Uta Hohenberger mit einer Giraffe. Diese symbolisiert eine wertschätzende Sprache, wie sie bei der Gewaltfreien Kommunikation praktiziert wird – im Gegensatz zur Wolfssprache, die für schnelle Urteile und Bewertungen anderer Menschen steht. Foto:  

Uta Hohenberger bietet in Waiblingen bei der Familienbildungsstätte Kurse in Gewaltfreier Kommunikation an. Das Konzept des Psychologen Marshall Rosenberg zielt darauf ab, Missverständnisse, Machtkämpfe und Konflikte zu vermeiden.

Waiblingen - Dieser Satz hat Uta Hohenberger beeindruckt: „Jeder Konflikt lässt sich in 20 Minuten lösen, wenn die Beteiligten ihre Bedürfnisse erkennen, die ihrem Konflikt zugrunde liegen.” Der Ausspruch stammt vom US-amerikanischen Psychologen Marshall Rosenberg, den die Sozialpädagogin vor etlichen Jahren bei einem Seminar kennen gelernt hat. Etwas später hat Uta Hohenberger eine Ausbildung als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation absolviert – ein Konzept, das Marshall Rosenberg entwickelt und um die ganze Welt getragen hat.

Unsere Lieblingsstrategien sind nicht immer dienlich

Für Uta Hohenberger hat sich das Prinzip der wertschätzenden Kommunikation im Berufsalltag als hilfreich erwiesen, schließlich sind Konflikte und Missverständnisse bei ihrer Arbeit mit Paaren, Familien und Eltern „ein Dauerbrenner“. Um Konflikte lösen zu können, brauche es jedoch gewisse Voraussetzungen, sagt Uta Hohenberger, die in diesem Herbst bei der Familienbildungsstätte Waiblingen einen Schnupperabend und einen Workshop für Gewaltfreie Kommunikation anbietet: „Menschen müssen bereit sein, sich dafür zu öffnen, was ihre Bedürfnisse sind.“

Menschen haben, so die Annahme der wertschätzenden Kommunikation, im Prinzip alle die gleichen Bedürfnisse. Sie wünschen sich zum Beispiel Sicherheit und Gemeinschaft, Vertrauen und Wertschätzung – allerdings in unterschiedlich starker Ausprägung. Auch schlägt jeder einen anderen Weg ein, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. „Wir haben unsere Lieblingsstrategie, aber die ist nicht immer dienlich“, sagt Uta Hohenberger und nennt ein Beispiel: ein Kind, das Aufmerksamkeit sucht. „Manche Kinder verhalten sich dann destruktiv und bekommen tatsächlich Aufmerksamkeit, aber nicht die positive Art, die sie sich wünschen.“

Was ist gewaltfreie Kommunikation?

Manchmal wünschen sich zwei Menschen das Gleiche, geraten aber dennoch in Konflikt, weil er beispielsweise gerne in die Disco, sie lieber zuhause einen Film schauen möchte. „Sie haben aber das gleiche Bedürfnis nach Nähe und Zweisamkeit“, sagt Uta Hohenberger. Wenn das beiden klar sei, eröffne das neue Wege: „Man kann dann schauen, was man stattdessen gemeinsam machen möchte.“

Die Gewaltfreie Kommunikation versucht also zu zeigen, dass es viele (neue) Pfade zum Ziel gibt und nicht nur den ausgetretenen Weg, den man gewohnheitsmäßig einschlägt. „Es kommt darauf an, wie offen und wie sehr wir bereit sind, eingefahrene Verhaltensmuster zu verlassen“, antwortet Uta Hohenberger auf die Frage, ob sich Konflikte tatsächlich in 20 Minuten lösen lassen. Wenn diese Bereitschaft bestehe, sei es immer wieder erstaunlich, was möglich sei.

Doch was ist Gewaltfreie Kommunikation? Nun, das was ein Donald Trump betreibt, gehört definitiv nicht dazu. „Schubladendenken ist der Beginn. Sobald wir über andere Urteile fällen, ist das schon verbale Gewalt.“ Wolfssprache hat Marshall Rosenberg diese Art der gewaltvollen Kommunikation genannt. Im Gegensatz dazu steht die Giraffensprache, eine Herzenssprache, die Wertschätzung ausdrückt, selbst wenn man nicht damit einverstanden ist, wie ein Mensch handelt. „Sie heißt so, weil die Giraffe von den Landtieren das größte Herz hat“, erklärt Uta Hohenberger.

In den Kursen gibt es viele praktische Übungen

In ihren Kursen bietet sie viele praktische Übungen zum Erlernen der Giraffensprache an. „So erfahren und erleben die Leute, wie es geht.“ Natürlich trage jeder einiges in seinem emotionalen Rucksack mit sich herum, sagt die Trainerin: „Ein Kurs eröffnet das Potenzial der Gewaltfreien Kommunikation, aber es gilt, neue Wege zu erlernen. Und das braucht Zeit.“

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