt Veränderungen in einer Intensität, wie wir sie in den vergangenen 70 Jahren nicht hatten“, betont Michael Metzler. „Der Handel hatte 70 Jahre lang eine starke Dominanz – aber das verschiebt sich jetzt.“

Entwicklung der Esslinger Quartiere

Ansiedlungen
Die Esslinger Küferstraße wird immer wieder als Beispiel für eine gelungene Neuausrichtung einer Einkaufsstraße genannt. Laut EST-Geschäftsführer Michael Metzler gab es hier vor einigen Jahren noch eine Leerstandsquote von 20 bis 25 Prozent. Heute stehe nur ein einziger Laden leer – der aber wegen eines Brandes in jüngster Vergangenheit derzeit unvermittelbar sei. In der Küferstraße haben sich in den vergangenen Jahren viele kleine inhabergeführte Läden angesiedelt.

Leerstände
Während die Ritterstraße laut Metzler in den vergangenen Jahren recht stabil geblieben ist, hätten sich Rathaus- und Marktplatz mit der Ansiedlung von Gastronomie positiv entwickelt, ebenso der Untere Metzgerbach. Auf der Inneren Brücke und in der Pliensaustraße hingegen gebe es inzwischen recht viel Leerstand, vor allem wegen notwendiger Sanierungen und Umbauten oder aufgrund von Gebäudeverkäufen. Hinzu kämen die riesigen leer stehenden Flächen von Karstadt und Kögel, die die Leerstandsquote bezogen auf die Verkaufsfläche in der Esslinger Innenstadt im Januar von 15 auf 32 Prozent steigen ließ.