Der Bahnhof in Bernhausen sei kein „Brennpunkt“ – das betonen der Filderstädter OB als auch dort ansässige Gastronomen nach der Gewalttat. Foto: Caroline Holowiecki / SDMG

Am Ostersonntag hat ein Mann am Bahnhof in Bernhausen einen anderen mit einem Metallspieß schwer verletzt. Was ist vor Ort geschehen und was ist mit dem tatverdächtigen Angreifer?

Der rechte Arm ist dick eingegipst, unter dem linken Auge klebt ein Pflaster. Der Mann, ein sportlicher Typ, ist sichtlich lädiert. Er wartet am Dienstagvormittag in Bernhausen am Bahnhof auf den Bus Richtung Nürtingen – zum Krankenhaus. Wie er zu seinen Verletzungen gekommen ist, dazu will der 41-Jährige nichts sagen. Er winkt höflich, aber bestimmt ab. Wenig später veröffentlichen die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Polizeipräsidium Reutlingen eine gemeinsame Pressemitteilung, aus der hervorgeht, was dem Mann zwei Tage zuvor passiert ist.

 

Es handelt sich um eben jenen Mann, der am Ostersonntag von einem 29-Jährigen auf dem Bahnhofsvorplatz in Bernhausen mit einem Metallspieß traktiert worden ist. Kurz vor 19 Uhr waren die beiden Männer demnach gleich neben der Treppe zum S-Bahn-Tunnel in einen Streit geraten, aus der verbalen Auseinandersetzungen wurde dann laut Polizeibericht eine körperliche. Viele Menschen haben die Eskalation am Dr.-Peter-Bümlein-Platz mitbekommen.

Mehrere Notrufe in Filderstadt abgesetzt

Edmond Emini, der Chef der ansässigen Eisdiele Verdi, hat sich von seinem Team berichten lassen, was sich unmittelbar an seinem Lokal abgespielt hat. Demnach sei der Außenbereich des Eiscafés voll besetzt gewesen, als es nebenan plötzlich zur Sache gegangen sei. „Alle haben geschrien und sind aufgesprungen. Alle waren geschockt“, berichtet er.

Tatsächlich sind mehrere Notrufe abgesetzt worden, da manche Person vermutet hatten, dass es sich bei dem Metallspieß um eine Machete handelt. Wie nun aus der Pressemitteilung hervorgeht, hatte der Verdächtige sogar zwei Metallspieße bei sich. Freunde und Passanten kamen dem Verletzten demnach zur Hilfe und überwältigten den tatverdächtigen Angreifer. Polizeibeamte konnten den 29-Jährigen wenig später widerstandslos festnehmen und die mutmaßlichen Tatwaffen sicherstellen.

Beide Beteiligten standen laut Bericht unter Alkoholeinfluss und kannten sich nicht. Der 41-Jährige musste mit einem Rettungswagen zur medizinischen Versorgung in eine Klinik gebracht und ambulant versorgt werden. Die ganze Szene hat in Bernhausen für viel Wirbel gesorgt. Ein Mitarbeiter des dortigen Kiosks erzählt, seine Kollegin, die am Ostersonntag Dienst gehabt habe, habe von einem „Riesengeschrei“ berichtet.

Der Vorfall war am S-Bahnhof von Filderstadt. Foto: SDMG

„Es gab ein heftiges Gebrüll, dass sie schon dachte, die Leute schlagen sich die Köpfe ein“, sagt er. Auch der Oberbürgermeister Christoph Traub ist betroffen. „Gewalt hat an keiner Stelle etwas verloren“, sagt er. Er fühle mit dem Verletzten und jenen, die unfreiwillig Zeugen geworden seien.

Filderstädter OB: „Gewalt hat an keiner Stelle etwas verloren“

Der Tatverdächtige wurde am Montag dem Haftrichter beim Amtsgericht Nürtingen vorgeführt, der erließ den von der Staatsanwaltschaft Stuttgart beantragten Haftbefehl und setzte ihn in Vollzug. Gegen den 29-Jährigen wird nun wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt. In Bernhausen hoffen vor allem die Gastronomen, dass wieder Ruhe einkehrt. „Das ist überhaupt nicht gut für die Geschäfte“, sagt ein Mann hinter der Theke im Döner-Imbiss. Wenn so etwas passiere, blieben die Kunden weg.

„Das ist schlecht für uns, wir hoffen, dass so was nicht mehr passiert“, sagt auch Edmond Emini, der Chef der Eisdiele. Er habe die Terrasse extra schön mit neuen Pflanzen hergerichtet, um der Kundschaft einen attraktiven Platz zu bieten. Dass es am Bahnhof in Bernhausen häufiger Auseinandersetzungen gebe, davon könne er indes nicht berichten. „Das ist der beste Bahnhof, den ich kenne“, sagt er. Und auch Christoph Traub betont, dass hier kein Brennpunkt sei.