Oberbürgermeisterin Gabriele Zull und GHV-Chef Maurizio Messina Foto: Michael Käfer

Der Gewerbe- und Handelsverein Fellbach blickt aus Anlass seines Jubiläums zurück, aber auch nach vorne. Wie war der Weg vom Wengerterdorf zum großen Wirtschaftsstandort?

Einen nicht alltäglichen Veranstaltungsort haben sich die rund 250 Mitglieder des Gewerbe- und Handelsvereins (GHV) Fellbach für die 125-Jahr-Feier ihres Verbunds ausgesucht. Die große Halle von Karosserie Eisemann, des Autodoktors, bot indes nicht zum ersten Mal den fast klinisch reinen Rahmen für ein Event mit dreistelligen Besucherzahlen.

 

Bewusst als Familienfest hatten der GHV-Vorsitzende Maurizio Messina und seine Helfer die Jubiläumsfeier organisiert. Folglich waren nicht nur Vertreter von allen Gemeinderatsfraktionen, außer den Grünen, sowie Unternehmer und Vereinsvertreter gekommen. Auch Kinder hatten trotz der wetterbedingt ausgefallenen Hüpfburg ihren Spaß. Bei den Erwachsenen war dafür Birgit Pfeiffer zuständig, die als urschwäbische Schwertgosch Elsbeth Gscheidle unterhaltsam über Väter und Vibratoren, Einkaufssitten und Eheprobleme referierte.

Bei der Bürokratie war es einst „paradiesisch“

Maurizio Messina erinnerte in seiner Ansprache an die Geschichte des GHV. „Vor rund 125 Jahren, nachweislich am 12. März 1898, trafen sich im damaligen Gasthof zum Ochsen rund 60 Fellbacher Gewerbetreibende, um den Gewerbeverein Fellbach zu gründen“, sagte der Steuerberater. Hauptgrund waren die damaligen Ordnungsvorschriften und Regelungsinhalte, die allerdings nach Ansicht des berufsbedingt einschlägig gebildeten Fachmanns im Vergleich zur aktuellen Bürokratie noch „paradiesische Zustände“ darstellten: „Würde der Verein heute gegründet werden, dann wäre eine gleichzeitige Gründung mit einer eigenen Rechtsabteilung wohl ratsam.“

Mit der GHV-Gründung sei der Grundstein gelegt worden, um Fellbach von einem Wengerterdorf zu einem Wirtschaftsstandort zu machen. Der Verein habe diesen Weg aktiv mitgestaltet – trotz Entwicklungshemmungen durch zwei Weltkriege und zuletzt die Coronapandemie sowie den Krieg in der Ukraine. Maurizio Messina monierte dabei deutschlandweite Entwicklungen, die zwangsläufig „in die Zerstörung städtischer Handelslandschaft“ führten. Er verwies exemplarisch auf den Onlinehandel sowie den Fachkräftemangel im Einzelhandel.

In Fellbach erhofft sich der GHV-Vorsitzende Unterstützung von der Stadt, etwa, indem unternehmensnahe Parkplätze erhalten werden. Der zuletzt beispielsweise durch einen neuen Werbeauftritt und eine überarbeitete Internetpräsenz aufgefallene Verein will künftig wieder vermehrt Fortbildungen und Veranstaltungen für die Mitgliedsunternehmen anbieten.

Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull blickte auch in die Geschichte zurück und nannte die drei ebenfalls 125 Jahre alten Firmen MergenthalerZerweck, Zerweck Handel und Juwelier Kuder sowie die im Herbst 1945 vom GHV in der Alten Kelter organisierte Gewerbeschau. Längst trage die Arbeit des GHV „nicht nur ökonomische, sondern auch soziale Früchte“.

Vorstandsmitglieder werden zu Hilfskräften

Die Stadt stehe an der Seite des GHV, versicherte die Rathauschefin und verwies auf die Planung der Ortsmitten in Fellbach, Schmiden und Oeffingen sowie in der nördlichen Bahnhofstraße. Dies geschehe „eben auch, um den Einzelhandel zu stärken“.

Für die Bewirtung sorgte bei der Veranstaltung der Fellbacher Metzgermeister Thomas Klingler, der prominente Hilfskräfte an der Seite hatte. Gekennzeichnet durch schwarze GHV-Schürzen bedienten die GHV-Vorstands- und -Ausschussmitglieder ihre Gäste. Letzteres kann auch Gabriele Zull künftig machen: Der Rathauschefin wird ein Exemplar nachgeliefert.