Symbolfoto einer Festnahme: Der Beamte wurde am Dienstag festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt. Foto: dpa

Schüsse, Korruption im öffentlichen Dienst und eine neue Festnahme: Die Ausmaße des Falls „Frost“ weiten sich aus. Diesmal sollen Fahrzeughalterdaten weitergegeben worden sein.

Der Fall „Frost“ macht weiter Schlagzeilen. Im mutmaßlichen Konflikt zwischen zwei Security-Unternehmen hat die Staatsanwaltschaft Heilbronn einen weiteren Beschuldigten festnehmen lassen. Dieses Mal handelt es sich um einen Beamten eines Finanzamts im Großraum Stuttgart. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Mann für mutmaßliche Auftraggeber Kfz-Kennzeichen überprüft und Informationen zu den jeweiligen Haltern weitergegeben haben. Dadurch könnten laufende Ermittlungen behindert worden sein.

 

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat laut eigener Aussage beim zuständigen Amtsgericht Durchsuchungsbeschlüsse und einen Haftbefehl wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der Verletzung von Dienstgeheimnissen erwirkt. Am Dienstag durchsuchten Ermittler die Wohnung und den Arbeitsplatz des Beschuldigten. Der Beamte wurde noch am selben Tag dem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete.

Mehrfache Korruption?

Der Fall „Frost“ hat sich zuletzt zu einem handfesten Korruptionsskandal ausgeweitet. Bereits im November hatte die Staatsanwaltschaft Heilbronn Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechlichkeit gegen sieben Mitarbeiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft aufgenommen. Sie sollen unbefugt interne Daten weitergegeben haben. Juristen und Staatsanwälte waren nach damaligen Angaben nicht betroffen, wohl aber Wachtmeister und Verwaltungsmitarbeiter. Gegen einen Wachtmeister sowie zwei mutmaßliche Auftraggeber wurden Haftbefehle erlassen. Noch ist offen, ob die weitergegebenen Informationen konkret den Fall „Frost“ betreffen. Die Ermittler äußern sich bislang nicht dazu, ob die weitergegebenen Informationen der beschuldigten Staatsanwaltschaftsmitarbeiter oder die Daten der Autohalter auch wirklich die mutmaßliche Opfergruppe aus dem Raum Ludwigsburg betreffen.

Fast einjähriger Konflikt

Der Fall „Frost“ begann mit Schüssen am 26. April 2025 in der Ludwigsburger Oststadt – laut Informationen dieser Zeitung griff ein Security-Unternehmen ein anderes an. Es folgten ein Brandanschlag in Bietigheim-Bissingen und ein versuchter Mord in Tamm, durch den ein Opfer ein Bein verlor.

Im Januar gingen die Anschläge auf die Ludwigsburger Gruppe weiter. Mitte des Monats wurde auf die Büroräume des Security-Unternehmens in der Oststadt geschossen und ein Brandanschlag verübt. Vergangene Woche meldete erst ein Mitarbeiter der Firma, dass vor seinem Haus geschossen wurde. Dann verständigte das Tammer Opfer am vergangenen Samstag die Polizei – drei verdächtige Personen seien vor seiner Haustür. In beiden Fällen reagierte die Polizei, konnte vor Ort jedoch keine Anhaltspunkte auf eine mögliche Gefahrenlage erkennen.