Das Gewandhaus-Quartett aus Leipzig Foto: Jens Gerber

Krasse Kontraste liegen ihnen: Das Gewandhaus-Quartett aus Leipzig hat im Mozartsaal in Stuttgart Schubert und Schumann gespielt.

Es ist über 200 Jahre alt, hat aber noch lange keinen Bart. Regelmäßige Verjüngungskuren machen es unsterblich: Das Gewandhaus-Quartett, 1808 von Mitgliedern des Leipziger Gewandhausorchesters gegründet, war zu Gast in der Kammermusikreihe der SKS Russ. Seit der Frischzellenkur 2021 führt Frank-Michael Erben – seit 1993 Primarius – seine „Ehe zu viert“ mit Yun-Jin Cho (zweite Geige), Luke Turrell (Viola) und Valentino Worlitzsch (Cello).

 

So überraschte es nicht, dass noch nicht alles ausgewogen klang im Mozartsaal. Krasse Kontraste liegen den vier Leipzigern, wie sie in Schuberts c-Moll-Quartettsatz zeigten, der zwei gegensätzliche Sphären gegenüberstellt. Einerseits Geisterhaftes, kalte, wilde Moll-Tremoli, auffahrende Gesten, andererseits zart-sehnendes Liedhaftes in Dur.

Manches wirkt holzschnittartig

Aber was die Ausdifferenzierung von Farben besonders im leisen Bereich angeht, wirkte manches holzschnittartig, was sich dann im Streichquartett a-Moll D 804, eines der drei großen letzten Quartette Schuberts, fortführte und vor allem im zweiten Satz, mit seinem eigentlich farblich und emotional ständig changierenden Thema störte. Im ersten Satz kamen gelegentlich intonatorische Probleme der Violinen hinzu, und die zweite Geige war klanglich oft deutlich zu dominant, während der Primarius phasenweise mehr Saft hätte geben müssen, um im Gesamtklang nicht unterzugehen.

Im Finale läuft es wie am Schnürchen

Spätestens im Finale fanden die vier zusammen, und es lief wie am Schnürchen. Was die gemeinsamen, oft sehr rasanten Bewegungsabläufe angeht, kann man das auch über das final gespielte Klavierquintett op. 44 von Robert Schumann sagen, in dem sich die Leipziger mit dem Pianisten Bernd Glemser risikobereit ins Geschehen stürzten. Das Werk gehört zur Liga der unmittelbar packenden Kammermusikwerke, ist ein Selbstläufer, wenn alle ihre Partien im Griff haben. Entsprechend bombig war die Schlusswirkung – und das Publikum sehr begeistert.